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Besuch bei Premysl – Ackersmann und Fürst

Das geschichtsträchtige Denkmal in Stadice ist gut zu erreichen – dank Ustis Seilbahn zur Vetruse.

Von Heinz Strohbach

Mit der Anbindung des Aussichtslokals Ferdinandshöhe an die Seilbahn hat sich die Stadt Aussig einen wunderbaren Ausgangspunkt für Wanderungen geschaffen. Unter anderem ist es jetzt auch möglich, jenes merkwürdige Denkmal mit dem Ackerpflug in Stadiz zu Fuß zu erreichen.

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Die in den letzten Jahren fertiggestellte Seilbahn verbindet das Zentrum der Stadt direkt mit dem Ausflugslokal. Mit einer Geschwindigkeit von 6m/s können pro Stunde in den 15er-Kabinen 390 Personen befördert werden. Die Talstation befindet sich im ersten Stock der Warenhausfront gegenüber der Maria-Himmelfahrts-Kirche an der Bilinska-Straße. Hinter dem mit zahlreichen Anlagen ergänzten Ausflugsrestaurant Vetruse stoßen wir auf den Wegweiser mit dem grünen Strich. Die Passage am oberen Elbhang belohnt uns mit schönen Aussichten ins Elbtal und auf die gegenüberliegende Schreckensteinruine. Im Frühjahr, meist im März, blüht am Hang das unter Schutz stehende Leberblümchen (Hepatica nobilis) aus der Familie der Hahnenfußgewächse, Blume des Jahres 2013.

Mit gelber Markierung geht es später hangaufwärts nach Podlesin (Podloschin). An dieser Stelle verlassen wir die Markierung und laufen auf der kaum befahrenen Straße in zwei Kilometern über Stebno (Stäben) nach Sucha (Suchey), wo wir auf die grüne Markierung stoßen, der wir nach Stadice (Stadiz) folgen.

Nach Unterquerung der Autobahn sehen wir in einem kleinen Park gegenüber der Straße jenes ungewöhnliche Denkmal mit dem Ackerpflug. Zwei große Reliefplatten erläutern das Geschehen, welches tief in die Geschichte des tschechischen Volkes eindringt. Kosmas, der erste Chronist, der 1125 als Prager Dekan starb, berichtet darüber: Zur Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert wurde Böhmen mit dem Stammvater Czech (daher der Name Tschechen) zu einem Staatsgebilde. Nach seinem Tod wählte man eine Frau, die kluge und weise Libusa, zur Fürstin. Doch nach einigen Jahren kam es bei der Schlichtung eines Rechtsstreits zu Äußerungen wie: „Es ist eine Schande, von einer Frau mit langen Haaren und kurzem Verstand regiert zu werden.“ Libusa reagierte sofort: „Hinter den Bergen fließt ein kleiner Fluss, Bilina genannt. Dort neben dem Dorf pflügt Euer Herzog mit zwei Ochsen. Überbringt dem Mann Grüße von mir und führt ihn als Fürsten und meinen Gemahl heim. Premysl ist sein Name, und sein Geschlecht soll herrschen über das Land in Ewigkeit.“

Tatsache ist, dass die Premysliden fast 400 Jahre in Böhmen regierten. Ein herausragender Vertreter war König Wenzel, der noch heute auf dem Prager Hradschin ehrfürchtig verehrt wird. Die beiden Reliefplatten zeigen „Die Ankunft der Sendboten der Libusa“ und „Die Begrüßung Premysls auf dem Vysehrad“. Im Steinsockel eingemeißelt finden wir die Worte „Hier ward Premysl vom Pflug zum Herzog berufen“. Das Denkmal ließ der aus sächsischen Adel stammende Herrschaftsbesitzer Graf Nostritz errichten. Es ist ein Werk des Wiener Bildhauers Josef Max.

Für den Rückweg bieten sich drei Möglichkeiten an: Wir laufen zu Fuß zurück, oder wir nutzen Bahn oder Bus nach Usti. Der Weg im Tal der Bilina ist wegen fehlender Fußwege nicht zu empfehlen.