merken
PLUS Zittau

Zittaus Brauerei-Tor soll sich wieder öffnen

In einem deutsch-polnischen Projekt werden die Keller an der Bahnhofstraße begehbar gemacht. Ein offenes Denkmal soll entstehen.

Doreen Pohl von "Zeitsprung" hat schon einmal das Tor zur alten Zittauer Brauerei geöffnet.
Doreen Pohl von "Zeitsprung" hat schon einmal das Tor zur alten Zittauer Brauerei geöffnet. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Beeindruckend sieht es in den Kellern der Zittauer Brauerei in der Bahnhofstraße aus. Auch wenn der Zahn der Zeit unübersehbar am Gemäuer und der noch verbliebenen Brau-Utensilien genagt hat, befindet sich hier ein Stück Geschichte der Stadt. Um 1845 wurde hier auf dem Gelände begonnen, Bier zu brauen. Bis zur Wende blieb das so.

Doreen Pohl und ihre Mitstreiter von "Zeitsprung", einer  gemeinnützigen GmbH in Zittau, wollen diesen geschichtsträchtigen Ort erhalten und öffentlich zugänglich machen. Wie groß das Interesse der Zittauer an ihrer alten Brauerei ist, zeigte sich vor zwei, drei Jahren, als zum Tag des offenen Denkmals die Einwohner in einen Teil der Gemäuer durften. "An einem Tag sind damals an die 2.000 Leute in die Brauerei gekommen", erinnert sich Peter Hoyer, der ebenfalls zu "Zeitsprung" gehört.

Anzeige
Charlie Cunningham eintrittsfrei erleben!
Charlie Cunningham eintrittsfrei erleben!

Der Palais Sommer 2021 findet statt – mit deiner Unterstützung!

Die historischen Kellergewölbe der Zittauer Brauerei. 
Die historischen Kellergewölbe der Zittauer Brauerei.  © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Die alten 10.000- bis 20.000- Liter-Tanks der Brauerei in Zittau. 
Die alten 10.000- bis 20.000- Liter-Tanks der Brauerei in Zittau.  © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Doreen Pohl und er wissen, dass viel Arbeit vor ihnen liegt, bis sich die Brauerei-Tore wieder für die Zittauer öffnen. Mit Kowary in Polen - dem einstigen Schmiedeberg in Niederschlesien - haben sie einen Partner gefunden, der ebenfalls die Brautradition in der polnischen Kleinstadt aufarbeiten und für alle erlebbar machen möchte. Beide sind nun Partner eines Projektes mit dem Titel "Entdeckung der polnisch-deutschen Brautraditionen".

"Dank des Projektes entstehen auf beiden Seiten der Grenze Orte, die an Zeiten erinnern, als Brautraditionen in Zittau und Kowary noch lebendig waren", berichtet Doreen Pohl. Ziel ist es dabei, das polnisch-sächsische Grenzgebiet attraktiver zu machen und den Zugang zu seinen historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten zu verbessern. Dafür erhalten sie von der EU Fördermittel. 

"Zeitsprung" und Kowary haben konkrete Vorstellungen, was sie in ihren Städten auf die Beine stellen wollen. In Zittau gehört das Restaurieren eines alten Lastkraftwagens aus der Produktion von Phänomen Robur zum Projekt. Mit dem Lkw, der einst im Nachbargrundstück gebaut wurde, sollen die Brautraditionen beider Städte künftig mobil präsentiert werden.

Außerdem wird der Zugang zu den alten Zittauer Brauerei-Kellern ermöglicht und in der Villa der Zittauer Societätsbrauerei eine Dauerausstellung zur historischen Braukunst eingerichtet.

In Kowary entsteht ein Brauerei-Museum

Die noch bis 1945 in Betrieb befindliche Brauerei von Schmiedeberg existiert nicht mehr. Deshalb wird in Kowary ein Brauerei-Wissenszentrum mit Bibliothek und einer elektronischen Datenbank mit Denkmälern zum Bierbrauen eröffnet werden. Vor dem Wissenszentrum ist eine Holzbank mit einer Skulptur von einem Brauer vor dem Gebäude und ein Stein aus dem Riesengebirge mit einem Steinpiktogramm geplant.

Zudem will Kowary ein kleines Brauerei-Museum einrichten, in dem Ausstellungen zum Bierbrauen gewidmet sind. Erneuern möchte der Ort die Jola-Quelle, von der eine Sage behauptet, dass vom Wasser aus dieser Quelle das beste Bier in der Stadt gebraut wurde.

Keller werden freigeräumt

Weiterführende Artikel

Alten Zittauer Phänomen aufgemotzt

Alten Zittauer Phänomen aufgemotzt

"Zeitsprung" lässt die traditionsreiche Fahrzeugproduktion und Brauerei der Stadt lebendig werden. Ein 70 Jahre alter Lkw steht wieder da, wo er gebaut wurde.

Sybille karrt das edle Zittauer durchs Land

Sybille karrt das edle Zittauer durchs Land

Ein Phänomen-Oldtimer soll in Polen und Deutschland für die Bier-Tradition werben. Er wird bis 2021 restauriert. Und auch in der ehemaligen Zittauer Brauerei parken.

Faszinierendes unter Zittaus alter Brauerei

Faszinierendes unter Zittaus alter Brauerei

In einem deutsch-polnischen Projekt werden die Keller an der Bahnhofstraße begehbar gemacht. Ein offenes Denkmal soll entstehen.

Bis Juni 2021 läuft das Projekt. Aktuell werden der Zugang zu den etwa 300 Meter langen Kellergängen ermöglicht und die angrenzenden Räume freigeräumt. "Wir suchen auch eine Fachkraft, die Tipps beim Aufbau des Phänomen, Baujahr 1953, geben kann", sagt Peter Hoyer. Gern nimmt "Zeitsprung" Utensilien der Brauerei für die Ausstellung auf Leihbasis oder als Geschenk an. Auch, wer Anekdoten zu berichten weiß, kann sich gern telefonisch 0152 54588572 oder per E-Mail über [email protected] melden. 

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Zittau