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Bewährung für Apotheken-Überfall

Ein 63-Jähriger fürchtet um den Tabletten-Nachschub und greift zur Schreckschusspistole. Weil die geladen war, ist das besonders schwere Erpressung.

Von Jens-Rüdiger Schubert

Wer den Pfennig nicht ehrt

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Löbau/Görlitz. Das Landgericht Görlitz hat gestern einen 63-jährigen Mann wegen räuberischer Erpressung verurteilt. Ihm war vorgeworfen worden, am 4. April 2014 in Löbau eine Apotheke überfallen zu haben, um Medikamente zu erbeuten. Vor Gericht erklärte der Angeklagte, dass er medizinische und zunehmend psychische Probleme habe, aber ein Medikament nicht mehr erhalten hatte, ohne das er einfach nicht mehr ausgekommen sei. Dabei handelte es sich um das verschreibungspflichtigen Tavor. Er sei langsam davon abhängig geworden. Als er nur noch 10 Tabletten dieses Medikaments hatte und davon ausgehen musste, kein Rezept mehr zu bekommen, beschloss er, sich weitere Tabletten von der Apotheke zu besorgen. Er kannte den Hintereingang der Apotheke in der Löbauer Sachsenstraße und betrat vermummt, mit hochgeschlagenem Kragen und einer Schreckschusspistole gegen 8 Uhr morgens das Geschäft. Damit habe er Kundenverkehr vermeiden und niemanden gefährden wollen. Dann hielt der Angestellten einen Zettel mit seiner Forderung hin: Vier Packungen Tavor 2.0 mit je 50 Tabletten. Zusätzlich zeigte er einem hinzueilenden Mitarbeiter die Pistole. Natürlich mussten die Angestellten von der Echtheit der Waffe ausgehen, zumal ein Gutachten später ergeben hatte, dass sich im Lauf der Schreckschusspistole eine Patrone befand. Während des Überfalls sprach der Mann kein Wort. Nachdem ihm gesagt wurde, das nur noch eine Packung Tavor 1.0 vorrätig war, nahm er die an sich, verließ die Apotheke und fuhr mit dem Auto nach Hause. Die Packung hatte einen Wert von etwa 13 Euro. Da der Apotheker das Kennzeichen des Fahrzeugs notiert hatte, konnte die Polizei den Angeklagten sehr schnell ermitteln.

Der Mann gestand und bereute die Tat bereits während der polizeilichen Ermittlung. Kurze Zeit nach der Tat hatte er sich auch bei den Mitarbeitern der Apotheke entschuldigt. Auch deshalb geht die Staatsanwaltschaft von einem minder schweren Fall aus. Der Angeklagte ist inzwischen Rentner und bisher nicht vorbestraft. Zwischenzeitlich konnte er die Hilfe erhalten, die seiner psychischen Erkrankung entspricht. Im Plädoyer betonte die Staatsanwaltschaft, dass der Angeklagte Glück gehabt habe, dass durch seine Tat bei den Apothekenangestellten weder psychologische Betreuung notwendig war noch Traumata aufgetreten sind. Trotzdem sah der Ankläger den Einsatz einer Waffe als taterschwerend an. Er beantragte er eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Es sei davon auszugehen, dass der 63-Jährige keine weiteren Straftaten begehen werde. Die Verteidigung plädierte für eine deutlich niedrigere Strafe und regte eine Arbeitsauflage an.

Thomas Fresemann, Vorsitzender Richter des Schöffengerichts, verurteilte den Angeklagten schließlich wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung in einem minder schweren Fall zu 18 Monaten Freiheitsstrafe und setzte sie auf drei Jahre zur Bewährung aus. Außerdem muss der Mann 150 Stunden gemeinnützig arbeiten.

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