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Sachsen

Zieht Biedenkopf tatsächlich noch in die Saloppe?

Sachsens Ex-Premier wollte sich seinen Altersruhesitz im ehemaligen Wasserwerk einrichten. Doch nun hat er offenbar andere Pläne.

Auch drei Jahre nach dem einst offiziell verkündeten Einzugstermin sind die Wohnungen in der Saloppe noch nicht bezugsfertig.
Auch drei Jahre nach dem einst offiziell verkündeten Einzugstermin sind die Wohnungen in der Saloppe noch nicht bezugsfertig. © Sven Ellger

Erst hieß es, Ende 2016 sei alles fertig. Dann war vom Sommer 2017 die Rede, vom Sommer 2018, von November 2018 und schließlich vom Juni 2019. Doch die 33 Luxuswohnungen im alten Dresdner Wasserwerk Saloppe an der Elbe sind immer noch nicht bezogen. 

„Sofern die letzten Abnahmen erfolgt sind, wird das voraussichtlich in den nächsten zwölf Wochen geschehen“, teilte am Mittwoch Investor Miljenko Salopek mit. Der 51 Jahre alte Kaufmann aus Friedberg bei Augsburg hatte das historische Bauwerk 2013 erworben. Früheren Angaben zufolge flossen rund 20 Millionen Euro in das Projekt: eigenes Geld, Geld von der Bank und Geld von Kapitalanlegern. Mit Quadratmeterpreisen von fast 5.000 Euro gehören die künftigen Domizile in der Saloppe zu den teuersten in Dresden.

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Eine der Wohnungen wollten Kurt Biedenkopf und seine Frau Ingrid beziehen. Sie verkauften ihr Haus am Chiemsee, hatten die Saloppe fest im Plan als Ruhesitz. Nun lässt der 89-Jährige, der Sachsen von 1990 bis 2002 regierte, mitteilen, er wolle zum Thema Saloppe keinen Kommentar mehr abgeben. Nach SZ-Informationen hat er das Projekt aufgegeben und sich anderweitig in Dresden niedergelassen.

Sachsens Ministerpräsident a.D. Kurt Biedenkopf
Sachsens Ministerpräsident a.D. Kurt Biedenkopf © Rainer Jensen/dpa

Ob der Ex-Premier sein Geld für den 2015 erfolgten Wohnungskauf zurückerhalten hat, ist unklar. Ebenso, ob das Ehepaar Biedenkopf die Wohnkosten wiederbekommt, die ihm wegen der verzögerten Fertigstellung entstanden waren. Investor Salopek hatte im Herbst 2018 erklärt, er komme selbstverständlich für diese Kosten auf. Zu dieser Zeit hatten die Biedenkopfs im Luxushotel Taschenbergpalais in Dresden Quartier bezogen.

Deutlich mehr erhofft von seinem Saloppe-Investment hatte wohl auch Peter Discherl. Der 80-Jährige ist einer der Kleinanleger, mit deren Geld das Saloppe-Projekt finanziert wurde. Der Rentner aus München sagte dem Fachblatt Kapitalmarkt intern, er sei „total unzufrieden“. 10.000 Euro habe er angelegt. Bei Anfragen wegen der ausbleibenden Rückzahlung und Rendite werde er nur vertröstet. 

Daraufhin von der SZ kontaktiert, antwortet der öffentlichkeitsscheue Saloppe-Bauherr Salopek: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir aus Gründen des Bankgeheimnisses keine Angaben hierzu machen.“ Die Wasserwerk Saloppe GmbH sei jedenfalls nicht überschuldet. „In der Gesellschaft sind ausreichend stille Reserven und Rangrücktritte.“ Oder anders: Gläubiger verzichten zumindest vorläufig auf ihr Geld.

Das ehemalige Wasserwerk ist noch immer eine Baustelle.
Das ehemalige Wasserwerk ist noch immer eine Baustelle. © Sven Ellger

Sapolek, der in diversen Firmen tätig oder an ihnen beteiligt ist, leugnet, den Überblick verloren zu haben. Nicht nur in Dresden ist er tätig, sondern auch in Meißen, Krefeld oder gar am Gardasee. Seine Sprecherin betont, ihr Chef bilde „in allen Unternehmensbeteiligungen nur den Bereich Bauen ab. Er habe keine kaufmännischen Aufgaben. Umplanungen, Überraschungen bei der Sanierung und kalte Winter waren laut Sapolek Gründe für die Verzögerungen an der Saloppe.

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Ein solches Projekt könnte den beteiligten Baufirmen eigentlich als Referenz dienen. Doch die halten sich auf Anfrage erstaunlich zurück. Schon 2016 war es zum Bruch mit dem Wohnungsvermarkter Pantera gekommen. Die Statikfirma aus Südtirol spricht lediglich von einer „besonderen Herausforderung“. Für die Generalplaner von Ipro Consult in Dresden war es immerhin „ein schönes und spannendes Projekt“. Die Fensterfirma aus Zürich teilt mit, aus gesundheitlichen Gründen sei es nicht möglich zu antworten. Der Schweizer Konzern Schindler freut sich, „dass unsere Aufzüge im Wasserwerk Saloppe zum Einsatz kommen“. Jedoch: „Ein Statement zum Bauverlauf möchten wir nicht abgeben.“

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