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Besseres Image und mehr Effizienz

Helmut Straden hatte sieben Jahre das Döbelner Werk von Autoliv geleitet. Jetzt stellt er bei Amiblu Kunststoffrohre her. Das sind seine Beweggründe.

Helmut Straden steht auf dem Lagerplatz vom Amiblu zwischen Kunststoffrohren, die die Firma in ganz Europa verkauft. Für den Manager ist das Neuland. Er kommt aus der Automotive-Branche und hatte das Döbelner Werk von Autolive geleitet.
Helmut Straden steht auf dem Lagerplatz vom Amiblu zwischen Kunststoffrohren, die die Firma in ganz Europa verkauft. Für den Manager ist das Neuland. Er kommt aus der Automotive-Branche und hatte das Döbelner Werk von Autolive geleitet. © Dietmar Thomas

Döbeln. Helmut Straden ist für die Döbelner ein alter Bekannter. Der 60-Jährige hatte nach der Wende 1991 die Produktion von Sicherheitsgurten und Gurtstraffern im neu eröffneten Werk von Autoliv organisiert und war sieben Jahre lang Werkleiter in Döbeln gewesen. Autoliv ist mittlerweile Geschichte. Aber Helmut Straden ist zurück – auf einem ganz anderen Gebiet. 

Seit ein paar Wochen leitet er das Werk von Amiblu Germany im Gewerbegebiet Am Fuchsloch. Kunststoffrohre statt Sicherheitsgurte. Straden hat lange für Autoliv gearbeitet, in verschiedenen Werken und verschiedenen Ländern mit allen möglichen Produkten des Autozulieferers. Auch in Rumänien in einem Werk für Lederlenkräder, erzählt er. 

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Zuletzt war er bei einem Autozulieferer im Vogtland. Jetzt also Kunststoffrohre für Abwasser. Gibt es da Übereinstimmungen? Die gibt es. Die einen wie die anderen Produkte müssen möglichst rationell hergestellt werden. „Ich will den Herstellungsprozess im Werk optimieren“, sagt Straden. Dazu sind seine Erfahrungen aus dem Automotivbereich gefragt. 

Erfahrungen aus dem Automotiv-Bereich

Die Autolieferer haben schon zeitig Kostensysteme und schlanke Produktion einführen müssen. Und dieses Wissen ist auch in anderen Branchen wertvoll. Bei Amiblu werden Kunststoffrohre von 30 Zentimetern bis drei Metern Durchmesser hergestellt. Das ist die Stärke des Unternehmens und gleichzeitig auch eine Schwäche. 

Theoretisch kann das Unternehmen – abhängig von den Rohrdurchmessern – bis zu 700 oder 800 Meter Rohr am Tag herstellen. Aber nur, wenn nicht von einem auf den anderen Durchmesser umgerüstet werden muss, sagte Straden. „Das Rüsten ist sehr zeitaufwendig, da steht die Maschine für einige Stunden. Das ist sehr kostenintensiv“, sagte Straden. 

Diese Rüstzeiten zu verkürzen, sei seine Aufgabe. Die Rohre werden bei Amiblu gewickelt. Glasfasern ergeben mit Kunstharz und Sand als Füllstoff eine solide Einheit. Abwasserrohre aus diesem Material sollen bis zu 150 Jahre halten. Rohre aus Beton machen schon nach der Hälfte der Zeit schlapp. In Zeiten zunehmender Wetterkapriolen werden auch Regenrückhaltesysteme immer wichtiger. 

Alte Abwasserleitungen können mit Produkten von Amiblu ertüchtigt werden. Auch das Wasser für Kraftwerke wird durch die druckfesten Rohre geschickt.

200 Mitarbeiter bei Amiblu

In dem Betrieb im Fuchsloch arbeiten etwa 200 Mitarbeiter und stellen in drei Schichten die Kunststoffrohre her. Viele Mitarbeiter seien schon lange dabei und sehr erfahren, sagte Straden. 

„Die Leute sind motiviert. Ich will mit der Mannschaft vorwärtskommen und sichtbar etwas verändern, unter anderem bei Gesundheitsmanagement, Arbeitssicherheit und Effizienz. Ich will ein Arbeitsumfeld anbieten, das die Mitarbeiterbelange berücksichtigt, aber auch die Mitarbeiter fordert. Ich bekomme das Feedback: Endlich tut sich etwas“, sagte Straden. 

Mitarbeiter werden gesucht, in der Produktion wie in der Verwaltung. Welche zu bekommen, das ist nicht einfach. Aus einem der Gründe macht Straden kein Hehl: „Die Firma hat nicht das beste Image“. Nicht zuletzt deshalb, weil Amiblu mit Kunstharz und damit mit chemischen Stoffen arbeitet. 

„Es gibt bei uns sehr viele Sicherheitsvorschriften, die einzuhalten sind. Den Mitarbeitern wird eine persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt bis hin zur Atemschutzmaske für Arbeiten in bestimmten Bereichen. Die Schutzausrüstung muss in der Praxis aber auch angewendet werden“, sagte Straden.

Der neue Werkleiter will das Image der Firma verbessern und setzt auf Kontinuität. „Das brauchen die Mitarbeiter auch“, sagte Straden. In den vergangenen Jahren hatten Werkleitung wie auch Eigentümer und Name der Firma oft gewechselt. Zuletzt von Amiantit zu Amiblu. Vor drei Jahren fusionierte die Firma mit Hobas Europe. 

Damit kamen die beiden größten Konkurrenten zusammen. Während in Döbeln die Rohre gewickelt werden, setzt man in Österreich auf ein Schleuderverfahren. Beide Methoden hätten ihre Vor- und Nachteile, sagte Straden. Von der Corona-Krise hat man bei Amiblu noch nicht viel gespürt. 

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