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Pirna

Besser ohne Zuschauer als gar kein Sport

KSB-Geschäftsführer Dietmar Wagner sieht die Vereine der Region vor nie da gewesenen Herausforderungen - und nimmt die Politik in die Pflicht.

Mit über 43.000 Mitgliedern ist der Kreissportbund die größte Organisation im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge - und Dietmar Wagner ihr Geschäftsführer.
Mit über 43.000 Mitgliedern ist der Kreissportbund die größte Organisation im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge - und Dietmar Wagner ihr Geschäftsführer. © Daniel Förster

Die Corona-Krise stellt die Gesellschaft vor eine gewaltige Bewährungsprobe - der Sport bleibt dabei keine Ausnahme. Doch während es die Bedürfnisse der Bundesliga-Klubs nach wie vor regelmäßig in die Nachrichten schaffen, machen die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus auch vor den Vereinen an der Basis, die über keine öffentlichkeitswirksame Lobby verfügen, stark zu schaffen. Die SZ sprach mit Dietmar Wagner, Geschäftsführer des Kreissportbundes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (KSB), über die Probleme der Klubs in der Region und Möglichkeiten, wie die schwierige Lage bewältigt werden könnte.

Herr Wagner, zunächst erstmal das Wichtigste: Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?

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Danke der Nachfrage, meiner Frau und mir geht es gut, in der Familie sind alle soweit wohlauf.Wie ist die Lage innerhalb des Kreissportbundes, sind noch Mitarbeiter im Dienst?Die Situation bei uns ist ähnlich wie in Unternehmen, die von den aktuellen Maßnahmen betroffen sind. Die meisten Mitarbeiter arbeiten ihre Aufgaben von zu Hause aus ab. Sie sind telefonisch und per E-Mail erreichbar. Es gibt außerdem einen Dienstplan mit Notbesetzung für unsere Geschäftsstelle in Pirna. Auch das BBZ in Freital ist besetzt. Wir sind also weiterhin als Ansprechpartner für unsere Vereine da.

Sind Ihnen Fälle von Corona-Erkrankungen in Mitgliedsvereinen bekannt?

Da es an uns keine Meldepflicht gibt, sind dem KSB auch keine Fälle von mit dem Coronavirus infizierten Vereinsmitgliedern bekannt. Ich gehe aber davon aus, dass es bei der Vielzahl an Fällen allgemein durchaus auch in unseren Mitgliedsvereinen Erkrankte geben könnte.

Die Politik hat die Möglichkeiten der Bevölkerung, sich sportlich zu betätigen, stark eingeschränkt. Aus Ihrer Sicht die richtige Maßnahme?

Die im Zuge der Coronavirus-Entwicklungen beschlossenen Maßnahmen machen Sinn. Ich persönlich hätte mich allerdings über Lockerungen vor allem im Bereich des Individualsports gefreut. Dort also, wo man durchaus den nötigen Abstand halten kann. Dass man zum Beispiel im Stadion auf seiner Bahn laufen kann und nicht auf dem Bürgersteig oder Wegen, wo man doch auch auf andere Menschen trifft. Oder, dass man zum Beispiel zu zweit Tennis spielen könnte. Eine etwas differenziertere Regelung für den Sport hätte ich besser gefunden.

Welche Veranstaltungen des KSB selbst fallen aus?

Die gemeinsame Sportlergala von SZ und KSB, die am 4. April stattfinden sollte, wurde abgesagt. Auch der Oberelbe-Marathon am 26. April wird nicht stattfinden. Der diesjährige Hauptausschuss des KSB und die Jugendsportlerehrung wurden verschoben, neue Termine stehen noch nicht fest. Die Vorschulkinderfeste mit über 1.000 Teilnehmern und auch die „Sparkassen Kinder- und Jugendsportspiele“ im Landkreis mit mehr als 4.000 Teilnehmern sind gefährdet. Ob und wie sie stattfinden, wird etwa Mitte April entschieden.

Auch die Angebote des Kreissportbundes für die Vereine und deren Ehrenamtliche dürften betroffen sein ...

Die aktuelle Lage hat natürlich auch Einfluss auf Schulungen, Fortbildungen und Lehrgänge. Wir suchen nach neuen Terminen und Lösungen. Gerade was die Lizenzen für Trainer und Übungsleiter betrifft, muss es auf jeden Fall Möglichkeiten geben, Termine nachzuholen. Ich, zum Beispiel, bin auch davon betroffen. Ich betreue angehende Fußball-Übungsleiter bei der Ausbildung, führe auch Fortbildungen durch. Dazu muss ich an Lehrgängen des DFB teilnehmen, die zum Teil schon ausgefallen sind.

