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Bestätigt: Es war der Wolf

Die Umstände um zwei tote Schafe in Großraschütz und Zottewitz sind geklärt. Hinweise auf einen sesshaften Wolf nahe Großenhain gibt es aber nicht.

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Kein schöner Moment: Mitarbeiter der Fachstelle Wolf mussten am 18. Dezember ein totes Schaf in Großraschütz bergen.
Kein schöner Moment: Mitarbeiter der Fachstelle Wolf mussten am 18. Dezember ein totes Schaf in Großraschütz bergen. © Kristin Richter

Großenhain/Priestewitz. Der Schreck saß tief am 18. Dezember des vergangenen Jahres. Da war in den frühen Vormittagsstunden am Ufer der Großen Röder im Großenhainer Ortsteil Großraschütz ein getötetes Schaf gefunden worden. Ein weiteres Tier war verletzt, vier andere völlig verwirrt aufgefunden worden. Die Herde hatte in einer Koppel am Fluss geweidet. Die Vermutung, dass hier ein Wolf am Werk war, lag sofort nahe. Bestätigt werden konnte das vor Ort aber nicht.

Jetzt aber hat die Fachstelle Wolf beim Landesamt für Umwelt und Geologie das Ergebnis ihrer Untersuchungen auf SZ-Anfrage mitgeteilt. Die Begutachtung habe „den Wolf mit hinreichender Sicherheit als Verursacher bestätigt“, so Vanessa Ludwig, Referentin Öffentlichkeitsarbeit der Fachstelle Wolf. Gleiches gelte für einen zweiten Vorfall am 22. Dezember im Priestewitzer Ortsteil Zottewitz. Auch dort war ein gerissenes Schaf gefunden und von Mitarbeitern der Fachstelle untersucht worden.

Vor allem in Großenhain waren danach Befürchtungen laut geworden, weil es noch nie so nahe einer Wohnbebauung zu einem Wolfsriss in der Stadt gekommen war. Immerhin: Der „Tatort“ Großraschütz befindet sich unmittelbar hinter dem gut frequentierten Kaufland-Einkaufsmarkt. Die Fachstelle beruhigt. Vanessa Ludwig: „Außer den beiden Nutztierrissen gingen bei der Fachstelle keine weiteren Wolfshinweise aus der Gegend um Großenhain ein.“ Die Region werde zum Einzugsbereich des seit 2016 bekannten Raschützer Rudels gezählt. Außerdem gebe es seit 2018 in der Gegend um Moritzburg immer wieder Hinweise auf Wölfe, allerdings reichten diese bisher nicht aus, um den Status zu klären und „einen sesshaften Wolf in dem Gebiet zu bestätigen“, so die Sprecherin.

Tötet ein Wolf Nutztiere, sei das kein auffälliges Verhalten, fügt Vanessa Ludwig hinzu. Er verhalte sich normal, indem er günstige Gelegenheiten nutzt, um an Nahrung zu gelangen. „Wölfe, die gehäuft ungeschützte oder nicht ausreichend geschützte Tiere vorfinden und erbeuten, lernen, dass Nutztiere deutlich einfacher zu erbeuten sind als wildlebende Beutetiere“, so Ludwig. Im Ergebnis dieses Lernprozesses könne es dazu kommen, dass Wölfe gezielt versuchen, Nutztiere zu reißen und dabei auch empfohlene Schutzmaßnahmen überwinden.

Auch der Fakt, dass Wölfe immer wieder nachts und selten auch mal am Tage in Siedlungsbereichen Nutz- oder Wildtiere reißen, sei nicht als auffälliges oder gefährliches Verhalten gegenüber Menschen zu bewerten. „Begegnungen mit Menschen vermeiden Wölfe in der Regel, weshalb die Übergriffe auf Nutztiere in Abwesenheit von Menschen stattfinden“, stellt Vanessa Ludwig klar. Grundsätzlich können Wölfe, die in Kulturlandschaften leben – auch wenn dies selten sei –-, durchaus mal am Tage in Ortsnähe gesehen werden, ähnlich wie dies von Füchsen, Rehen oder Wildschweinen bekannt ist. Dies gehöre zum Repertoire des normalen Wildverhaltens.