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Zittau ist jetzt bekannter

Die Verantwortlichen für die Kulturhauptstadt-Bewerbung haben im Stadtrat Rechenschaft abgelegt und sagen, wie es weitergeht. Es gab Lob und Kritik.

Zittau ist keine europäische Kulturhauptstadt geworden. Nun zogen die Verantwortlichen Bilanz und gaben einen Ausblick.
Zittau ist keine europäische Kulturhauptstadt geworden. Nun zogen die Verantwortlichen Bilanz und gaben einen Ausblick. ©  Rafael Sampedro (Archiv)

Reichlich ein halbes Jahr nach dem Zittauer Aus im Rennen um den Titel "Europäische Kulturhauptstadt 2025" haben die Verantwortlichen für die Bewerbung am Donnerstagabend die knapp zwei Jahre Revue passieren lassen und sich den Fragen der Stadträte gestellt. Das waren die Kernpunkte:

Millionen Menschen wissen jetzt, wo Zittau liegt

Durch die Kulturhauptstadt-Bewerbung ist Zittau viel stärker in den Fokus der Medien gerückt - auch außerhalb Deutschlands. Kai Grebasch, Marketing-Verantwortlicher, Sprecher der Stadt und maßgeblich für die Bewerbung verantwortlich, ist genau wie Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) überzeugt, dass Zittau dadurch viel bekannter geworden ist und zum Beispiel beim Tourismus profitiert.  Er hat 1.076 Veröffentlichungen in 171 verschiedenen Medien über die Stadt und ihre Ambitionen in der Bewerbungszeit gezählt. Dadurch könnten sich bis zu 27 Millionen Menschen mit Zittau beschäftigt haben. Herausragende Beispiele sind das vor reichlich einem Jahr vom Markt ausgestrahlte Morgenmagazin von ARD/ZDF, das vier Millionen Menschen gesehen haben. Auch über andere Sendungen der öffentlich-rechtlichen Sender sowie die FAZ, die Süddeutsche, die Zeit, das Redaktionsnetzwerk Deutschland, das verschiedene Zeitungen bedient, und die Nachrichtenagentur dpa sind Millionen Menschen erreicht worden. 

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Die Medienarbeit wurde flankiert von Social-Media-Aktionen wie dem Heimatradar, an dem sich 330 Menschen mit ihrer eigenen Sicht auf Zittaus Bewerbung beteiligten, oder den Herzstadt-Partnerlogos in mehreren Sprachen, die im Netz geteilt werden konnten. Auch über diese Kanäle wurden Zehntausende Menschen erreicht.

Weitere Bausteine der Werbung waren Aufkleber, Luftballons und weitere Dinge mit dem Logo, das Kulturhauptstadtbüro am Markt sowie Veranstaltungen und Aktionen vor Ort. So sind die Mitstreiter der Bewerbung zum Beispiel in einem rot-weißen Robur-Bus in viele Dörfer und Gemeinden gefahren. Insgesamt haben sie 150 Veranstaltungen organisiert oder daran teilgenommen.

Für die geleistete Arbeit gab es unter anderem von der Fraktion CDU/FW/Grüne Lob und Anerkennung.

Bürger bringen über 200 Ideen ein

Viele Bürger aus Zittau und Umgebung haben sich aktiv in den Bewerbungsprozess eingebracht. Insgesamt wurden 230 Ideen zusammengetragen. Die reichten von einem dreisprachigen Radiosender über Gärten auf Abrisslücken in der Stadt bis hin zu einem GeoPark Neißeland. Zudem hat sich ein Freundeskreis mit rund 100 Mitgliedern gegründet, der über 60 interne und externe Veranstaltungen organisiert hat und bis heute aktiv ist.

Einmalig in der Geschichte der europäischen Kulturhauptstädte ist die direkte Abstimmung der Bürger über die Bewerbung gewesen. "Das hat es noch nie gegeben", machte Jenny Böttcher, Mitarbeiterin des Kulturhauptstadtbüros, am Donnerstagabend im Stadtrat nochmal deutlich. Überwältigende 74,2 Prozent der Einwohner hatten damals dafür gestimmt, dass sich Zittau auf den Weg macht.

