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Polnische Betreuer bleiben in Deutschland

Die Corona-Krise hat wenig Auswirkungen auf das Betreuen alter Menschen. Weil jetzt ihre Familien mehr Zeit haben.

Sabrina Müller und Jan Holes wohnen in Gebelzig und vermitteln osteuropäische Betreuungskräfte in der Oberlausitz.
Sabrina Müller und Jan Holes wohnen in Gebelzig und vermitteln osteuropäische Betreuungskräfte in der Oberlausitz. © André Schulze

Geschlossene Grenzen und Quarantäneverfügungen, beides bremst Jan Holes nicht aus bei der Vermittlung von Betreuungskräften. Sie kommen aus Polen und der Ukraine und betreuen in deutschen Haushalten vorwiegend alte Menschen. "Bisher können wir alle Anfragen positiv beantworten. Nicht immer mit der gewünschten Person, aber zumindest mit einer abgesicherten Betreuung", erklärt Jan Holes.   

Zusammen mit seiner Lebenspartnerin Sabrina Müller vermittelt er Betreuungskräfte in der Oberlausitz. "Sie leben mit im Haushalt der hilfsbedürftigen Person und sorgen für ihre Ernährung, Körperpflege und Mobilität. Darüber hinaus erledigen sie alle anfallenden Arbeiten im Haushalt bis hin zum Einkauf", umreißt der Gebelziger das Tätigkeitsfeld. Aber: Medizinische Aufgaben zu übernehmen ist ihnen untersagt. Das erledigen die ambulanten Pflegedienste.

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Lieber zu Hause betreuen

Dass die Betreuung weiter abgesichert ist, begründet Jan Holes damit, dass in dieser Corona-Zeit die polnischen und ukrainischen Frauen und Männer in Deutschland bleiben. Sie werden in andere Haushalte vermittelt und brauchen somit nicht zurück in ihr Heimatland und sich dort in Quarantäne zu begeben. Einerseits haben die Vermittler eine steigende Nachfrage nach Betreuern zu verzeichnen. "Weil sich viele Angehörige jetzt überlegen, ob es ratsam ist, die Oma oder den Opa in eine Pflegeinrichtung zu geben, zumal in einigen Bundesländern ein Aufnahmestopp besteht", berichtet Jan Holes. 

Andererseits stellen er und Sabrina Müller fest, dass in einigen Familien jetzt wieder mehr Zeit für die Betreuung der Senioren ist - aufgrund von Heimarbeit, Kurzarbeit, Kinderbetreuung und was Corona noch so im Schlepptau hat. "Wir haben Fälle, wo die vertraglich vereinbarte Betreuung ausgesetzt wird, weil das jetzt Familienangehörige übernehmen können." Schließlich ist so eine 24-Stunden-Betreuung nicht zum Nulltarif zu haben. Ab 50 Euro kostet die Betreuung pro Tag und sie ist finanziell abhängig von der Qualifikation und den Deutsch-Kenntnissen der jeweiligen Person.  

Bundesweit vernetzt

Jan Holes hat dabei nicht nur die Oberlausitz im Blick, sondern die gesamte Bundesrepublik. Mit Sabrina Müller ist er einer von rund 50 Lizenzinhabern der Betreuungswelt. Eine bundesweit tätige Gesellschaft, die Betreuungskräfte vermittelt. "Wir sind untereinander gut vernetzt, auch mit unserer Zentrale in Düsseldorf, so können wir flexibel auf Betreuungsanfragen reagieren." Denn die Nachfrage steigt. 

Begonnen mit der Vermittlung hat das Paar im März vergangenen Jahres. Zunächst nur im Landkreis Görlitz. Inzwischen stehen 21 erfolgreiche Vermittlungen zu Buche. Jan Holes schätzt, dass es im zweiten Jahr die doppelte Anzahl werden wird oder mehr. Denn die Strukturen sind inzwischen aufgebaut und die Skepsis bei den Betroffenen weicht zunehmend der Erkenntnis, dass eine Betreuung zu Hause die familiär bessere und kostengünstigere ist, als in einem Alten- oder Pflegeheim.     

Zahl der Vermittlungen verdoppelt sich

Noch können Sabrina Müller und Jan Holes im Zweitjob die Betreuungskräfte vermitteln. Beide arbeiten als Honorarkräfte im Gesundheitswesen: Sie als Krankenschwester, er als Altenpfleger. Wo Not am Personal ist, springen sie ein: in Krankenhäusern, Einrichtungen der Altenpflege und im Reha-Bereich. In diesen Wochen haben sie in einem Krankenhaus in Baden Württemberg eine Intensivstation für Corona-Patienten mit aufgebaut. Jan Holes schließt aber nicht aus, dass die Vermittlung zu seinem Hauptjob werden könnte, verläuft der Bedarf weiter ansteigend.       

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Die beruflichen Erfahrungen im Gesundheitswesen brachten beide auf die Idee, dass in der Betreuung Hilfsbedürftiger deutschlandweit großer Handlungsbedarf ist. Diesen mindern sie mit ausländischen Betreuungskräften. Dazu arbeiten sie mit Agenturen in Polen und der Ukraine zusammen, damit nicht nur sozialversichertes und geschultes Personal nach Deutschland kommt, sondern auch gesundes.     

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