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Bier hilft über Sprachgrenzen hinweg

Im Volkskunde- und Mühlenmuseum Waltersdorf ist derzeit die Ausstellung „Rund ums Bier“ zu sehen.

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© Matthias Weber

Von Rolf Hill

Es kam, wie es so treffend heißt, kein Apfel zur Erde, als am Sonnabendnachmittag die Sonderausstellung „Rund ums Bier“ im Volkskunde- und Mühlenmuseum des Erholungsorts zum ersten Mal ihre Pforten öffnete. Mit einem solchen Andrang hatten weder die Betreiber vom Förderverein noch dessen Mitglied Günter Hempel, der die Schau mit Stücken aus seinem privatem Fundus ermöglichte, gerechnet. Mitten unter den Besuchern war eine 15-köpfige Gruppe von Mitgliedern des polnischen Vereins „Bractwo Ziemi Bogatyskiej“ BZB (Bruderschaft des Reichenauer Landes).

„Dieser Besuch hat einen besonderen Grund“, erklärte Edward Semper schmunzelnd. „Wir wurden nämlich hierher von einer guten Freundin eingeladen.“ Dabei handelte es sich um keine andere als die Waltersdorferin Christine Goldberg-Holz. Als Vorstandsmitglied des Sächsischen Vereins für Volksbauweise knüpften sie und ihr Mann Gerd schon vor geraumer Zeit Kontakte zu den polnischen Heimatfreunden. Im Ergebnis mehrerer Begegnungen präsentierte das Waltersdorfer Ehepaar von Mai bis September vergangenen Jahres eine repräsentative Fotoausstellung über Türstöcke Oberlausitzer Umgebindehäuser (SZ berichtete). Inzwischen hat man einen echt guten Draht zueinander gefunden, bestätigten Vertreter beider Seiten erneut während der Ausstellungseröffnung.

„Es ist prima, dass wir uns so gut verstehen“, sagte Christine Goldberg-Holz. „Trotz fehlender Sprachkenntnisse gibt es zwischen uns keine ernsthaften Verständigungsschwierigkeiten oder gar Vorurteile.“ Einige der polnischen Freunde kannten das Museum schon von früheren Besuchen und äußerten sich recht anerkennend. Das habe sie auf die Idee gebracht, diese Einladung auszusprechen. Und diesmal lobten die Gäste aus Bogatynia (Reichenau) nicht nur die Exponate der ständigen und der Sonderausstellung, sondern auch die Qualität des Bieres, das ihnen von einem Außendienstmitarbeiter der Privatbrauerei Eibau zur Verkostung gereicht wurde.

Inzwischen sucht man nach neuen Wegen der Zusammenarbeit und des Austausches. So ist gegenwärtig im Domizil des Vereins BZB, dem „Dworzec Historii“ (Historischer Bahnhof), eine Fotoausstellung von Christine Goldberg-Holz und Gerd Goldberg über Umgebindehäuser aus dem ehemaligen Zittauer Umland jenseits der Neiße zu sehen. Jetzt ist geplant, im Naturkundehaus Waltersdorf eine Sammlung der von Marian Lorek geschaffenen einzigartigen Strohbilder zu zeigen.