Zurzeit ist nicht absehbar, wie lange die Einschränkungen noch anhalten werden. Welche Empfehlungen können sie den Menschen im Landkreis geben, die sich in der Zwischenzeit trotzdem fit halten wollen?

Man kann alleine, mit dem Lebenspartner oder Angehörigen des eigenen Haushalts vorrangig in der häuslichen Umgebung Sport treiben und sich bewegen. Radfahren und laufen ist möglich. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, sich in den eigenen vier Wänden fit zu halten. Viele Vereine bieten virtuelles Training über Internetplattformen an. Mitglieder treffen sich online, um jeder für sich und doch miteinander zu trainieren.

Müssen Sportler eigentlich Mitgliedsbeiträge zahlen, obwohl sie den Aktivitäten in ihren Vereinen aktuell nicht nachkommen können?

Mitglieder können den gezahlten Beitrag nicht von ihrem Sportverein zurückfordern, wenn kein Training stattfindet. Denn der Mitgliedsbeitrag ist nicht gekoppelt an die Verpflichtung zur Erbringung konkreter Sportangebote. Bei der Mitgliedschaft in einem Verein handelt es sich um ein Personenrechtsverhältnis, mit dem keine konkreten Einzelleistungen eines Vereins abgegolten werden. Nach den jeweiligen Vorgaben der Satzung und Ordnungen eines Vereins steht es diesem jedoch grundsätzlich frei, Mitgliedsbeiträge mit einem Beschluss des zuständigen Gremiums zu gestalten. Ein Sonderkündigungsrecht aufgrund des Coronavirus besteht nicht.

Im Profisport wird derzeit noch mehr als sonst über Geld und dessen befürchteten Mangel geredet. Bereitet die Coronavirus-Krise auch Vereinen der Region wirtschaftliche Probleme?

Die aktuelle Situation bedeutet für den Sport eine bisher nicht da gewesene Herausforderung. Anders als Unternehmen dürfen Vereine nur geringfügige Rücklagen bilden. Einnahmen über Eintrittsgelder, Sponsoring oder den Verkauf von Getränken und Speisen bei Veranstaltungen brechen weg, Kosten, zum Beispiel für Personal, müssen aber weiter bezahlt werden. Aus diesem Grund sollte an die Solidarität aller Mitglieder appelliert werden. Vereine sind auch Solidargemeinschaften. Sie brauchen gerade in dieser schwierigen Situation Planungssicherheit. Das Geld wird ja dafür eingesetzt, den eigenen Verein durch diese schwierige Zeit zu bringen.

Was sollte die Politik in der aktuellen Lage unternehmen?

Wir schließen uns dem Appell des Deutschen Olympischen Sportbundes und der 16 Landessportbünde an und appellieren ebenfalls an die politisch Verantwortlichen in Bund und Freistaat, die Sportvereine und Verbände in der Coronavirus-Krise schnell mit einem Schutzschirm in ihrem Fortbestand zu sichern. Viele Vereine geraten unverschuldet in wirtschaftliche Schieflage. Die gemeinwohlorientierten Sportorganisationen sind eine starke Säule Deutschlands und wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Säule darf nicht ins Wanken geraten. Ohne staatliche Unterstützung wird dies jedoch nicht überall gelingen.

Im Profifußball beispielsweise wird diskutiert, mittelfristig den Spielbetrieb unter Ausschluss der Öffentlichkeit aufrechtzuerhalten. Könnte dies eine Zwischenstufe auf dem Weg zurück zur Normalität sein?

Ich würde es begrüßen, wenn bei einer Lockerung der jetzigen Maßnahmen der Spielbetrieb gern auch zunächst ohne Zuschauer wieder aufgenommen wird. Besser Wettbewerbe ohne Zuschauer als gar keine Wettbewerbe – unabhängig, ob im Profi- oder Amateursport.

Welche Unterstützung bietet der Kreissportbund selbst an?

Mit finanziellen Leistungen können wir nicht helfen. Uns betrifft die aktuelle schwierige Situation auch: Der KSB ist selbst von Einnahmen aus Fördermitteln und Sponsoring abhängig. Wir bieten jedoch fachliche Beratungen für Vereine an, die in der jetzigen Situation unverschuldet in eine wirtschaftliche Schieflage geraten sind. Was abgesagte Lehrgänge und den Bereich Lizenzen betrifft, suchen wir zudem nach Lösungen im Sinne der Sportvereine und ihrer vielen ehrenamtlich engagierten Trainer und Übungsleiter.

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