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Bewegen statt fegen

OB-Kandidat Klaus Wolframm (SPD) glaubt an ein besseres Freital. Eine vitale Wirtschaft soll den Haushalt sanieren.

Von Jane Jannke

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Zu Hause ist es doch am schönsten 

Kein Interesse mehr am Pendeln und stattdessen Lust, wieder in die alte Heimat zu ziehen? Dann könnte die Heimkehrerbörse der Weg zurück sein!

Es war der Zufall, der ihn hertrieb. In einer Zeit, als viele Menschen den Osten Deutschlands gen Westen verlassen, geht Klaus Wolframm den umgekehrten Weg. Vom beschaulichen Ehingen an der Donau siedelt er 1996 ins kauzige und damals auch noch etwas schmutzige Freital über – und bleibt. Nun will er in seiner Wahlheimat ganz nach vorn. Gegen fünf Kontrahenten buhlt der 56-Jährige am 7. Juni um das Amt des Oberbürgermeisters. Unter seinen Konkurrenten ist Wolframm der mit dem ungewöhnlichsten Beruf.

Die Leiter schwankt leicht. „Sie müssen da hintreten, und immer schön links halten“, weist Wolframm den Fotografen an, der ihm etwas nervös aber mutig auf das Dach seines Zauckeroder Hauses folgt. Hoch oben über den Dächern ist der SPD-Mann zu Hause. Vor fast 20 Jahren wies man dem frisch ausgebildeten Schornsteinfegermeister den Freitaler Kehrbezirk zu – so wurde aus dem Schwaben ein Ossi. Freital wird für Wolframm zum Glücksfall. Hier baut er sein Geschäft auf, gründet eine Familie. Seinen Kehrbezirk hat er gerade erst verlängert – für den Fall, dass es mit dem Oberbürgermeisteramt nichts wird.

In zünftiger Kluft samt Zylinder wirkt der Mittfünfziger ein wenig wie aus der Zeit gefallen, aber auch wie einer, der ordentlich zupacken kann, sich auch mal die Hände schmutzig macht – einer aus dem Volke. Die alten Sagen fallen einem wieder ein, in denen die Schornsteinfeger als Glücksbringer verehrt wurden. Das passt zu Freital – oder, Herr Wolframm? „Naja. Die Mär vom Glücksbringer ist längst Geschichte. Man ist heute eher ziemlichen Anfeindungen ausgesetzt, weil man nicht selten der Überbringer schlechter Nachrichten ist und den Leuten an den Geldbeutel will.“ Also fast wie in der Politik. Ein dickes Fell habe er sich zugelegt. Als Oberbürgermeister in Freital könnte er das brauchen.

Wolframm ist ein Freund des gepflegten Zynismus, ohne ein Zyniker zu sein. Einer der gern und viel spricht, ohne Dampfzu plaudern, stets schnell ans Ziel will und ungeduldig wird, wenn sein Gegenüber Mühe hat, zu folgen. „Freital fest im Blick“ – so werben seine Wahlplakate in den Straßen. Wolframm, der Visionär, hat ein klares Bild vor Augen, von Freital in 15 oder 20 Jahren, einem anderen Freital. Glaubt man ihm, dann auch einem besseren.

Als er 1997 in die Freitaler SPD eintritt, ist die Stadt noch sozialdemokratisch regiert. In den Folgejahren erlebt Wolframm den Niedergang der „roten“ Tradition in der Stadt und er wird – wie er sagt – Zeuge einer verfehlten Politik. „Sozial und demokratisch, dafür stehe ich. Das sind Dinge, die der CDU leider zusehends abhanden gekommen sind“, sagt Wolframm. Mit frischem Wind wolle er die Stadt wieder auf den Erfolgskurs bringen.

Obgleich dem Sozialdemokraten zur Wahl lediglich Außenseiterchancen attestiert werden, liest sich die politische Agenda des 56-Jährigen fast wie das Programm eines Bundespolitikers: Wolframm will die Stadt auf gesunde finanzielle Füße stellen – etwas, das in 14 Jahren Mättig sträflich vernachlässigt worden sei, wie er findet. Es brauche die Ansiedelung neuen Gewerbes, die städtischen Gesellschaften müssten an den demografischen Wandel angepasst und klare Prioritätslisten für sämtliche Ressorts von Bildung bis Wirtschaft aufgestellt werden. Auch innerhalb der Stadtverwaltung sieht Wolframm Handlungsbedarf. „Es gibt so viele kompetente Leute in der Verwaltung, deren Potenzial ungenutzt bleibt. Das soll sich ändern.“ Und wie? Wolframm will ineffizient gebundenen Kapazitäten den Kampf ansagen – zum Beispiel bei der Kitaplatz-Vergabe – und mehr Transparenz schaffen. Vierteljährliche „Runde Tische“ mit den Ressortleitern sollen dazu beitragen.

Besonders wichtig ist ihm, die Bürger künftig mehr an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. „Das ist bislang viel zu wenig geschehen, wie die aktuellen Asylproteste deutlich zeigen.“ So schwebt Wolframm vor, das nötige Quorum für Bürgerbegehren auf kommunaler Ebene zu senken. Und was für einen Menschen bekäme Freitals Rathausspitze mit Klaus Wolframm? „Ich denke, dass ich ein gerechter und kommunikativer Charakter bin“, so der Kandidat. Auch Führungsstärke und Durchsetzungsvermögen führt Wolframm als persönliche Stärken an. Aus seiner Sicht muss ein Oberbürgermeister vor allem ausgleichend und einigend wirken – „und er muss auch mal Kritik aushalten können.“ Wolframm käme dabei seine Erfahrung auf dem politischen Parkett zugute, die er in seiner jahrelangen Tätigkeit in Stadtrat und Kreistag sowie als Gewerkschafter und Selbstständiger sammeln durfte: „Man muss die Spielregeln kennen, dann kommt Freital auch voran.“