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Bierkultur und Klingeltanz

Indianische Ritualetreffen zu Himmelfahrt auf deutsches Brauchtum. Und das Wetter zeigt rechtzeitig Einsicht.

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Von André Wirsig

Es ist ein festes Ritual. Zu Himmelfahrt bleibt hier zu Lande meistens das Auto in der Garage. Denn ohne Bier wäre der „Vatertag“ nur halb so schön, mit Bier die Fahrerlaubnis dafür schnell Geschichte. Also setzt der Traditionsbahnverein den Lößnitzdackel als Vatertagsbummler aufs Gleis und Drahtesel – bevorzugt mit frischem Grün verziert – erleben sprichwörtlich ihren zweiten Frühling.

„Das ist also der Grund, warum hier so viele Leute grölend durch die Gegend ziehen“, lacht Blackfoot-Medizinmann Devalon Small Legs. Gestern setzte der Kanadier die letzten Striche an dem riesigen Adler im Steinbruch des Lößnitzgrundes. Himmelfahrt – so weit reicht das interkulturelle Verständnis des Indianers – war doch, als Jesus in den Himmel gekommen sei. Dass die deutschen Männer dieses Datum nutzen, um ordentlich einen über den Durst zu trinken, war aber auch für ihn neu. „Ich selber habe in meiner Jugend genügend für mein ganzes Leben getrunken“, sagt Small Legs. Mittlerweile hat er dem Feuerwasser abgeschworen.

Und es gibt eben Dinge zwischen Himmel und Erde, die lassen sich nicht erklären. Just, als der Medizinmann im Steinbruch die gelbe Sonne an der Felswand vollendet hat, brechen die Wolken auf und es wird endlich sonniges Männertagswetter. Ob das am Sonnabend auch klappt? „Wir können nur beten“, sagt der Medizinmann.

Auf schönes Wetter hoffen am Wochenende auch die Narren vom Berbisdorfer Carnevalsclub (BCC). Gestern starteten sie im Schlosspark ihr zehntes Frühlingsfest. „Wir haben mal ganz klein angefangen“, erinnert sich BCC-Präsidentin Petra von Wittberg. In diesem Jahr gibt es sogar wieder einen Auto-Scooter. Sonnabend stehen Vogelschießen und Preiskegeln auf dem Programm. „Und am Abend erwarten wir Gäste aus unserer Partnergemeinde Argenbühl im Allgäu“, so Petra von Wittberg. Der BCC wird mit närrischen Showeinlagen dafür sorgen, dass es zumindest im Festzelt heiter wird.

Für Julie Ray ist das alles neu. Die 17-Jährige Amerikanerin ist zum ersten Mal in Deutschland und zeigte zum Country-Frühschoppen im Karl-May-Museum gestern als waschechte Ojibwe-Indianerin einen „Klingeltanz“. Dass die amtierende Pow-Wow-Prinzessin des US-Bundesstaates Tennessee das hervorragend kann, davon können sich die Besucher der Karl-May-Festtage am Wochenende selbst überzeugen.