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Biehains Bäume werden erwachsen

Ein Ersatzwald ist vor zwei Jahren nahe der Horkaer Ortschaft entstanden. Der Grund dafür steht in Lodenau.

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© André Schulze

Von Katja Schlenker

Mannshoch sind einige der Bäume auf der Wiese bei Biehain bereits. Kein Vergleich mehr zu den fünfzig bis achtzig Zentimeter kleinen Setzlingen, die hier am Ende der Straße Zur Wasserscheide vor anderthalb Jahren angepflanzt worden sind. Und die Biehainer Bäume sind zudem etwas Besonderes. Denn die neu gepflanzten Ersatzbäume sind relativ nahe der Fläche in Lodenau gelegen, wo einst Bäume gerodet worden sind. Das ist eher selten. Manchmal kommt es vor, dass Wald im Erzgebirge gerodet und im Gegenzug etwa bei Leipzig neu gepflanzt wird. Im Fall Biehain passiert das als Ersatz für Wald, der auf dem Flugplatz wegen einer weiteren Fotovoltaikanlage gerodet worden ist.

Fast neun Hektar wild gewachsene Birken und andere Gehölze verschwinden im Sommer 2013 auf dem Flugplatzgelände in Richtung Lodenau. „Das war jedoch kein ökologisch hochwertiger Wald“, erklärt Projektleiter Tim Meyer von der Gehrlicher Solar AG damals. Das Unternehmen baut die vierte Fotovoltaikanlage auf dem Flugplatzareal.

Voraussichtlich zum letzten Mal sind die rund 21 000 Bäume nun gepflegt worden. Fortan sollen sie alleine klar kommen. Denn mittlerweile sind sie höher als die Pflanzen drum herum, erklärt Henrik Lindner von der Stiftung Wald für Sachsen. Diese entwickelt, koordiniert und realisiert seit 1996 Waldmehrungsprojekte in Sachsen. Henrik Lindner hat das Projekt einst auf den Tisch bekommen und für die Ersatzfläche gesorgt.

In 100 Jahren soll hier nahe Biehain einmal ein funktionierender Laubwald stehen. Ungefähr sieben Hektar sind bepflanzt worden. Das entspricht fast zehn Fußballfeldern. Momentan sind die Bäume auf dem besten Wege. Die drei Baumarten haben mittlerweile wegen ihrer Höhe mehr Platz und können eigenständig weiterwachsen. Bisher ist jedes Jahr ein Streifen zwischen den einzelnen Baumreihen freigemäht worden, um den Stieleichen, Flatterulmen und Roterlen ein wenig Luft zu verschaffen.

Die Ulmen bereiten derzeit noch ein wenig Sorgen. Sie sind recht schnell in die Höhe gewachsen. Wenn im Winter viel Schnee fallen sollte, kann es passieren, dass die zarten Äste und Stämme abbrechen. Das wäre brisant. „Die Ulme als Baumart ist nahezu ausgestorben“, erklärt Henrik Lindner. „Mittlerweile gibt es nur noch ganz wenige Altulmen.“ Grund dafür ist der Ulmensplintkäfer, der eine aus Ostasien eingeschleppte Pilzerkrankung überträgt. Die Pilze wachsen im Holz und behindern den Wasserfluss. Dadurch stirbt der Baum ab.

Die Roterlen wachsen ebenfalls relativ schnell. Die Eichen hingegen lassen es ruhiger angehen. Etwa drei Viertel der Bäume sind nach der ersten Pflanzaktion im November 2013 angewachsen. Das ist in Ordnung. Dennoch ist danach noch einmal nachgebessert worden. So hat sich der Wert auf neunzig Prozent erhöht. Die nächste Prüfung kommt auf die Bäume zu, wenn sie etwa sechs Meter hoch sind. Dann wird es eine sogenannte Negativauslese geben. Das bedeutet, schlecht oder verformt gewachsene Bäume werden aus dem Wald herausgenommen. Parallel dazu bekommen besonders schöne Bäume mehr Platz.

Kontakt: Stiftung Wald für Sachsen, Städtelner

Straße 54, 04416 Markkleeberg,  0341 309080,

www.wald-fuer-sachsen.de