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Bester Schweißer kommt aus Rothenburg

In Mitteldeutschland hat Fabian Strobach schon gewonnen. Nun fährt er zu den Bundesmeisterschaften.

Fabian Strobach ist der beste Nachwuchsschweißer Mitteldeutschlands. Beim Wettbewerb „Jugend schweißt“ errang der 18-jährige Rothenburger kürzlich in Halle den ersten Platz.
Fabian Strobach ist der beste Nachwuchsschweißer Mitteldeutschlands. Beim Wettbewerb „Jugend schweißt“ errang der 18-jährige Rothenburger kürzlich in Halle den ersten Platz. ©  André Schulze

Auch wenn es diesmal nur fürs Bild ist – so viel Zeit muss sein: Fabian Strobach rückt sich die Brille zurecht, fixiert das Werkstück vor ihm ganz genau und setzt dann zum Schweißen an. Volle Konzentration, die Naht muss gelingen. So hat es der 18-Jährige aus dem Rothenburger Ortsteil Noes in den vergangenen Monaten schon bei zwei Meisterschaften getan – beide im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend schweißt“.

Ende März ließ er mit drei Nähten am Blech und verschiedenen Rohrverbindungen die Konkurrenz aus Dresden und der Region Mittelsachsen hinter sich. Mitte Juni hatten dann auch die Teilnehmer der mitteldeutschen Meisterschaften mit Schweißern aus Sachsen und Sachsen-Anhalt gegen den jungen Rothenburger keine Chance. Zwei Rohrnähte und eine Blechnaht wollte die Jury sehen.

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Entsprechend stolz ist auch Knut Micklitza, Chef von Fabian Strobachs Ausbildungsbetrieb: „Es ist schon toll, wenn der beste Nachwuchsschweißer gerade aus unserem Unternehmen kommt. Das ist ein Aushängeschild“, strahlt der Geschäftsführer der Nieder-Neundorfer Heizungs- und Sanitärfirma. „Damit haben wir eigentlich alles richtig gemacht.“ Er sei froh, einen so talentierten Lehrling in seinen Reihen zu haben.

Für Fabian Strobach war immer klar, was er beruflich gern machen würde. „Den ganzen Tag im Büro sitzen, wäre nichts für mich gewesen. Ich muss mit meinen Händen etwas schaffen. Da ist es selbstverständlich, dass die Finger auch mal schmutzig werden.“ Noch als Schüler stellte er sich mehrmals bei Knut Micklitza vor, arbeitete hier in den Ferien und absolvierte ein Praktikum. „Vor allem das Technische an dem Job hat mich begeistert. Das Thema Heizungen ist heute sehr komplex, bringt Vielseitigkeit und Abwechslung mit. Das liegt mir. Und nun bin ich voll dabei.“

Da macht es auch nichts, dass er fast „aus Versehen“ bester Nachwuchsschweißer Mitteldeutschlands geworden ist. Denn in der Heizungs- und Sanitärbranche wird heute hauptsächlich geschraubt, gedrückt und gepresst. „Schweißen hat im Laufe der Jahre abgenommen“, bestätigt Knut Micklitza. „Aber es wird natürlich weiter Bestandteil des Berufsbildes bleiben.“ So ist der richtige Umgang mit dem Gasgemisch aus Sauerstoff und Azetylen auch künftig aktuell. „Schweißen liegt mir einfach“, findet Fabian Strobach, der im ersten Lehrjahr die Grundlagen lernte, im zweiten dann weiter an seiner Perfektion gefeilt hat. „Schweißen ist nicht unwesentlich auch eine Sache des Geschicks. Man muss ein gutes Auge haben, eine ruhige Hand. Vielleicht bin ich ja ein Talent“, vermutet der Rothenburger. 

Im August fängt der junge Mann sein drittes Lehrjahr an. Bis zum Februar 2021 muss sich sein Chef noch gedulden, bis er ihn als vollwertigen Mitarbeiter, als Anlagenmechaniker für Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnik, anstellen kann. Auch er ist auf Berufsnachwuchs angewiesen. Zum einen, um den Altersdurchschnitt im Sechs-Mann-Betrieb zu senken. Zum anderen, um die Aufträge überhaupt abarbeiten zu können. „Gute Leute zu finden, ist extrem schwierig geworden“, findet Micklitza. Als einen Grund dafür hat er das derzeitige Schulsystem ausgemacht. „Dass die Gymnasialausbildung so forciert wird, wirkt den Handwerksberufen entgegen. Mit einem Notendurchschnitt von 2,5 muss niemand das Abitur anstreben. Solche Leute wären bei mir oder meinen Kollegen viel besser aufgehoben.“ Und er hat einen dramatischen Trend festgestellt. „Als ich vor vielen Jahren noch selbst die Schulbank gedrückt habe, gab es zwei Ausbildungklassen, damals noch in Görlitz. Heute müssen die jungen Leute nach Bautzen fahren. Dort kriegen sie am Berufsschulzentrum mit Mühe und Not gerade mal noch eine Klasse zusammen.“

Fabian Strobach
Fabian Strobach ©  André Schulze

Ganz so dramatisch sieht man die Lage bei der Handwerkskammer Dresden nicht. Nach deren Erhebungen ist die Zahl neu abgeschlossener Lehrverträge bei den Anlagenmechanikern in den letzten Jahren sogar gestiegen. Gab es 2010 nur 72 Interessenten, waren es 2018 immerhin 90. Ein Jahr zuvor wurde mit 107 Lehrlingen der beste Wert im zurückliegenden Jahrzehnt erreicht. Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski führt die neue Beliebtheit des Berufes auf die modernen Elemente zurück, die heute zur Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnik gehören. „Die Anlagenmechaniker sind sozusagen Experten für die Energiewende daheim. Tablet und USB-Stick sind genauso wichtig wie Lötkolben oder Zange.“ Oder wie im Fall Fabian Strobach das Schweißgerät. Mit dem wird er Ende September in Gelsenkirchen versuchen, auch bei der deutschen Meisterschaft einen Spitzenplatz zu erreichen.

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