merken
PLUS

Zittau

Bezahlbare Wohnung verzweifelt gesucht

Familie Engelmann aus Zittau ist bald zu fünft und braucht mehr Platz. Doch das Jobcenter, das die Miete bezahlt, hat da so seine Vorschriften. 

Stefan Engelmann und sein Sohn Luis auf dem Spielplatz. Die Familie lebt von Hartz IV.
Stefan Engelmann und sein Sohn Luis auf dem Spielplatz. Die Familie lebt von Hartz IV. © Foto: Rafael Sampedro

Der kleine Luis quietscht vergnügt. Nur seinem Vater ist gerade gar nicht nach Lachen zumute. "Das war jetzt die zehnte Ablehnung", sagt Stefan Engelmann. Der junge Familienvater aus Zittau ist der Verzweiflung nahe. Seit fast einem Jahr ist er auf der Suche nach einer größeren Wohnung.

Familie Engelmann ist bald zu fünft. Die 70-Quadratmeter-Plattenbauwohnung an der Zittauer Südstraße ist eigentlich jetzt schon zu klein. Zwei schmale Kinderzimmer für den Acht- und den Anderthalbjährigen, in die nicht viel mehr als Bett und Schrank passen, eine schmale Küche, in der kein Platz für einen Esstisch ist, ein kleines Wohnzimmer, in dem sich alles abspielt.

Wie geht's Brüder
Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Die Wohnung ist der Familiengröße "angemessen", so heißt das im behördlichen Sprachgebrauch, wenn es um Unterkunftskosten für Hartz-IV-Empfänger wie die Engelmanns geht. Stefan Engelmann hat keinen Beruf gelernt und zurzeit auch keine feste Arbeit. Der 32-Jährige hilft stundenweise in einer Maßnahme des Jobcenters beim Hartauer Birkenhof-Verein. Sein Frau ist noch in Elternzeit - auch, weil der kleine Luis sehr krank ist, regelmäßig in die Dresdener Uniklinik muss und ständige Betreuung braucht.

Hartz-IV-Empfänger wie die Engelmanns bekommen die Miete vom Jobcenter bezahlt. Und das nach sehr genauen Vorschriften: Die Kosten der Brutto-Kaltmiete für einen Vier-Personen-Haushalt dürfen in Zittau nicht mehr als 415,97 Euro betragen. Wenn die Familie im Herbst zu fünft ist, steht ihr ein Mietzuschuss in Höhe von exakt 463,13 Euro zu. So ist es in der Verwaltungsvorschrift des Landkreises nachzulesen, die die Kosten der Unterkunft regelt.

Die genauen Summen, erklärt Julia Bjar vom Landratsamt, seien bei der Entwicklungsgesellschaft des Landkreises akribisch ermittelt worden - auf Grundlage repräsentativer und valider Daten und nach mathematisch-statistischen Grundsätzen. Regelmäßig würde das Jobcenter auch überprüfen, inwieweit solche "angemessenen" Wohnungen in den einzelnen Bereichen konkret zur Verfügung stünden. Bislang, sagt die Sprecherin des Landkreises, hätten diese Prüfungen immer ergeben, dass Wohnungen zu den festgelegten Werten vorhanden sind.

Nur die Engelmanns in Zittau finden offenbar keine. Dabei stellen sie nicht mal besondere Ansprüche. "Wir wollen ja nur mehr Platz und wenigstens zwei Kinderzimmer - eins für den Großen und eins für Luis und sein neues Geschwisterchen", sagt Stefan Engelmann. Aber alle Angebote, die ihm die Zittauer Wohnungsvermittler, an die er sich gewandt hat, bisher machen konnten, hätten im Mietpreis über den Vorgaben gelegen, die für das Jobcenter bindend sind. Die letzte, sagt Engelmann, sei 34,85 Euro zu teuer gewesen, bei einer sei es sogar nur um drei Euro gegangen.

Eine Vierraumwohnung im Kostenrahmen des Landkreises zu bekommen, sei in der Tat schwierig, bestätigen auch die Vermieter, erst recht keine Fünf-Raum-Wohnung. "Eine Wohnung zu finden, in der jedes Kind ein eigenes Zimmer hätte, ist für größere Familien, die auf Hilfe vom Staat angewiesen sind, nicht möglich", sagt Uta-Sylke Standke, die Chefin der Zittauer Wohnbaugesellschaft. Auch Christine Runge, Geschäftsführerin von Dr.-Thomas-Immobilien, bestätigt das. "Wir haben generell einen Mangel an großem Wohnraum für kleines Geld." In den Neubaublocks seinen die Wohnungen relativ klein, in den Altbauten größtenteils hochwertig saniert.

Stefan Engelmann wird also weitersuchen müssen. Auch seine Beschwerde bei Martina Weber, der zuständigen Dezernentin für Gesundheit und Soziales im Landratsamt, hat ihm nicht geholfen: Eine Überprüfung hätte ergeben, dass im Raum Zittau Wohnraum für vier bis fünf Personen zu den festgelegten Bedingungen vorhanden sei. Die Familie habe deshalb keinen Anspruch auf die Übernahme höherer Mietkosten. 

Stefan Engelmann will nicht aufgeben. Ihm bleibt ja auch nichts anderes übrig. Die Zeit läuft davon. Im Herbst wird die Familie zu fünft sein.

Weitere Lokalthemen finden sie hier

www.sächsische.de/zittau

www.sächsische.de/loebau

Mehr zum Thema Zittau