merken
PLUS

Bienen erobern die Stadt

Jung und weiblich – so sieht er aus, der typische Dresdner Imker. Waren die älteren Herren noch vor fünf Jahren fast unter sich, erlebt die Bienenhaltung derzeit einen ungeahnten Aufschwung. „Viele möchten sich in einem sinnvollen Hobby für die Natur engagieren.

© dpa

Von Kay Haufe

Jung und weiblich – so sieht er aus, der typische Dresdner Imker. Waren die älteren Herren noch vor fünf Jahren fast unter sich, erlebt die Bienenhaltung derzeit einen ungeahnten Aufschwung. „Viele möchten sich in einem sinnvollen Hobby für die Natur engagieren. Zudem ist ihnen klar, dass 80 Prozent aller Lebensmittel direkt oder indirekt von der Bestäubung abhängig sind“, sagt Tino Lorz, der stellvertretende Vorsitzende des Dresdner Imkervereins.

Anzeige
Sommer, Sonne, Sonnenschutz
Sommer, Sonne, Sonnenschutz

Ein sonniger Tag tut Körper und Geist gut. Doch ob auf dem Balkon, im Garten oder am Wasser: Hautschutz ist dabei unerlässlich.

© ZB

150 Mitglieder arbeiten darin. Ihre Honigbienenvölker rücken immer dichter an die Stadtmitte heran. So sind Beuten, wie die Behausung aus Holz in der Fachsprache heißt, auf dem TU-Campus, auf privaten Balkonen und auf Hausdächern im Hechtviertel zu finden. Seit letzter Woche schwärmen zwei Völker aus dem Garten des Hygienemuseums aus. Alexander Schlotter, der die AG „Biene sucht Blüte“ im Imkerverein leitet, hat die Zusammenarbeit organisiert. Der dort gewonnene Honig soll später im Museumsshop verkauft werden. „Und natürlich können wir den Kindern, die bei uns zahlreiche Veranstaltungen besuchen, echte Bienen zeigen“, sagt Museumsdirektor Klaus Vogel.

Es sind oft kleine Dinge, die der Biene das Leben in der Stadt erleichtern. Rasenflächen sollten selten gemäht werden, damit sich Blumen und Gräser darauf aussamen können. Der englische Rasen sei eine für Insekten tote Fläche, vergleichbar mit dem „Grüne-Wiese-Teppich“, sagt Lorz. „Brachflächen, auf denen wilde Him- oder Brombeeren wachsen, sollten nicht in wildem Aufräumeifer beseitigt werden“, so der Imker. Um vor allem Wildbienen Lebensraum zu bieten, zu denen auch die Hummel gehört, sollten Totholz und Sandflächen in den Gärten bestehen bleiben.

Damit jeder Dresdner mit einfachen Mitteln etwas für die Biene tun kann, gibt es Saatgut mit Bienenweide-Pflanzen in der Tourist-Information auf dem Neumarkt. Dort soll später auch Dresdner Honig verkauft werden. „Und wir versuchen weitere Firmen zu gewinnen, die Standorte für noch mehr Bienenbeuten bieten“, so Lorz. Für das Amt für Stadtgrün und Planungsbüros hat der Imkerverein 2013 einen Infotag angeboten, zu dem über besonders bienenfreundliche Pflanzen berichtet wurde. Der wird 2014 wiederholt. „Und wir wünschen uns, dass die Landwirtschaft am Stadtrand von der Monokultur wegkommt.“