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Betrug auf dem Reiterhof

Die Reitanlage Großerkmannsdorf zog jetzt vor Gericht. Denn ein Wallach, den sie kaufte, hielt nicht, was er versprach.

© Thomas Drendel

Von Thomas Drendel

Großerkmannsdorf. Die Chefin der Reitanlage Großerkmannsdorf ist noch immer aufgebracht. „Mit Mashal hätte ein schlimmer Reitunfall passieren können. Das Tier erleidet wegen seiner Krankheit starke Schmerzen, gerade wenn es geritten wird. Es hätte scheuen und den Reiter abwerfen können, mit unkalkulierbaren Folgen“, sagt Yvonne Henker.

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„njumii hat mein Leben verändert“
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Von der Verkäuferin zur Personalrecruiterin: Bianka Leipert hat mit Mitte 30 ihren Abschluss als kaufmännische Fachwirtin gemacht.

Sie war im Internet auf den Araber-Wallach Mashal gestoßen. Er wurde zum Preis von 2 800 Euro angeboten. „Wir brauchten ein Reitpferd für unsere Schüler. Das war nach dem ersten Eindruck ein gutes Angebot“, sagt sie. Die Pferdekennerin vereinbarte mit der Verkäuferin einen Termin, fuhr hin und stellte auch dort nichts fest. Mashal wurde auf den Pferdeanhänger geladen und kam nach Großerkmannsdorf. „Nach drei Wochen bemerkten wir aber, dass das Tier lahmt. Etwa zur gleichen Zeit rief mich die Vor-Vorbesitzerin an“, erzählt Yvonne Henker. Die hatte auf der Homepage der Großerkmannsdorfer vom Schicksal ihres Pferdes erfahren. „Wir stellen auf unserer Internetseite unsere neuen Pferde vor und schreiben auch, wie wir sie verwenden. Als die Vor-Vorbesitzerin las, dass es zum Reiten genutzt wird, war sie entsetzt. Sie hatte das Tier für nur 500 Euro als sogenanntes Beistellpferd abgegeben.“ Beistellpferde werden Einzeltieren mit auf die Koppel gegeben, da Pferde Herdentiere sind. Meist sind sie unreitbar wegen ihres Alters oder wegen einer Erkrankung. Das war auch bei dem Wallach der Fall. Bei ihm war das Kissing Spines-Syndrom, eine Wirbelsäulenerkrankung, diagnostiziert worden. Dabei sind Wirbel entzündet und verursachen starke Schmerzen. „Die Vor-Vorbesitzerin hatte der Käuferin sogar ein ärztliches Attest übergeben und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Mashal unreitbar ist und uns wurde er als Reitpferd verkauft, das Attest wurde uns auch vorenthalten. Das war Betrug“, sagt Yvonne Henker.

Hätte sie als langjährige Reiterin die Krankheit nicht selbst schon bei der Übergabe feststellen können? „Nein, selbst ein Tierarzt prüft das bei einer Routineuntersuchung nicht ab. Am Gang des Pferdes ist das auch nicht feststellbar. Dazu muss es geröntgt werden.“ Als sie die Verkäuferin auf die Krankheit ansprach, forderte sie das Pferd zurück und wollte den Kaufpreis erstatten. „Damit waren wir aber nicht einverstanden. Sie hätte sicherlich versucht, das Tier an einen anderen Interessenten ein weiteres Mal zu verkaufen. Wir wollten dem Leiden des Pferdes ein Ende setzen und es angemessen behandeln.“

Die Reitanlage bot an, Mashal für 800 Euro zu kaufen. Die Verkäuferin sollte also 2 000 Euro zurückzahlen. Als sie das ablehnte, erstattete Yvonne Henker Anzeige. Jetzt fand am Amtsgericht Bautzen die Verhandlung statt mit dem Ergebnis: Die Verkäuferin muss einen Teil des Geldes zurückzahlen, was auch schon passiert ist. Außerdem wurde vom Gericht ein Strafbefehl über 100 Tagessätze zu je 30 Euro erlassen. Mashal geht es inzwischen gut. Er steht bei den Rentnerpferden auf einer großen Koppel.