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Bierkrieg endet vor dem Schiedsgericht

Der Bierfreund hat beim Genuss seines kühlen Blonden sicher nichts mitbekommen. Hinter den Kulissen tobte aber bis vor wenigen Tagen ein Bierkrieg. Streitfrage war, welches das wahre Bier der Bautzener 1 000-Jahr-Feier ist.

Von Thomas Drendel

Der Bierfreund hat beim Genuss seines kühlen Blonden sicher nichts mitbekommen. Hinter den Kulissen tobte aber bis vor wenigen Tagen ein Bierkrieg. Streitfrage war, welches das wahre Bier der Bautzener 1 000-Jahr-Feier ist. Um das zu entscheiden trafen sich jetzt die Bautzener Brauerei und die Landskronbrauerei aus Görlitz vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Dresden.

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Die Idee zu einem Sonderbier anlässlich des Stadtgeburtstages stammt nach eigenem Bekunden von den Bautzenern. Schon im November vergangenen Jahres hätten sie den Entschluss dazu gefasst. Im Dezember bereits rann der Gerstensaft durch die Kehlen der Bierfans. Die Freunde über das gelungene Pils wurde aber schnell getrübt. In den Läden stand plötzlich das „Bautzener Turmbräu“ von der Landskronbrauerei. Das Etikett soll sogar in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung entstanden sein. Außerdem war der Bautzener OB Christian Schramm zugegen, als die erste Flasche durch die Görlitzer Abfüllanlage wanderte, während beim Anstich des hiesigen Bieres die städtische Prominenz dem Verkosten fern blieb. Das konnte die Bautzener Brauerei nicht auf sich sitzen lassen: Von den eigenen Leuten verschmäht und von den Landskron-Brauern um die Idee bestohlen, wie Karsten Herrmann, Chef der Bautzener Bierhersteller, sagt. Gegen das „Plagiat“ Turmbräu galt es ins Feld zu ziehen.

Was die Bautzener daran am meisten störte, war, dass nirgends auf dem Flaschenetikett vermerkt ist, dass das „Bautzener Turmbräu“ nicht in Bautzen, sondern in Görlitz hergestellt wird. „Dem Bierfreund wird suggeriert, er hätte ein Hopfengetränk aus der Spreestadt vor sich“, sagt Herrmann. „Uns lag es fern, eine Auseinandersetzung mit den Bautzenern vom Zaune zu brechen ein Anruf bei uns hätte genügt“, sagt hingegen Sonja Schilg, Marketingleiterin der Landskronbrauerei. Dennoch zogen beide Bierbrauer vor das Schiedsgericht der IHK. Dort wurde eine Einigung erzielt.

Danach müssen die Görlitzer auf allen Plakaten, Schildern und Annoncen, die jetzt in Umlauf gebracht werden, darauf hinweisen, dass das Bautzener Turmbräu in Görlitz gebraut wurde. Wird das in einem Fall vergessen, drohen 6 000 Euro Strafe. Und die Etiketten? Die bleiben in der jetzigen Form bis zum 31. 10. auf den Flaschen kleben. So lange reicht der Vorrat.