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Bierprobe im Gemeinderat

Nach dem nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung wurde jetzt in Großschönau so viel getrunken wie noch nie.

© SZ Thomas Eichler

Von Holger Gutte

Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Großschönau. Eine Bierprobe im Gemeinderat – wo gibt es das schon? Großschönaus Gemeinderäte haben das jetzt praktiziert. Durch zehn Sorten Bier sollten sie sich durchtrinken. Ganz offiziell und sozusagen unter notarieller Aufsicht. Wie schön kann doch die Arbeit eines Gemeinderates sein. Und weil es sich in geselliger Runde besser trinkt, helfen Bürgermeister Frank Peuker (SPD) und Mitarbeiter der Verwaltung kräftig mit. Schließlich geht es hier nicht ums bloße Biertrinken. Für Großschönau soll das süffigste Bier gefunden werden. Da zählt jede Stimme. Großschönau bekommt nämlich ein eigenes Weberbier – ein speziell für den Ort gebrautes. Der Gerstensaft ist nur eines von vielen Produkten und Ideen, mit denen die Gemeinde in die Werbeoffensive geht. Aber wie soll das Bier aussehen und schmecken? Diese Fragen haben die Gemeinderäte nun mit einer Bierprobe geklärt. Es steht auch schon fest, wer das Weberbier braut. Es reift und gärt im Nachbarort. Die Gemeinde pflegt seit Jahren gute Kontakte mit dem tschechischen Varnsdorf. Bei so einem Treff sprach Bürgermeister Frank Peuker mal die Idee mit dem Weberbier gegenüber Josef Šusta an. Der Brauereichef ist gleich begeistert gewesen. Er hatte Großschönau auch schon eine Kostprobe geschickt. Allerdings hatte er die Vorgabe vom Bürgermeister – ein leichtes Bier zu brauen, weil die Weber früher arm waren – zu wörtlich genommen. Die Kostprobe ist glatt durchgefallen. Das lässt natürlich keine Brauerei auf sich sitzen. „Wir haben jetzt zehn Sorten zum Verkosten bekommen“, so Peuker. Gleich nach der Sitzung soll die Verkostung starten. Umso trockener geht zuvor die Beratung über die Bühne.

Die Amtsleiter Peter Pachl und Markus Hummel beweisen, dass sie durchaus auch Geschick für den Kellnerberuf hätten. 21.13 Uhr schenken sie den Gemeinderäten das erste Bier ein. Die Flaschen sind nur mit Nummern versehen. CDU-Gemeinderätin Christin Hüttel lässt sich nur ein kleines Schlückchen ins Glas gießen. Die Baudenwirtin trinkt sonst kein Bier, eher Wein. Karin Szalai (Freie Wähler) ist gespannt auf die Sorten, die ihr gereicht werden. Nummer 1 ist ihr zu leicht. Und das nächste – ein Dunkles – geht gar nicht. „Das schmeckt wie Karamalz ohne Zucker oder wie kalter Kaffee“, schildert sie. Mit der dritten Sorte ist Frau Szalai schon zufriedener. „Das riecht gut, schmeckt gut – ein schönes leichtes Helles“, kommt aus der Runde. Nummer 4 fällt bei fast allen Testtrinkern durch – ebenso die nächste Probe. „Das schmeckt sehr gut“, schwärmt Frau Szalai von Nummer 6. Mit „das ist süffig“, bewertet Frau Szalai Bier Nummer 7. Auch andere in der Runde loben das Pilsner. Der nächste Gerstensaft ist etwas süßer und wieder ein leichteres Pilsner. Großes Rätselraten kommt bei der vorletzten Sorte auf. Das Bier ist trüb und dunkler als Pilsner. Es schmeckt eigenartig. Trotz ihrer Mini-Kostproben sagt selbst Christin Hüttel: „Das ist zu fruchtig und ungenießbar.“ Die Nummer 10 ordnen die Bierkenner unter den Gemeinderäten in die Kategorie Altbier ein.

Jetzt muss nur noch Sekretärin Silke Schreiter Strichliste führen. Der Reihe nach sagt jeder seine drei Favoriten an. Und es zeigt sich, dass die Geschmäcker sehr verschieden sind. Aber mit 30 Punkten liegt Bier Nummer 7 klar vor Nummer 1 (23) und 10 (18). Großschönaus Weberbier ist gefunden. Jetzt nimmt Frank Peuker Kontakt mit der Varnsdorfer Brauerei „Kocour“ (auf Deutsch Kater) auf, um über die Gestaltung des Etikettes zu reden.

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