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Bewahrer der Muskauer Töpferkunst

Gordon und Claudia Gran sind die letzten in der Stadt ansässigen Töpfer. 

Töpfer Gordon Gran hält eine Kanne, die er – angelehnt an die typische Muskauer Form – hergestellt hat. Kannen und anderes Gebrauchsgeschirr verkauft er im Werkstatt-Laden im Pückler-Park.
Töpfer Gordon Gran hält eine Kanne, die er – angelehnt an die typische Muskauer Form – hergestellt hat. Kannen und anderes Gebrauchsgeschirr verkauft er im Werkstatt-Laden im Pückler-Park. © Foto: Joachim Rehle

Von Sabine Larbig

Bad Muskau. Täglich sind Gordon oder Claudia im Muskauer Park. Hier, beim Marstall, betreiben sie ihre Werkstatt und den Verkauf. Wer mag, kann den Töpfern zusehen. „Einen Brennofen gibt es hier aber nicht. Der steht in unserer zweiten Werkstatt in Sagar“, schränkt Gordon Gran ein.

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Dort stellt das Paar Töpferware in einer Technologie her, die aus dem 16. Jahrhundert stammt und viele Jahrhunderte typisch für Tonerzeugnisse aus Bad Muskau war. „Wir machen noch den Muskauer Salzbrand“, so Gordon Gran. Dabei wird in den 1 300 Grad heißen Brennofen Kochsalz ins Feuer geworfen. „Das Salz verdampft, wobei die Dämpfe die Gefäße im Brennofen glasieren. Denn Salz spaltet sich in Chlor und Natrium. Das Natrium verbindet sich mit dem Quarz im Ton und so entsteht eine glasartige Oberfläche auf den Keramik-Erzeugnissen, die dadurch sehr hart und säurefest sind“, erklärt der Töpfer.

Weltweit verbreitet

Auch die Formen der Kannen und Krüge lehnen sich an die Muskauer Tradition an. Nur die für die Stadt einst typische und weltweit einzigartige Dekoration setzen Grans nicht um. Doch Gordon weiß, wie sie aussahen. „Es waren Relief-Auflagen mit Manganmalerei. Bei Gebrauchsgeschirr wurden zudem Kieselsteinchen zur Dekoration verwandt.“ Solche ehemaligen Muskauer Keramik-Erzeugnisse, Bilder oder Beschreibungen finden sich heute jedoch noch in Sammlungen von Privatleuten und Museen in aller Welt, auf Fotos sowie in Überlieferungen und Büchern.

Außer der Töpferei des Ehepaares Gran haben sich in Bad Muskau weitere sichtbare Zeitzeugen der Töpfertradition erhalten. Die Skulptur auf dem Brunnen am Markt stellt eine junge Töpferin dar.

Auch ein Straßenname erinnert an die Zeit, als das Keramik- und Töpferhandwerk in der Neißestadt stark verbreitet war und ihr zu Ruhm und Wohlstand verhalf. Ihren Ursprung hatte die Töpfertradition im 16. Jahrhundert. Dank der umfangreichen Tonvorkommen in und um Muskau entstand südlich vor dem Muskauer Stadttor ein leistungsfähiges Töpferhandwerk. Die erste Muskauer Töpferinnung wurde 1596 gegründet – doch schon drei Jahre zuvor wird in Chroniken eine Ziegelscheune im ehemaligen Dorf Berg erwähnt, die sogar bis 1883 arbeitete.

Gelebt und gearbeitet haben die Muskauer Töpfer in der Schmelzstraße in der Vorstadt, um das Stadtzentrum vor ihren enorm heißen Brennöfen zu schützen. Trotzdem kam es 1766 zu einem verheerenden Stadtbrand, der seinen Ursprung in der Schmelze hatte und große Teile des alten Stadtkerns vernichtete. Die Schmelzstraße, oder kurz Schmelze genannt, gibt es noch. Von den dort im Jahr 1840 noch angesiedelten 38 Meistern und 52 Gesellen des Töpferhandwerks und dem im 17. und 18. Jahrhundert weltweiten Ruf Muskaus für vorzügliche Tonwaren ist hier jedoch nichts geblieben. Denn als mit der Industrialisierung das bis dato tönerne Gebrauchsgeschirr wesentlich schneller und billiger aus Steinzeug gefertigt werden konnte, verloren in Muskau und anderswo die Töpfer und Keramiker an Bedeutung.

Dafür entwickelte sich im 19. Jahrhundert in Muskau, Lugnitz und Krauschwitz die Steinzeug-Industrie. Hergestellt wurden statt Krügen, Tellern, Schalen und Bechern nun Ziegel für Dächer und Mauern. So auch bei August Kypke, der bis 1880 Tonwaren produzierte, dann aber Steinröhren und Sanitärkeramik sowie Behältnisse für die chemische Industrie. Letzter Vertreter des Töpferhandwerks in Bad Muskau war der 1864 von Carl Dretwa errichtete Betrieb zur Herstellung von Haushaltsgeschirr. 1879 wurde er an Fritz Dienstbach verkauft und hatte in den folgenden Jahren verschiedene Besitzer. Den Namen „Muskauer Tonwaren-Industrie F. Dienstbach“ hatte er jedoch bis zur Zerstörung 1945.

Der traditionellen und typischen Muskauer Handwerkstradition widmet sich ab August eine Sonderausstellung im Neuen Schloss, bei der Geschichte und Tradition der zwei großen Steinzeugzentren Bad Muskau und Triebel dargestellt werden.

Mit der Ausstellung erscheint das Buch „Muskauer Steinzeug – Vom Handwerk zur Industrie“, erarbeitet von Helga Heinze, Holger Klein und Dr. Stefan Krabath. Bei ihren Recherchen kamen die Autoren zum Teil zu völlig neuen Erkenntnissen. „Es wurde etwa immer vermutet, dass typische Muskauer Keramik die Farbe Blau trug. Doch das ist eine Tradition, die 15 Kilometer entfernt in Triebel ihren Ursprung hatte“, verrät Co-Autorin Helga Heinz. Dies und mehr erfahren Leser des Buches, das zur Ausstellungseröffnung erstmals öffentlich präsentiert und verkauft wird.

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