Mehr Geld ausgegeben als geplant

Bis 31. März hat Zittau die Kulturhauptstadt-Bewerbung reichlich eine halbe Million Euro gekostet. Inklusive der Kosten für Rathaus-Personal, dass für die Bewerbung abgestellt war. Eingenommen hat die Stadt knapp 383.000 Euro von Spendern, Sponsoren, dem Landkreis und vor allem dem Freistaat. Damit bleiben für Zittau rund 28 Prozent der Kosten. Das sind rund 150.000 Euro - und damit 60.000 Euro mehr als der Stadtrat eigentlich genehmigt hatte.

Dafür gab es deutliche Kritik. Thomas Kurze (FW) zum Beispiel machte klar, dass man nur Geld ausgeben sollte, dass man im Portemonnaie hat und es von ihm vor einer Endabrechnung keine Zusage für weitere Projekte gibt. 

Das Defizit wird voraussichtlich noch einmal separat im Stadtrat behandelt.

Stadtwerkstatt statt Kulturhauptstadt

Von Anfang an haben der Zittauer OB und andere Kulturhauptstadt-Mitstreiter klar gemacht, dass der Prozess auch nach einem Aus weitergeführt werden soll. Es sei immer um die langfristige Stadt- und Regionalentwicklung und nicht um einen Veranstaltungsplan für 2025 gegangen, sagte Jenny Böttcher vom Kulturhauptstadtbüro am Donnerstag. Deshalb sollen die Ideen, die nachhaltig sind, weiterverfolgt werden. Als Dach soll eine "Stadtwerkstatt" gegründet werden. In dem Projekt könnte unter anderem die Internet-Plattform "Herzidee" weitergeführt, ein Teil der dort gebündelten Ideen der Bürger und der Verwaltung umgesetzt und weitere gesammelt werden. Zudem ist die Stadtwerkstatt als Kreativzentrum und Raum für den Dialog der Zittauer mit ihren Partnern aus Kultur, Verwaltung, Wirtschaft und den Nachbarländern und zu ihrer Vernetzung gedacht. Sie soll eine Anlaufstelle für Bürger sein, sagte Maria Meyer, die im Kulturhauptstadtbüro gearbeitet hat. Eventuell wird auch ein Bürgerfond gegründet, aus dem die Umsetzung von Ideen finanziert wird. Auf alle Fälle soll die Stadtwerkstatt den Bürgern, Verbänden und Vereinen bei der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten für Ihre Projekte helfen. Auch von einem Leerstands- und Altbaumanagement ist die Rede.

Ob es sich dabei nicht eigentlich um Aufgaben der Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft handelt, wollte AfD-Fraktionschef Jörg Domsgen wissen. Prinzipiell ja, aber es handelt sich dabei um Arbeit, die von der ZSG ohne zusätzliche Finanzierung nicht erbracht werden kann, so die Antwort. Deshalb soll das Projekt wie schon das Kulturhauptstadtbüro bei der ZSG angesiedelt werden und vorerst bis 2022 laufen. Das dafür nötige Geld erhofft sich Zittau vor allem vom Freistaat. Laut OB Zenker hat der Ministerpräsident angekündigt, auch die ausgeschiedenen Bewerberstädte weiter unterstützen zu wollen. Laut Zenker sind für die drei Jahre jeweils 100.000 Euro für Zittau vorgesehen. Zudem hofft ZSG-Chefin Susanne Mannschott auf zusätzliche Fördermittel. Geld aus dem Zittauer Haushalt für die Stadtwerkstatt ist ihren Angaben nach nicht vorgesehen.

Stadtrat Wolfgang Wauer (FUW) findet die Idee zwar "klasse", aber auch, dass das Geld an anderer Stelle viel dringender gebraucht und somit "verbraten" würde. Dem hielt der OB entgegen, dass Zittau die Summe nur für ein Projekt bekommt, dass aus der Bewerbung hervorgeht und nachhaltig ist. Für nichts anderes.  

Personell will die ZSG die Stadtwerkstatt mit eigenen Leuten und Honorarkräften stemmen. Susanne Mannschott würde dabei gern auf die bewährten Mitarbeiter des Kulturhauptstadtbüros zurückgreifen. Maria Meyer ist bereits vom Büro in die ZSG gewechselt. 

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An den Projekten aus der gescheiterten Kulturhauptstadt-Bewerbung kann Zittau nun definitiv weiterarbeiten. Den OB freut's - auch wenn er mit mehr gerechnet hatte.

Das Projekt soll im Sommer starten. Ob der Stadtrat vorher noch ein Wort darüber mitsprechen und einen Beschluss fassen will, blieb am Donnerstag offen. "Ich bitte Sie, den weiteren Weg zu unterstützen", sagte der OB zu den Stadträten.

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