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Bessere Anschlüsse an Fernzüge? Fehlanzeige!

Seit dem Fahrplanwechsel sind Pendler im Landkreis Bautzen verärgert. Besonders ein Versprechen wurde nicht eingehalten.

Von Theresa Hellwig
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Welcher Zug hat den besten Anschluss? Um das herauszufinden, ist derzeit ein wenig Knobelarbeit notwendig.
Welcher Zug hat den besten Anschluss? Um das herauszufinden, ist derzeit ein wenig Knobelarbeit notwendig. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Mit dem Fahrplanwechsel, da wird alles besser. So zumindest ließ es der Zvon seine Kunden noch im April 2019 in einem Flyer glauben: Die Züge fahren dann in neuem Takt, hieß es – und die Anschlüsse an den Fernverkehr in Dresden, die werden deutlich besser sein. „Bis zu einer halben Stunde sparen Sie künftig bei den Umstiegen in Dresden“, schrieb damals der Zvon-Chef Hans-Jürgen Pfeiffer in dem Flyer und versprach: „Damit rückt unsere Zvon-Region ein Stück dichter an die großen Zentren heran.“ Im Dezember dann fand besagter Fahrplanwechsel statt.

Und in Gesprächen mit Pendlern wird deutlich: Längst nicht alle sind so euphorisch, wie sich damals noch der Zvon-Chef zeigte. Viele ärgern sich über die grundsätzlich geänderten Abfahrtszeiten, die nun so gar nicht mehr zum Dienstplan passen. Und noch vor allem ein Versprechen sei nicht eingehalten worden: Bessere Anschlüsse an den Fernverkehr? Das sei eine Fehlanzeige.

Die SZ hat die Wartezeiten an den Bahnsteigen im alten und im neuen Fahrplan verglichen. Der Zug nach Frankfurt über Leipzig – es ist einer der Züge, bei dem sich die Anschlüsse verbessern sollten, gerade bei dieser Bahn wurde es explizit versprochen. Jörg Krenz wollte seine Familie über diese Strecke in den Urlaub schicken – und freute sich über die Ankündigung. Doch der Blick in den neuen Fahrplan ließ ihn stutzen. „Eine Stunde Übergangszeit? Das war früher anders“, sagt er verärgert.

Tatsächlich. Beim Vergleich der Fahrpläne wird deutlich: Zu gewissen Uhrzeiten haben diejenigen, die mit der Bahn nach Leipzig fahren, jetzt mehr als 50 Minuten Aufenthaltszeit am Bahnhof Dresden-Neustadt. Für diejenigen, die um 8.43 Uhr in Bautzen losfahren, ist das zum Beispiel so. Zwei dreiviertel Stunden dauert der Weg für sie nach Leipzig seit dem Fahrplanwechsel, vorher waren es zu einer ähnlichen Uhrzeit nur zwei Stunden. Vor dem Fahrplanwechsel war es mehrfach am Tag möglich, in weniger als zwei Stunden von Bautzen nach Leipzig zu fahren – das ist jetzt anders.

Bauarbeiten sind schuld

Auch von und nach Berlin hat sich die Verbindung nicht unbedingt verbessert. Mit dem Zug, der um 5.53 Uhr in Berlin startet, sind Reisende um 8.01 Uhr am Bahnhof Dresden-Neustadt. Nur eine Minute später fährt die Bahn in Richtung Bautzen. Unter „zu geringe Übergangszeit“ ist der Zug deshalb in einer Tabelle der Länderbahn verbucht, die der Zvon zur Verfügung gestellt hat. Bei Zügen aus Rostock und Warnemünde sieht es ähnlich aus, andere verpassen den Anschluss ganz.

Etwa fünf Prozent der Zvon-Fahrgäste, erklärt Zvon-Sprecherin Sandra Trebesius, kommen vom Fernverkehr oder steigen in den Fernverkehr um. War das Versprechen an sie also ein hohles? Nicht ganz, wenn man Sandra Trebesius fragt. Zum Zugverkehr nach Berlin sagt sie nichts. „Aufgrund von Bauarbeiten in ganz Mitteldeutschland – vor allem im Bereich Radebeul – fährt der Fernverkehr in Dresden aber momentan früher los und kommt später an“, erklärt sie. Jedoch: voraussichtlich nur bis Ende Mai. Bis dahin verpassen die Regionalexpresszüge RE1, die ab und zu um 43 Minuten nach der vollen Stunde den Bautzener Bahnhof verlassen, die Anschlüsse nach Leipzig und Frankfurt um eine Minute. Der Zvon empfiehlt, in der Zwischenzeit auf die langsameren, aber früheren Regionalbahnen auszuweichen. 

Ende Mai soll es besser werden

Der VVO, der für den westlichen Teil des Landkreises zuständig ist, erklärt das noch deutlicher: Gebaut wird derzeit am Abzweig Altzitzschewig in Radebeul. „Mit dem Ende der Bauarbeiten entfällt ab Mai die Umleitung über Coswig, dann kann der Fernverkehr wieder in der ursprünglichen Lage verkehren“, sagt Gabriele Clauss.

Bisher fahren wegen der Umleitung die Fernverkehrszüge über Leipzig zehn Minuten früher ab – dann wieder entsprechend später. Das bedeutet, dass die Fahrgäste der Regionalexpresszüge den Umstieg wieder schaffen können. Und auch für Reisende aus Kamenz hat das Konsequenzen: Sie können dann wieder entspannter umsteigen. Denn auch sie haben gerade nur fünf Minuten Zeit dafür. Und auch für Reisende zwischen Köln und Kamenz soll dann wieder ein Umstieg möglich sein.

Die Umstiegszeiten bei der Bahn – es sind nicht die einzigen, die bei einigen Kamenzern in der letzten Zeit die Gemüter erhitzt haben. Schulbusse, die zu spät zum Unterricht kommen, haben erst vor wenigen Wochen Schlagzeilen gemacht. „Die RBO hat an dieser Stelle nachgebessert“, sagt Gabriele Clauss. Auf der Linie 305 wurde zum 6. Januar der Fahrplan angepasst. „Die Fahrt“, sagt sie, „wurde auf zehn Minuten früher gelegt.“ 

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