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Meißen

Betrug mit Sicherheit

Ein Coswiger betrügt immer wieder, wurde schon mehrfach verurteilt. Diesmal hilft ihm ein besonderer Umstand.

Sicherheitsfirmen zu engagieren, das Geld von den Auftragnehmern zu kassieren, aber nicht weiterzuleiten, das ist eine Masche des Angeklagten.
Sicherheitsfirmen zu engagieren, das Geld von den Auftragnehmern zu kassieren, aber nicht weiterzuleiten, das ist eine Masche des Angeklagten. © dpa-Zentralbild

Das muss man erst mal schaffen. Mit seinen 46 Jahren sitzt der Coswiger zum 22. Mal vor Gericht. Der Mann ist ein Betrüger, und er hat eine bestimmte Masche. Er ist Vermittler für Sicherheitsfirmen, verspricht dabei hohe Stundenlöhne. 

Die Sicherheitsfirmen erbringen die Leistungen, die Auftraggeber, darunter auch Fußballvereine aus Dresden, Magdeburg und Halle, zahlen auch an den Vermittler. Doch er behält nicht nur die Provision, sondern gleich das ganze Geld, bezahlt damit Mietschulden und Schulden, die er bei Versandhäusern hat. Das macht er seit Jahren. 

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Schon 2015 wurde er deswegen vom Amtsgericht Meißen zu eine Haftstrafe von einem Jahr und einem Monat verurteilt. Ins Gefängnis musste er damals nicht. Er bekam Bewährung. Das scherte ihn nicht, er betrog fleißig weiter. 

Zwei Jahre später landete er deshalb erneut vor dem Richter. Diesmal gab es sieben Monate – ohne Bewährung. Dennoch bleibt dem gebürtigen Köthener Haft wiederum erspart. Die Berufungsinstanz gibt dem gelernten Koch erneut Bewährung.

Nun sitzt der Mann mal wieder vorm Meißner Amtsgericht. Das Schema ist das Gleiche. Er soll Sicherheitsfirmen mit dem Bewachen von Baustellen in Dortmund und Jülich beauftragt, dabei Stundenlöhne von 16,50 Euro beziehungsweise 24 Euro zugesagt haben. Doch das Geld kam nie bei den Firmen an. Insgesamt soll er 29.366 Euro nicht bezahlt haben.

Es gibt noch einen weiteren Tatvorwurf. Der Mann soll Sprechfunkgeräte für knapp 300 Euro im Internet bestellt haben. Als Lieferadresse gab er eine Arztpraxis an, die sich im gleichen Haus befindet wie die Pension, in welcher der Arbeitslose damals lebte. Die Sprechfunkgeräte erhielt er, die Rechnung hat er nie bezahlt. Nein, stimmt nicht ganz. Just am Verhandlungstag hatte er den Betrag in bar beglichen. Dem Gericht legt er einen Zahlungsnachweis vor.

Konsequenzen hatte der Betrug auch für den Arzt. Der fiel aus allen Wolken, als er plötzlich ein Schreiben einer Inkassofirma erhielt. „Das war das erste Mal in meinem Leben. Ich habe bei der Firma angerufen, dachte, es sei ein Fehler. Denn ich hatte nie ein Paket oder eine Rechnung erhalten“, sagt der 72-Jährige. Nach Monaten erhält er wiederum Post von der Inkassofirma mit der Information, dass sich die Sache für ihn erledigt habe.

Er habe an die Adresse der Praxis nur deshalb bestellt, damit jemand da ist, der das Paket annimmt, lässt der Angeklagte seine Verteidigerin erklären. Warum er den Arzt nicht informierte, sagt er nicht.

Seine Betrügereien haben dem Angeklagten allerdings auch die Sicherheitsfirmen leicht gemacht. Oft genügte es ihnen, dass der Mann am Telefon sehr freundlich und seriös wirkte. Erst als er nicht zahlte, wurden sie stutzig. Viele Verträge wurden mündlich getroffen, es gibt also keine Vertragsunterlagen. 

„Die Beweislage ist dünn, die Vertragsbeziehungen sind nicht mehr nachweisbar“, räumt Staatsanwalt Andreas Ball ein. Er fordert deshalb für diesen Anklagepunkt Freispruch. Für den Betrug mit den Sprechfunkgeräten soll er 900 Euro Strafe zahlen.

Richter Andreas Poth spricht den Mann frei, und zwar in beiden Anklagepunkten. Denn auch für den zweiten angeklagten Betrug gibt es keinerlei Bestellunterlagen, keine Rechnung. Der Fehler habe auch bei der Versandfirma entstehen können. „Sie sind gewiss kein Unschuldslamm, aber diese Beweislage reicht nicht für eine Verurteilung“, so der Richter. Allerdings liegen bei der Staatsanwaltschaft fünf weitere Anklagen gegen den Mann vor. Wegen – man ahnt es – wegen Betruges.

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