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Bessere Fahrradpolitik muss nicht immer viel kosten

Radler und Stadträte haben jetzt diskutiert, wie Zittau seine Note 4 als Fahrradstadt verbessern kann.

Von Gesine Schröter

Nahezu im Zehn-Minuten-Takt tritt am Dienstagabend ein neuer Gast durch die Tür des kleinen Raumes im Café Jolesch in der Hillerschen Villa. „Schön, dass wir noch Stühle brauchen“, zeigt sich Landtagsabgeordnete Eva Jähnigen (Grüne) erfreut über das wachsende Interesse am Thema Fahrrad. Gemeinsam mit Konrad Krause, dem Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), und dem Zittauer Stadtrat Matthias Böhm (Grüne) hatte sie zu einer Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Fahrradfreundliches Zittau?!“ eingeladen. Am Ende folgten der Einladung 30 Besucher. Unter ihnen waren zwar keine Vertreter der Stadtverwaltung. Laut Jähnigen konnten sie den Termin aus berechtigten Gründen nicht wahrnehmen. Allerdings waren neben Böhm noch drei weitere Zittauer Stadträte gekommen.

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Anlass für die Veranstaltung war das schlechte Abschneiden Zittaus als Fahrradstadt in einer Umfrage, deren Ergebnisse der ADFC im Februar dieses Jahres veröffentlicht hatte. Mit der Schulnote 4 bewegte sich die Stadt sachsenweit zwar auf Platz 5. „Allerdings darf man sich darauf nicht ausruhen, schließlich spricht das für das schlechte Niveau der Fahrradpolitik im ganzen Freistaat“, sagte Frau Jähnigen.

Besonders die fehlenden Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in der Stadt und die damit verbundenen hohen Diebstahlszahlen hatten Zittaus Schnitt heruntergezogen. Allein das könne mit zwei Fahrradbügeln an mehreren Straßenecken schon gut gelöst werden, meinte ADFC-Mann Krause. Abschließbare Fahrradboxen, wie sie sich beispielsweise die IHI-Studenten in der Nähe des Marktes wünschen, fanden allerdings nicht überall in der Runde Anklang. Des Weiteren wiederholten die Radler ihren Wunsch nach mehr Abstellmöglichkeiten am Bahnhof. Dass die Vogtlandbahn künftig die Strecke Zittau-Dresden bedienen wird, sahen einige als Chance. Sie hoffen, dass sich der Service für Radfahrer dadurch verbessert, zum Beispiel mit einer überwachten Abstellanlage.

Doch auch im Zittauer Stadtgebiet selbst könne schon mit kleinen und finanziell wenig aufwendigen Schritten viel für den Radverkehr getan werden, sagte Matthias Böhm. Das fange dabei an, dass weitere Einbahnstraßen in beide Richtungen für Radler freigegeben werden könnten, vor allem im Bereich Theodor-Körner-Allee über die Reitbahnstraße bis zum Ottokarplatz. Ab dort bis zur Post am Haberkornplatz gebe es im Übrigen zwei Fußwege, von denen einer als Radweg umgewidmet werden könnte. Somit käme man einem ringbegleitenden Radweg gleich ein ganzes Stück näher, so Böhm. Um solche verhältnismäßig kleinen Verbesserungsvorschläge direkt an die Stadt heranzutragen, fehlten allerdings die Vertreter aus dem Rathaus. Das bedauerten viele Teilnehmer und setzten ihre Hoffnung in die anwesenden Räte.