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Betonkoloss macht Eindruck

Hochwasserschutz bietet die Talsperre Kriebstein nicht. Dafür produziert sie saubere Energie.

Klaus Flemming macht große Augen. Die alten Generatoren der Talsperre Kriebstein beeindrucken ihn. Lange werden sie nicht mehr zu bestaunen sein. Das Turbinenhaus wird demnächst abgerissen.
Klaus Flemming macht große Augen. Die alten Generatoren der Talsperre Kriebstein beeindrucken ihn. Lange werden sie nicht mehr zu bestaunen sein. Das Turbinenhaus wird demnächst abgerissen. © Lars Halbauer

Von Rasmus Wittrin

Kriebstein. Die Dimensionen der Talsperre Kriebstein sind beachtlich: 34 Meter misst das ausschließlich aus Beton errichtete Bauwerk in der Höhe, es ist 230 Meter lang und fasst elf Millionen Kubikmeter Wasser. Zum Vergleich: Ein Kubikmeter entspricht knapp der Wassermenge, die sieben durchschnittliche Badewannen fassen können.

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Auch das Alter ist beeindruckend: 1929 wurde die Talsperre nach etwa zweijähriger Bauzeit fertiggestellt. Von Anfang an diente sie insbesondere der Energieversorgung, damals noch für eine Papierfabrik. Entgegen der weit verbreiteten Annahme kommt ihr im Hochwasserschutz kaum eine Bedeutung zu.

Denn, egal ob es zu viel oder zu wenig regnet, muss grundsätzlich immer die gleiche Wassermenge abgegeben werden, wie durch die Zschopau zufließt, erklärt Jörg Kupsch. Er ist der Staumeister der Talsperre. Grund dafür ist einerseits der Schiffverkehr, dem ab einem Wasserverlust von 30 Zentimetern Schwierigkeiten drohen, andererseits wegen des Hangdrucks: Wenn zu schnell zu viel Wasser abgelassen wird, könnten die Hänge abrutschen.

Einblicke in die Arbeit an der Staumauer sind selten. Doch am Maifeiertag gab es sie, und zwar für die Teilnehmer der 21. Oldtimer-Ausfahrt zum Geringswalder Vereins- und Gewerbefest. Den notwendigen Kontakt dafür hat laut Organisator Thomas Damm die Bürgermeisterin von Kriebstein Maria Euchler hergestellt. „Die Oldtimer-Freunde sind ihr sehr dankbar dafür“, so Damm, der in Geringswalde zweiter stellvertretender Bürgermeister ist.

Für die Oldtimer-Ausfahrt, die Teil des Festes in Geringswalde ist, sucht Damm jedes Jahr ein neues Ausflugsziel. Das von 2019 zu toppen, wird sicher schwer werden. Am Mittwoch hatten sich etwa 60 Fahrer von älteren Fahrzeugen beteiligt. Vor allem für die Technikbegeisterten unter ihnen war der Blick hinter die Kulissen der Staumauer ein besonderes Erlebnis, das bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Die Talsperre Kriebstein wurde 1995 vom Freistaat Sachsen an die Karl-Gruppe, ein Unternehmen aus Bayern, verkauft. Seitdem wurde das Bauwerk saniert und ausgebaut. Unter anderem ging 2010 ein neues Kraftwerk in Betrieb, das das alte ersetzen sollte. Wenn alle drei Turbinen auf Höchstleistung sind, können maximal 7,2 Megawatt Energie pro Stunde erzeugt werden. Pro Jahr werden laut Staumeister Kupsch durchschnittlich 23 Millionen Kilowattstunden erzeugt. Das ist genug für etwa 9.000 Haushalte.

Allerdings hatte der trockene Sommer letztes Jahr nicht nur der Landwirtschaft, sondern auch der Energiegewinnung durch Wasserkraft geschadet. Kupsch: „2018 wurden nur 17 Millionen Kilowattstunden erzeugt.“ 2019 sind es dank des feuchteren Frühjahrs schon 15 Millionen.

Das alte Kraftwerk, das nach dem Hochwasser 2002 noch saniert wurde, ging 2014 vom Netz. Die Oldtimerfreunde konnten sich auch in diesen Räumen umsehen. Lange wird es diese Möglichkeit aber nicht mehr geben, denn das Gebäude soll abgerissen werden.

Auch der gesamten Talsperre stehen Veränderungen bevor, denn in den nächsten Jahren soll der Stausee für wahrscheinlich ein Jahr vollständig abgelassen werden, erzählt Kupsch. Grund ist der Bau eines Überlaufbeckens, um im Falle eines Hochwassers schneller Wasser ablassen zu können. Das genaue Jahr steht noch nicht fest. „Die Pläne sind alle schon fertig, wir warten nur noch auf die Genehmigung von den Behörden“, so Kupsch.

Bisher können über insgesamt acht Hochwasserüberläufe und drei Grundablässe bis zu 1.300 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abgelassen werden. 2002 hat das allerdings nicht gereicht: Schätzungen zufolge flossen 1.700 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den Stausee. Hätte es nur etwas länger geregnet, so Kupsch, wäre die Staumauer überflutet worden. Das ist gefährlich, weil dann der Hang an den Seiten der Talsperre abgetragen werden kann, wodurch die Mauer ihren Halt verliert.