merken
PLUS

Betriebe schaffen immer mehr Arbeitsplätze

Weil es der Wirtschaft gut geht, sind nicht nur die Arbeitslosenzahlen gering. Auch die Kommunen profitieren.

© dpa

Von Maik Brückner

Sächsische Zeitung. Die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist in den letzten Jahren rapide gesunken. Zuletzt waren laut der Agentur für Arbeit nur noch 6 679 Frauen und Männer ohne Job. Einen wesentlichen Anteil daran hat die Industrie. Diese hat sich in den vergangenen Jahren zum Jobmotor entwickelt. Exemplarisch dafür ist die Uhrenindustrie in Glashütte. Aber auch in anderen Regionen des Kreises hat das verarbeitende Gewerbe zugelegt. Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamtes Sachsen hervor. Dieses hat die Daten von Gewerbetrieben erfasst, die mehr als 19 Mitarbeiter haben. Davon gibt es 185. Die Branche selbst hat in diesem Wirtschaftsbereich 740 Firmen, erklärt Lars Fiehler, Pressesprecher der IHK Dresden. Das heißt, es gibt noch jede Menge kleinere Betriebe. Trotzdem lassen sich von den Zahlen des Statistischen Landesamtes Trends ableiten. Ein Überblick.

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

© Grafik: SZ

Industrie im Überblick

Wo befinden sich die Industriestädte im Landkreis?

Die meisten der größeren Industriebetriebe befinden sich in unmittelbarer Nähe zu Dresden. Besonders hoch ist deren Zahl in den Städten, die direkt an die Landeshauptstadt grenzen. Laut Statistikamt gibt es in Pirna 24, Wilsdruff und Freital je 19 Industriebetriebe. Es gibt aber auch Kommunen, die sich nicht im Speckgürtel befinden und trotzdem für Industriebetriebe attraktiv sind. Bekanntestes Beispiel ist Glashütte. Hier sorgt der Ruf als Uhrenstadt dafür, dass sich diverse Firmen angesiedelt haben. Insgesamt gibt es hier 18 größere Betriebe. Diese schufen in den vergangenen Jahren viele Arbeitsplätze. In dieser Kategorie ist die Uhrenstadt seit 2016 sogar führend im Kreis. Keine andere Kommune hat mehr Arbeitsplätze in Gewerbebetrieben mit mehr als 19 Beschäftigten zu bieten als Glashütte. Dort arbeiten mehr als 2000 Mitarbeiter in solchen Firmen. Diese Zahlen überraschten selbst Glashüttes Bürgermeister Markus Dreßler (CDU).

Wie stark sind die Betriebe mit der Weltwirtschaft vernetzt?

Die meisten Industriebetriebe produzieren vornehmlich für den nationalen Markt. Es gibt aber auch Ausnahmen. Hier fallen Wilsdruff, Glashütte, Königstein und Bannewitz auf. Vor allem in den vier Kommunen sind Firmen tätig, die sehr viele ihrer Produkte ins Ausland verkaufen. Die bekanntesten sind die großen Glashütter Uhrenmanufakturen A. Lange & Söhne, Glashütte Original sowie Nomos Glashütte. Ihre Zeitmesser begeistern Kunden unter anderem in Asien, Nordamerika und in anderen europäische Staaten. In Wilsdruff sind unter anderem Firmen wie der Auspuffspezialist Eberspächer, das Furnierholz-Unternehmen Danzer und der Medizintechnik-Konzern B. Braun tätig.

Hat die Zahl der Betriebe überall gleich stark zugenommen?

