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Betrüger mit falschen GEZ-Briefen in Dresden unterwegs

Hunderte gefälschte Gebührenrechnungen sind im Umlauf. Die Polizei hat jetzt die ersten Fälle registriert.

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Von Tobias Wolf

Als Wolfgang Schmidt aus der Grunaer Straße vor einigen Tagen seinen Briefkasten leerte, muss er plötzlich stutzen. Unter Zeitungen und Rechnungen fand der Hochhausbewohner einen Brief des neuen Beitragsservices von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Einen offiziell wirkenden Umschlag mit Adressfenster, wie er millionenfach von Behörden und Unternehmen jeden Tag verschickt wird. Gerichtet „An alle Haushalte im Beitragsgebiet“ wird darin zur Zahlung des neuen Rundfunkbeitrages aufgefordert. Die Summe von 53,94 für das zweite Quartal dieses Jahres ist echt.

Zum Jahresanfang war die frühere GEZ-Gebühr auf den Rundfunkbeitrag umgestellt worden. Den Sendeanstalten zufolge soll so eine einfachere und gerechtere Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Programme gewährleistet werden. Wolfgang Schmidt wundert sich. „Ich hab doch eine Einzugsermächtigung für die Gebühren erteilt“, sagt der 76-Jährige. „Das muss ein Irrtum sein.“ Schmidt schöpft Verdacht, prüft Telefonnummer und Kontoverbindung auf dem Schreiben – sie stimmen nicht. Seine Nachforschungen ergeben, dass das Konto bei der Berliner Landesbank geführt wird. Schmidt alarmiert den Beitragsservice, weil er eine Fälschung vermutet.

Kay Lehmann vom MDR bestätigt das. „Das Thema ist uns derzeit aus Sachsen und Hessen bekannt“, sagt er. „Der Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio hat Strafanzeige beim Betrugsdezernat in Köln erstattet.“ Auch sei die Bank gebeten worden, das Kreditkartenkonto zu sperren. Zahlungen von betrogenen Gebührenzahlern seien darauf nicht eingegangen gewesen.

Karin Blüher wohnt ebenfalls in der Grunaer Straße und sorgt sich, dass viele ihrer Nachbarn den Betrug nicht durchschauen. Obwohl es keine persönliche Anrede in dem Brief gebe, werde mitgeteilt, dass der Empfänger jetzt eine neue Beitragsnummer bekomme und auf ein anderes Konto überweisen solle. „Ein vollständig ausgefüllter Überweisungsträger ist gleich mit angeheftet“, so die Anwohnerin.

Die Polizei ist der Schwemme falscher Gebührenbriefe bereits auf der Spur. „In der Landeshauptstadt sind bis dato sieben derartige Fälle angezeigt worden“, sagt Polizeisprecher Marko Laske. „Die Fälle werden gesammelt im Revier Mitte bearbeitet.“ Die Schreiben seien sehr professionell gestaltet, Gestaltung, Farbe und Machart der Fälschungen von den Original-Anschreiben nur schwer zu unterscheiden.

Wie ein richtiger Brief des Beitragsservices aussieht, erklärt MDR-Projektleiter Lehmann. „Ein echtes Schreiben erkennen Bürger an der persönlichen Anrede und der korrekten neunstelligen Beitragsnummer“, sagt er. „Wir schreiben Beitragskunden grundsätzlich persönlich an, nie pauschal.“ Die Beitragsnummer rechts oben im Anschreiben ist im Original eine neunstellige Nummer, die in Dreiergruppen gedruckt ist – in der Fälschung ist es eine Zahlenkolonne ohne Leerstellen mit mehr als neun Zahlen. Ein Musterbrief könne auch im Internet nachgesehen werden. In den vergangenen Tagen waren bereits Fälschungen in Ostsachsen entdeckt worden.

MDR-Projektleiter Lehmann rät Betroffenen immer zu einer Anzeige bei der Polizei. Ist das nicht möglich, nehme auch der MDR die Briefe entgegen und leite sie an die Ermittlungsbehörden weiter. Dazu informiere der Sender in Rundfunk und Fernsehen über die Betrugsmasche, so bei MDR1 Radios Sachsen und in der TV-Sendung Sachsenspiegel. Weitere Schutzmaßnahmen seien schwierig, so Lehmann. www.rundfunkbeitrag.de