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Der Biergarten für den Sonnenuntergang

Zwei Görlitzer Veranstalter haben das Rumsitzen satt - und einen Biergarten eröffnet. Dort hat man einen Blick auf den alten Oberhof und auf den Berzdorfer See.

Für drei Tage wollten Benjamin Reiss und Jens Werner den Biergarten am Oberhof betreiben. Es wurde mehr daraus.
Für drei Tage wollten Benjamin Reiss und Jens Werner den Biergarten am Oberhof betreiben. Es wurde mehr daraus. © André Schulze

Im Herrenhaus würde Jens Werner sofort eine Wohnung nehmen. „Dafür würde ich hier auch mit anpacken.“ Aber noch ist das Herrenhaus des Oberhofes in Deutsch Ossig mehr Ruine als schickes Wohnhaus. Und so muss er aktuell noch mit der Fläche neben dem Oberhof vorliebnehmen. Den Blick auf den Berzdorfer See hat man auch dort. Und jetzt auch einen Biergarten.

Am See sind Jens Werner und Benjamin Reiss keine Unbekannten. Angefangen hatte Reiss 2015 mit den „Loggia Days & Nights“- Partys. 2016 kam Werner mit der Veranstaltungsreihe „Heavens in Motion“ dazu. Damals feierte der eine regelmäßig am Freitag neben dem Oberhof, der andere sonnabends. Die beiden Veranstalter entschlossen sich, am See gemeinsame Sache zu machen. Seither finden jedes Jahr zwei Sommer-Open-Airs statt, im Mai und August. Dieses Jahr mussten beide wegen der Corona-Krise abgesagt werden. Zumindest in der geplanten Form.

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Biergarten statt Mini-Festival

Das Sommer-Open-Air im Mai findet sonst immer zu Himmelfahrt statt. „Wir haben uns gefragt, ob wir den Leuten dieses Jahr nicht wenigstens eine kleine Möglichkeit zur Kultur bieten können“, erzählt Jens Werner. Die Idee: Statt des Sommer-Open-Airs ein Sommer-Biergarten, in dem man zwar nicht tanzen, aber doch Musik hören kann, aufgelegt von DJs vor Ort.

Der Biergarten entstand innerhalb von sechs Tagen – von der Idee bis zur Eröffnung. Zunächst war er nur für den Zeitraum des eigentlich geplanten Open-Airs gedacht, drei Tage. „Das wurde so gut angenommen, dass wir gesagt haben: Wir wollen den Sommer über bleiben.“ Zwar nicht täglich mit Live-DJ, aber doch mit Bier, Cocktails, Bratwurst, Rhabarberlimo und Musik. Motto: Feierabend-Lounge. „Es soll ein Ort sein, wo die Leute den Tag ausklingen lassen können, zur Ruhe kommen.“ Geöffnet ist, je nach Wetterlage, am Nachmittag bis in den späteren Abend hinein.

Cocktails unter bunten Bäumen

In Richtung See sind am Ufer Bänke aufgereiht. Aus zwei Lautsprechern klingt Lounge-Musik. „Das wollen wir noch verändern“, sagt Werner. „Wir wollen kleinere Boxen in den Bäumen ringsum anbringen“. Damit lässt sich die Akustik gleichmäßiger gestalten, „es schallt dann nicht so“. Wenn es dunkel wird, tauchen Strahler die Bäume in buntes Licht. Lichterketten wollen die beiden noch ziehen, für die Stunden, wenn die Sonne linkerhand der Landeskrone abgetaucht ist. „Ich finde ja, wir haben an unserem Standort das beste Sonnenuntergangspanorama“, sagt Benjamin Reiss mit einem Schmunzeln.

All die Bänke, Technik, den Barwagen, die Dixi-WCs in wenigen Tagen zu organisieren, sei kein Problem gewesen. „Es geht doch allen Veranstaltern wie uns gerade. Und die Technikfirmen haben die Lager voll“, sagt Jens Werner. Auch das Formale sei recht reibungslos gelaufen. Das Ordnungsamt und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), hätten ihnen sehr geholfen. „Gerade bei der Umsetzung der Corona-Regelungen. Sie haben uns erklärt, was erlaubt ist, worauf wir achten müssen“, wie die Beschilderung auszusehen hat, wie sich Abstands- und Hygieneregeln am besten umsetzen lassen.

Idee war aus der Not geboren

So sehr sich die beiden Veranstalter über die Resonanz freuen, letztlich war die Biergarten-Idee aus der Not geboren. Etwa 40 Veranstaltungen organisiert Jens Werner im Jahr. Die, die er zunächst in den September verschoben hatte, muss er jetzt wahrscheinlich weiter verschieben. Bund und Länder hatten sich am Mittwoch geeinigt, dass Großveranstaltungen bis mindestens Ende Oktober nicht stattfinden sollen. „Aber die Leute sind ohnehin sehr zurückhaltend bei Ticketkäufen.“

Benjamin Reiss war bislang nicht hauptberuflich Veranstalter, sondern Erzieher. „Ich wollte stärker in den Veranstaltungsbereich“, erzählt er. Eine Branche, die ihm über die Jahre immer mehr Freude gemacht hat, in der er mehr machen wollte, auch beruflich. Im Dezember fiel die Entscheidung, den Erzieher dafür aufzugeben. Und dann kam Corona.

Jens Werner habe noch den Vorteil, dass bei ihm vergleichsweise wenig laufende Kosten anfallen, erzählt er. „Mit den Soforthilfen komme ich zumindest so halbwegs über die Runden.“ Mieten, Nebenkosten Personalkosten, all das falle bei vielen Kultureinrichtungen deutlich höher aus. Schön sei die Lage trotzdem nicht. „Ich brauche was zu tun.“ Was das im Winter sein wird, weiß er noch nicht.

Was aus dem Oberhof werden soll

Der Biergarten ist abgegrenzt durch Bauzäune. Die wollen die beiden durch Holz ersetzen. Für mehr Biergarten-Flair. Die Zäune am Bierwagen gehören zu den Corona-Maßnahmen. Die anderen dienen der Abgrenzung der Oberhofgebäude. Dort gilt aus Sicherheitsgründen Betreten verboten. „Viele, die vorbeikommen, fragen uns wegen der Gebäude“, so Werner.

Die gehören seit 20 Jahren Dietmar Stope und Bernd Trott. Aus dem Oberhof soll nach wie vor etwas für den Tourismus entstehen. „Wir würden gerne klein angefangen mit einer Gastronomie im Herrenhaus und dann weitermachen“, erzählt Stope. Aber ohne den Bebauungsplan Deutsch Ossig wolle er nicht starten. Ein Schritt dahin ist die öffentliche Widmung der Uferpromenade. Den Widmungsbeschluss hatte der Görlitzer Stadtrat im März aber wieder aufgehoben.

Mit ihrem Einzug ins Herrenhaus müssen sich Jens Werner und Benjamin Reiss noch gedulden. Einzelne Unterkünfte für Gewerbetreibende vor Ort seien aber sogar erlaubt, erzählt Stope.

21. Juni: Féte de la Musique, ab 10 Uhr, u.a. mit "Die Jonsdorfer Flintstones", "The Whistlin' Cat", "Beyond Memories"

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