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Bezahlen Polen weniger Standgebühr?

Erst gab es Unmut wegen der Abrechnungen auf dem Görlitzer Wochenmarkt. Jetzt sorgen Gerüchte um Abzocke deutscher Händler für Ärger.

Auf dem Wochenmarkt an der Elisabethstraße in Görlitz heißt es Abstand halten.
Auf dem Wochenmarkt an der Elisabethstraße in Görlitz heißt es Abstand halten. © Nikolai Schmidt

Annelie Rothert fährt seit vielen Jahren jeden Sonnabend auf den Görlitzer Wochenmarkt. Doch jetzt ist sie ziemlich sauer, weil polnische Händler viel größere Verkaufsstände haben als deutsche und dafür noch viel weniger bezahlen müssten. "Nehmen die Verantwortlichen für den Wochenmarkt von ihren polnischen Landsleuten weniger Gebühren?" spekuliert die Frau und sagt, dass sie gar nicht sagen könne, wie verärgert sie ist, dass die Stadt das zulasse.

"Alles Quatsch", sagt Francois Fritz. Er ist der Betreiber des Görlitzer Wochenmarktes. "Eigentlich will ich das gar nicht kommentieren", erklärt er und schiebt nach, dass sich die Standgebühr bei allen Händlern auf dem Wochenmarkt nach der Größe des jeweiligen Verkaufsstandes richtet. Über die Größe des Standes einigen sich Marktbetreiber und Händler im Vorfeld.

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Stadtsprecherin Sylvia Otto erklärt: "Uns liegen auch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass deutsche und polnische Händler auf dem Wochenmarkt differenziert behandelt werden." Sollte es dafür konkrete Erkenntnisse geben, werde die Stadt zur Vermeidung von unzulässigen Diskriminierungen diesen natürlich nachgehen, versichert die Sprecherin.

Besseren Verkaufsplatz eingebüßt

Allerdings beschreibt zumindest ein deutscher Händler, dass er sich benachteiligt fühle. Er habe jetzt fast abseits des Marktes seinen Stand aufbauen müssen. Das haben ihm die Marktbetreiber so vorgegeben. Seinen vormaligen besseren Platz hat jetzt eine polnische Händlerin. Seinen Namen will der Mann aber nicht öffentlich nennen. 

Ihn ärgert der abseitige Standplatz. "Ich verkaufe regelmäßig auf dem Markt und habe viele Stammkunden. Die müssen mich jetzt erst mal suchen", erklärt der Verkäufer.

Standgebühren seit Jahren stabil

Die neuen Standorte der Verkaufsstände sind Resultat der Corona-Abstandsregelungen, teilt Francois Fritz mit. Er betreibt  mit seiner Frau Sylvia und Marzena Paszkiewicz den Wochenmarkt.  Die Verkaufsstände stehen jetzt viel weiter auseinander. Die mittlere Achse des Wochenmarktes darf wegen der Abstandsregelungen nicht mit Verkaufsständen besetzt werden. 

Trotz der neuen Standorte gelten die Quadratmeterpreise wie bisher. Die seien seit Jahren stabil, hatte Marzena Paszkiewicz vor Kurzem im SZ-Gespräch betont. Das bestätigt Stadtsprecherin Sylvia Otto. "Eine Erhöhung des Quadratmeterpreises hat schon längere Zeit nicht mehr stattgefunden. Die finanziellen Bedingungen für die Standbetreiber sind grundsätzlich unverändert geblieben und werden es nach Aussage der Marktbetreiber auch auf absehbare Zeit bleiben", erklärt sie.

Mittlerweile dürfen Händler von Dienstag bis Sonnabend ihre Waren auf dem Wochenmarkt verkaufen. Allerdings fehlen noch viele. Lebensmittler und Gärtner, darunter sowohl deutsche als auch polnische,  seien derzeit in der Überzahl, sagt Fritz. 

Textilhändler haben noch keine Verkaufserlaubnis. "Das wird wohl auch noch dauern", vermutet der Betreiber. Denn Textilien sind nicht abwischbar, sodass Schmierinfektionen möglich seien. 

Marktbetreiber sorgt sich um Einhaltung der Auflagen

Obwohl derzeit bedeutend weniger Verkaufsstände auf dem Wochenmarkt zu finden sind, die Francois Fritz noch dazu in größerem Abstand platzierte, macht er sich Sorgen um die Einhaltung der Abstandsregeln. "Man sieht Leute dicht gedrängt. Vor allem wenn der Verkäufer erreicht ist, fehlt der nötige Abstand", sagt er. 

Er bemerke eine gewisse Leichtsinnigkeit der Menschen überall beim Umgang mit den Corona-Auflagen. "Dabei bin ich froh, dass es hier nicht so schlimm kam und freue mich, wie sich der Markt entwickelt", erläutert der Marktbetreiber. Die Naschallee als Kundenmagnet, die am Sonnabend stattfindet, sieht Francois Fritz als sinnvolle Ergänzung des Wochenmarktes. Gespannt ist er, wie dabei die Corona-Auflagen bewältigt werden.

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