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Bierleitung für Meuchelmörder

„April, April“ hieß es auch früher im Blätterwald. Selbst der Landrat wurde von dieser Sitte nicht ausgenommen.

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Von Ralph Schermann

Der 1. April beflügelte als Tag der gleichnamigen Scherze auch früher schon die Redaktionsstuben. 1842 berichtete zum Beispiel die „Görlitzer Fama“, dass künftig Männer als „Meuchelmörder“ verurteilt werden können, wenn sie ihre Frauen am Reden hindern. Begründung: Durch viel Reden werden die Lungen gekräftigt, was auch der Grund dafür sei, dass Frauen länger als Männer leben. Geschwätzigkeit diene also der Langlebigkeit, so dass Männer künftig verurteilt werden können, wenn sie ihre Gattinnen im wahrsten Sinne des Wortes zum Schweigen bringen würden.

Der „Neue Görlitzer Anzeiger“ pries zum 1. April 1930 den steigenden Görlitzer Wohlstand, dank dem es nun endlich so weit wäre, sich das Landskronbier auf einfache Weise liefern zu lassen: „Parallel zur Wasserleitung wird ab sofort eine Bierleitung mit Anschlüssen für jeden Haushalt gebaut“, schrieb das Blatt und vermerkte auch, dass neben der Wasseruhr in jedem Haushalt künftig auch ein Bierzähler zur Abrechnung eingebaut sein müsse.

Der „Görlitzer Anzeiger“ weidete sich 1904 an einem Aushang in Gaststätten, der da lautete: „Gemäß Gerichtsbeschluss darf kein Alkohol ausgeschenkt werden an Arbeiter Emil Mendel, Tagelöhner Gottfried Berger, Invalide Karl Birne. Landrat.“ Das Blatt kommentierte: „Nach dieser Formulierung bleibt unser Landrat ab sofort in allen Lokalen nüchtern!“

1926 druckten die hiesigen Lokalblätter zum 1. April eine neue Regel, nach der die Latrinenabfuhrunternehmer künftig angeblich den Titel Abortologe führen dürften. Wer sich langjährige Verdienste um die Abfuhr „der kleinen und großen Geschäfte“ erworben habe, dem dürfe sogar der Rang eines „Latrinen-Rates“ und eines „Latrinen-Oberrates“ verliehen werden. Mancher Aprilscherz war eben auch damals schon einfach nur für den A... bfall.