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Campingparadies vor der Haustür

Urlaub im eigenen Land in Corona-Zeiten angesagt wie nie, ob am Berzdorfer See oder in Thräna. Die SZ hat Camper getroffen.

Heidrun und Thomas Nerlinger aus Grafschaft Bentheim in Niedersachsen machen mit ihren Töchtern, Hund und Campingbus Station am Berzdorfer See.
Heidrun und Thomas Nerlinger aus Grafschaft Bentheim in Niedersachsen machen mit ihren Töchtern, Hund und Campingbus Station am Berzdorfer See. © André Schulze

Familie Nerlinger hat Kaffee aufgesetzt. Möchten Sie eine Tasse?", fragt Mutter Heidrun. Heiß und schwarz blubbert das Gebräu vor sich hin.  Türkisch, ohne Filter. Nerlingers sind bei den Frühstücksvorbereitungen. Es ist Freitagvormittag so gegen 10 Uhr. Die Sonne knallt schon auf den Berzdorfer See.  Es verspricht ein heißer Tag zu werden.

Elektroversorgung lässt zu wünschen übrig

Thomas Nerlinger schaut inzwischen nach dem Ladestand der Akkus an den E-Bikes. "Sieht ganz gut aus", sagt er.  Familie Nerlinger ist aus Niedersachsen aus der Grafschaft Bentheim  an den Berzdorfer See an die Hafenpromenade gekommen. Sie macht eine gemütliche Ost-Tour. 

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"Wir waren schon in Berlin, in Babelsberg, im Spreewald", so Thomas Nerlinger. Dresden, Leipzig, Dessau stehen noch auf ihrem Fahrplan. Dass sie am Berzdorfer See Zwischenstation macht, eher Zufall. "Ein Verwandter hat uns den Tipp gegeben", sagt Thomas Nerlinger. Bereut hat es die Familie keinesfalls. "Schauen Sie mal: Wir haben von unserem Schlafzimmer aus einen Blick auf den See. Besser geht es ja gar nicht", so der Familienvater.

Ein bisschen Kritik am Berzdorfer See hat er dann doch noch auf Lager: Wasserver- und Entsorgung könnten besser geregelt sein - und die Versorgung mit Strom eben für die E-Bikes. Nerlingers haben das Problem auf ganz eigene Weise gelöst: Mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach ihres Campers, eine Zusatzinvestition, wie Thomas Nerlinger verrät. Das Mobil ist im Übrigen brandneu. "Wir haben es erst vor Kurzem gekauft", sagt Heidrun Nerlinger. Zuvor war die Familie mit einem kleineren Fahrzeug unterwegs.

Urlaub im eigenen Land gefragt

"Wichtig war für uns: Platz für zwei Erwachsene, zwei Kinder und den Hund", schmunzelt Thomas Nerlinger. Die Familie ist im Osten der Republik auf Sommerurlaub, der erste in diesem Jahr, wie Thomas Nerlinger sagt. Ausschließlich mit Wohnmobil unterwegs sein, das ist nicht unbedingt das Ziel der Familie. Flugreisen stehen ebenfalls an. Tochter Hanna sieht das ein wenig anders. "Ich fliege aus Prinzip nicht", sagt sie - eine Symphatisantin der Fridays for Future Bewegung. Gemeinsam mit ihrer Schwester  Marieke ist sie mit den Eltern unterwegs. Wird das nicht langweilig? "Nein", sagt Marieke. Nur manchmal werde es im Wohnmobil doch etwas eng. 

Immer beliebter: Den Campingplatz auf dem Görlitzer Kühlhaus-Gelände steuern immer mehr Reisende gern an.
Immer beliebter: Den Campingplatz auf dem Görlitzer Kühlhaus-Gelände steuern immer mehr Reisende gern an. © André Schulze

Campen, Caravan - nicht nur am Berzdorfer See ist das Thema groß im Kommen.  Urlaub im eigenen Land, er ist gefragt wie nie. Davon profitieren nicht nur größere Anbieter.  Danilo Kuscher, Chef des Kühlhauses in Weinhübel, bestätigt das der SZ.  Zum Kühlhaus gehört ein Campingplatz. Der hatte voriges Jahr rund 3.700 Gäste. Dieses Jahr, so die Prognose könnten es doppelt so viele sein. Viele Gäste kommen mit Campingmobil.

Die Besucher sind nicht nur aus Deutschland.  Am Berzdorfer See sind vermehrt auch Caravans mit tschechischem Kennzeichen zu sehen. Jaroslav schnallt gerade die Fahrräder von seinem VW-Bus ab. Gemeinsam mit Frau und Kindern kommt er aus der Gegend um Varnsdorf, macht für eine Nacht Station am See. Warum hier?  "Es ist einfach eine schöne Gegend. Natürlich haben wir die bei uns auch. Aber es ist eben mal etwas anderes, was die Kinder zu sehen bekommen", sagt er. Finanziell mache der Abstecher nach Deutschland für den Tschechen nicht so den großen Unterschied. "Bezahlt werden muss am Ende hier wie da", sagt er.

Camper am Waldsee in Biehain: Der Trend geht zum Urlaub im eigenen Land.
Camper am Waldsee in Biehain: Der Trend geht zum Urlaub im eigenen Land. © André Schulze

Holländer kommen wieder

Und was ist ansonsten mit ausländischen Besuchern? Kommen noch viele? Ja, sagt Joachim Mitschke. Er ist der Inhaber des Camping- und Freitzeitparks Thräna. "Zu uns kommen inzwischen wieder verstärkt Gäste aus Holland", schildert er.  Generell sei die Anfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten sehr groß. "Wir können gar nicht alle potenziellen Gäste annehmen", so Joachim Mitschke.  Corona, die entsprechenden Hygienevorschriften - ein Problem. "Der Aufwand, alle Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten, ist schon sehr groß", schildert Joachim Mitschke.

Der Freizeitpark hat einen eigenen Platz für Durchreisende, vor allem Richtung Osten,  aufgemacht.  "Aber es gibt auch viele Gäste die fragen, ob sie nicht ihren Aufenthalt verlängern können", sagt Joachim Mitschke. 

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Bei Nerlingers am Berzdorfer See ist derweil der Kaffee durchgelaufen, das Frühstück steht bereit - natürlich mit Blick aufs Wasser. "Phantastisch", sagt Thomas Nerlinger bei dem Anblick. Die Familie interessiert sich nicht nur für die Landschaft, sondern auch für die Geschichte des Sees. "Ich würde den Berzdorfer See auf jeden Fall weiterempfehlen", sagt Thomas Nerlinger. Ob die Familie wiederkommt? "Ausgeschlossen ist das auf keinen Fall", sagt Mutter Heidrun.

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