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Bezahlt von Mama und Papa

Justus Strelow ist Sachsens größtes Biathlontalent. Bei der Junioren-WM möchte er sich auch für Sponsoren empfehlen.

© Robert Michael

Von Daniel Klein

Irgendwie sieht so ein Gewehr ja nackig aus, so ganz ohne Aufkleber und Schriftzüge. Aber was soll man machen als Nachwuchsbiathlet, wenn einem die Sponsoren nicht gerade hinterherlaufen und lieber bis zum Durchbruch warten? Man muss sich witzige Alternativen suchen.

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Gruß an die Geldgeber: Die Eltern schießen immer mit.
Gruß an die Geldgeber: Die Eltern schießen immer mit. © Robert Michael

Justus Strelow brauchte nicht lange zu überlegen. Er schrieb wahrheitsgemäß seine größten Förderer auf den Hinterschaft seines schwarzen Karbon-Kleinkalibers: Sponsored by Mama & Papa. Und das gilt nicht nur für das Gewehr. „Den Schaft haben meine Eltern komplett bezahlt“, erzählt der 19-jährige Justus. Wie viel das konkret war will er nicht verraten, nur so viel: „Die günstigsten kosten 800 Euro.“ Seinen hat er sich in Antholz anfertigen und anpassen lassen. Dafür fuhr er persönlich zum Waffenmeister nach Südtirol. Morgens hin, abends zurück – damit der Schaft sich wie eine zweite Haut an Wange und Schulter schmiegt.

Biathlon ist kein kostspieliger Sport, doch er kostet. Es gibt immer mal wieder Zuschüsse vom Verband, aber Internatsplatz, Kleidung und eben Gewehr müssen bezahlt werden. Das übernahmen bisher die Eltern, aber das soll sich nun ändern.

Als sich kürzlich ein ehemaliger Sport-Bild-Redakteur, der jetzt als Sportlerberater in Hamburg arbeitet und Dynamo-Mittelfeldspieler Marco Hartmann betreut, bei Justus und den Eltern meldete, wurde er engagiert. „Er hilft mir zum Beispiel in Fragen der Vermarktung, weil ich mich in dem Bereich nicht so auskenne“, sagt Justus. „Die Skier wachse ich ja auch nicht selber.“ In beiden Fällen lässt er lieber Spezialisten ran.

Olympia als großer Traum

Dass sich ein Berater aus Hamburg für ein Biathlontalent aus Hermsorf im Osterzgebirge interessiert, zeigt, welch Vermarktungspotenzial in dieser Sportart steckt. Und dass nicht nur Justus daran glaubt, dass er eines Tages bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen starten wird. „Das ist mein großer Traum. Und der kommt immer näher“, sagt er.

Damit er sich den erfüllen kann, muss er Erfolge vorweisen. Das ist die Währung im Spitzensport wie bei der Sponsorensuche. Die beste Gelegenheit bietet sich bei der Junioren-WM im rumänischen Cheile Gradistei. Am Donnerstag wurde er im Einzel Siebenter, wobei er zu den Jüngsten des Doppeljahrgangs gehört. Vor einem Jahr bei der JWM in Minsk startete der gebürtige Dippoldiswalder noch in der Jugendklasse, wurde dort Sechster im Einzel und Siebenter in der Verfolgung.

In Rumänien ist er jetzt der einzige Sachse im 15-köpfigen Team, der einzige, der am Nachwuchs-Bundesstützpunkt in Altenberg trainiert. Der kämpft darum, diesen Status nicht zu verlieren. Auch dabei helfen vor allem: Erfolge. Und die muss Justus liefern. Michael Rösch startet längst für Belgien, Tina Bachmann kämpft nach einer Bandscheiben-OP gerade um ihr Comeback und die 21-jährige Anna Siemoneit in ihrer ersten Saison im zweitklassigen IBU-Cup um den Anschluss an die Besten.

Wann der Schützling von Arne Kluge so weit ist für den Sprung zu den Großen, kann er nicht genau sagen. „Mit meiner körperlichen Entwicklung hätte ich im Weltcup keine Chance“, weiß er. „Da könnte ich läuferisch noch nicht mithalten, da fehlen zwei, drei harte Trainingsjahre.“

Wo er künftig trainieren wird, steht noch nicht fest. Seitdem der Stützpunkt Altenberg den Zusatz Nachwuchs verpasst bekam, sollen die Talente beim Sprung in den Erwachsenenbereich umziehen. So sieht es das Konzept des Deutschen Skiverbandes (DSV) vor. Zur Alternative stehen Oberhof und Ruhpolding. „Einerseits finde ich es schade, dass man weg soll, weil ich mich hier sehr wohlfühle“, sagt Justus, der für Stahl Schmiedeberg startet. „Andererseits gibt es an einem neuen Ort neue Reibungspunkte und neue Motivation. Wenn ich es mir wünschen könnte, würde ich gerne hierbleiben – aber mit einem zweiten Biathleten in meinem Alter und auf meinem Niveau.“ Den vermisst er.

Die Entscheidung soll nach dem Ende dieser Saison und den anstehenden Abi-Prüfungen fallen. Es ist nicht die einzige. Justus möchte dann gerne in die Sportfördergruppe der Bundeswehr und ein Fernstudium in Maschinenbau beginnen. Also auch vorsorgen für die Zeit nach dem Biathlon, nach Olympia. Und nach den vielen Sponsorennamen auf dem Gewehrschaft.