Nein. Vergleicht man die Erhebung von 2010 mit der aus dem Vorjahr, dann stechen zwei Kommunen hervor. Demnach hat die Zahl der größeren Betriebe in Wilsdruff um drei und in Glashütte um sieben zugenommen. In beiden Kommunen hat sich im gleichen Zeitraum auch die Zahl der Jobs verdoppelt, die Industriebetriebe angeboten haben. Signifikate Zuwächse gab es aber auch in den anderen industriellen Zentren des Kreises, wie Pirna, Freital, Dippoldiswalde und Neustadt/Sachsen. Daneben existieren auch in anderen Gemeinden mittelgroße und große Firmen. Für Kommunen, wo nur ein oder zwei Betriebe tätig sind, veröffentlicht das Landesamt für Statistik aber keine Zahlen, weil dadurch entgegen dem Datenschutz Rückschlüsse auf einzelne Firmen möglich wären.

Welche positiven Auswirkungen hat das für die Gemeinden?

Sie profitieren in mehrfacher Hinsicht davon. So zum Beispiel finanziell über die Gewerbesteuer, die die Kommunen einnehmen. Allein in der 14000-Einwohnerstadt-Stadt Wilsdruff rechnet man 2017 mit sieben Millionen Euro. Glashütte mit seinen rund 7000 Einwohnern erwartet Einnahmen in Höhe von 5,8 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das fast gleich große Klingenberg hofft auf Einnahmen in Höhe von 825000 Euro. Auch über die Einkommensteuer wird Geld in die kommunalen Kassen gespült. Doch nicht nur finanziell zahlt es sich aus, größere Gewerbebetriebe im Ort zu haben. Vor allem die Kommunen im Speckgürtel von Dresden werden für viele Beschäftigte auch als Wohnorte attraktiv, wie zum Beispiel Wilsdruff. Andere wie Glashütte profitieren nicht so stark davon. Dafür aber in anderer Hinsicht. Die Firmen haben mit ihren Investitionen das Stadtbild aufgewertet. „Die Mitarbeiter beleben das kleine Städtchen“, sagt Dreßler. Andere Orte, in denen es keine größeren Betriebe gibt, wie zum Beispiel Liebstadt, wirken dagegen auch tagsüber sehr ruhig.

Wie reagieren die Kommunen auf das Wachstum der Betriebe?

Kommunen, die größere Gewerbebetriebe vor Ort haben, versuchen diese auch weiter zu fördern. „Wir sind als Verwaltung mit kurzen Wegen und schnellen Entscheidungen immer ansprechbar und arbeiten mit den verschiedenen Partnern, wie dem Landratsamt bei Baugenehmigungen, eng zusammen“, sagt Wilsdruffs Stadtchef Ralf Rother (CDU). Zudem bemühen sich die Kommunen, Wohnbaugebiete zu schaffen, um die Arbeitnehmer an den Ort zu binden. Daran arbeitet zum Beispiel Neustadt/Sachsen, sagt dessen Bürgermeister Peter Mühle (NfN). Ähnlich ist es in anderen Kommunen, wobei die Schaffung von Bauflächen nicht immer einfach ist. So hat zum Beispiel Glashütte Probleme, neue Baugebiete genehmigt zu bekommen. Deshalb setzt man hier vornehmlich auf das Schließen von Baulücken.

Welche Herausforderung stellt das Wachstum der Industriebetriebe?

Wo Industriebetriebe aktiv sind, ist das Verkehrsaufkommen größer. Deshalb wird in den Kommunen daran gearbeitet, die Straßenanbindung zu verbessern. In Kesselsdorf wurde deshalb eine Ortsumfahrung gebaut. In Neustadt/Sachsen möchte man eine bessere Anbindung an die A4. In Glashütte ist die Situation etwas anders. Da Uhren und feinmechanische Produkte klein sind, ist der Güterverkehr überschaubar. Dafür gibt es hier viele Pendler, die täglich zur Arbeit in die Stadt kommen. Glashütte versucht deshalb, Parkplätze zu schaffen. Doch der Raum in der Stadt ist begrenzt, sagt Dreßler. Dennoch sei einiges gelungen. Inzwischen wurde bereits ein Parkhaus errichtet. Verbessert wurden zudem die Bus- und Bahnanbindungen.

1 / 6