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Bewegung in der Bahnhofstraße

Drei neue Mieter ziehen in das markante Gebäude ein. Ein anderes Mietprojekt ist dagegen gestorben.

RegionaIgeschäftsführer Bernd Amann (links) steht vor dem neuen Servicecenter der IKK classic. Den Hinweis, dass die Räume leer stehen, erhielt er vom ehemaligen Kreishandwerksmeister Kurt Hähnichen.
RegionaIgeschäftsführer Bernd Amann (links) steht vor dem neuen Servicecenter der IKK classic. Den Hinweis, dass die Räume leer stehen, erhielt er vom ehemaligen Kreishandwerksmeister Kurt Hähnichen. © Sebastian Schultz

Riesa. Im Juli 1988 war es. Da strahlte das DDR-Radio I die beliebte Sonntagsvormittagssendung „Alte Liebe rostet nicht“ aus Riesa aus. Moderiert wurde sie von Günter Hansel und dem Leipziger Kabarettisten Manfred Uhlig, der im Juli 2019 im Alter von 91 Jahren verstorben ist.

Für die unterhaltsame Sendung, die einmal im Monat eine Stadt vorstellte, kam Uhlig im Juni 1988 extra nach Riesa, um sich bei den Menschen vor Ort umzuhören. Und das tat er auch auf der Straße der DSF (Deutsch-Sowjetischen Freundschaft), wie die heutige Bahnhofstraße damals hieß. Den nachhaltigsten Eindruck hinterließ bei ihm ein Kunstwerk aus mehreren großen Holzklötzen. Manfred Uhlig berichtete damals, dass die Riesaer dafür einen Spitznamen hatten: „den teuersten Holzhaufen der Republik“.

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Diese und andere Anekdoten sind mit dem einstigen Vorzeige-Wohnbaugebiet der DDR verbunden. Viele Riesaer erinnern sich nach wie vor an die vielen Geschäfte entlang der Straße der DSF. Da gab es ein Café, den großen Schuhladen für Damen und Herren, einen Laden für Elektrowaren, eine Jugendmode-Boutique und ein Spielzeuggeschäft. Nach der Wende wurde es still in den ehemaligen Verkaufsräumen. Ein Musikladen, wo man neben Schallplatten und den ersten CDs vor allem Instrumente kaufen konnte, hielt sich dort lange. Doch dann gab der Inhaber auf. Die ehemalige Prachtmeile hatte ihre Bedeutung verloren, zugunsten des Riesaparks am Stadtrand und der jetzigen Einkaufsmeile auf der Hauptstraße.

Die ehemalige Straße der DSF in Riesa galt in der DDR als Vorzeigeobjekt.
Die ehemalige Straße der DSF in Riesa galt in der DDR als Vorzeigeobjekt. © Archiv: Museum Riesa
Auf der Straße der DSF stand dieses Kunstwerk aus Holz. Kinder kletterten gern darauf.
Auf der Straße der DSF stand dieses Kunstwerk aus Holz. Kinder kletterten gern darauf. © Archiv: Museum Riesa
Schon von Weitem sichtbar ist der blaue Schriftzug der IKK classic auf der Bahnhofstraße.
Schon von Weitem sichtbar ist der blaue Schriftzug der IKK classic auf der Bahnhofstraße. © Sebastian Schultz

Der markante Geschäfts- und Wohnblock hat sich verändert. Nicht nur optisch seit dem Neuanstrich, der unter den Riesaern sehr kontrovers diskutiert wird. In die Läden ist nach und nach wieder Leben eingezogen. Neben Riesa TV, einem Friseursalon, einem Verein für Aquarienfreunde sowie Büros von Finanzberatern, der Linken und der Volkssolidarität gab es lange Zeit mehrere leere Ladenflächen. Doch nun ziehen gleich drei neue Mieter ein.

Von außen am deutlichsten erkennbar ist das neue Servicecenter der Handwerker-Krankenkasse IKK classic. Der blaue Schriftzug ist mindestens genauso auffällig wie die Wandbemalung auf der zur Elbe zeigenden Häuserfassade.

Ende November war die IKK classic aus dem Gebäude der Kreishandwerkerschaft in der Hauptstraße hierher umgezogen. Am Dienstag gab es die offizielle Einweihung, zu der auch der Dresdner Regionalgeschäftsführer Bernd Amann extra anreiste. „Vor fast einem Jahr haben wir den entscheidenden Hinweis erhalten, dass diese Räume freistehen“, erzählt er.

Sie seien hervorragend geeignet, um die neue Unternehmensstrategie der IKK classic zu verwirklichen. Diese sehe vor, dass aus Ein-Personen-Geschäftsstellen sogenannte Servicecenter mit mehreren Mitarbeitern entstehen. In Riesa sind es nun drei. Damit sollen durchgehende Öffnungszeiten von Montag bis Freitag möglich werden. „Dass sich die neuen Räume im Erdgeschoss befinden, ist für uns ideal“, so Amann. Damit ist auch die Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollator gegeben. Es gibt sogar Parkplätze für IKK-Kunden, was in dem Wohngebiet an der Bahnhofstraße, wo private Parkplätze vorherrschen, ein weiterer Standortvorteil sei.

Der Hinweis auf die leer stehenden Räume kam vom ehemaligen Kreishandwerksmeister Kurt Hähnichen. Er ist auch Aufsichtsratsmitglied der städtischen Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR), die die Wohnblöcke entlang der Bahnhofstraße vermietet. Dass die IKK classic bisher in den Räumen der Kreishandwerkerschaft untergebracht war, sei zwar für die Zusammenarbeit ideal gewesen, so Hähnichen, aber nicht für die Mitglieder mit Geheinschränkungen. Denn die Büros sind schlecht erreichbar. „Deshalb haben wir gemeinsam nach einem neuen Standort gesucht“, so der ehemalige Kreishandwerksmeister.

In der Vorweihnachtszeit 2018 zeigte er Amann den leer stehenden Laden in der Bahnhofstraße 16. Danach folgten Verhandlungen mit der WGR und im späten Frühjahr wurde der Mietvertrag unterzeichnet, um genügend Vorlauf für den Start im November zu haben, so Amann.

Auf der anderen Ladenseite im gleichen Eingang wird zurzeit gewerkelt und Umzugskisten ausgepackt. Eine psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle zieht in dieser Woche ein. Sie befand sich bisher auf der Goethestraße und gehörte zur Arche Waldheim. Ab 1. Januar übernimmt das Gesundheitsamt des Landkreises Meißen die Trägerschaft.

Ursprünglich wollte die WGR diese Räume an den Caritas-Kreisverband Meißen vermieten. Dieser wollte darin vor zwei Jahren ein Wohn-Experiment für ältere Menschen starten. Doch es fanden sich keine Interessenten für die Senioren-WG. Damit starb das Projekt völlig unbemerkt bereits im vergangenen Jahr.

Wie eine WGR-Mitarbeiterin mitteilt, sei der dritte neue Mieter in den Ladenflächen des Wohnblocks ein Hospizdienst aus Oschatz. Er hat die Räume gleich neben Riesa TV angemietet. Damit würden nur noch zwei Ladenflächen auf der ehemaligen Straße der DSF leer stehen.

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