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Bilder, die bleiben

Am Sonntag ist Mario W. mit dem Auto zwischen Niesky und Horka tödlich verunglückt. Es ist nicht der erste schwere Unfall in diesem Winter.

Von Susanne Sodan

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Es wird nichts abgesagt. Das Muay Thay Open, die nächste Boxveranstaltung des Ironsports-Vereins, wird stattfinden. Der Skaterpark im Rosenpark wird weiter renoviert. Aber vielen Sportlern in Niesky schwirrt seit Sonntag ein Bild im Kopf: Ein Audi, der fast nicht mehr als Auto erkennbar ist. Rettungskräfte, die nichts mehr tun können. Am Sonntag kurz nach fünf Uhr ist Mario W. zwischen Niesky und Horka tödlich verunglückt.

Tragischer Unfall bei Glätte: Der Audi ist kaum noch zu erkennen. Für Mario W. kam jede Hilfe zu spät. Archivfoto: Danilo Dittrich
Tragischer Unfall bei Glätte: Der Audi ist kaum noch zu erkennen. Für Mario W. kam jede Hilfe zu spät. Archivfoto: Danilo Dittrich

Auf dem Weg von einer Party nach Hause soll der 23-Jährige gewesen sein. Ob es tatsächlich so ist, darüber kann die Polizei noch keine Auskunft geben, auch über die Unfallursache nicht. Freunde und Bekannte soll Mario W. mitgenommen und unterwegs abgeladen haben. Einer sitzt noch mit im Auto, als der Unfall passiert – auf der Rückbank. Es schneit ganz leicht. In einer Rechtskurve auf der S 121 verliert Mario W. die Kontrolle über sein Auto, prallt gegen einen Baum. Noch an der Unfallstelle verstirbt der 23-Jährige. Sein 20-jähriger Beifahrer wird ins Krankenhaus gebracht. Er hat den schweren Unfall überlebt.

Es gibt noch ein anderes Foto, ein viel älteres, aufgenommen in der Halle des Vereins Ironsports in Niesky. Vor zwei Jahren etwa. Im Hintergrund stehen aufgerollte Matten und Box-Utensilien. Im Vordergrund kniet Mario W. und werkelt am Fußboden herum. Es sind die Aufbaujahre des Vereins. Der ist gerade dabei, ein altes Firmengebäude zu einer Sporthalle umzurüsten. Alles machen die Vereinsmitglieder, selber: neue Fußböden, neue Fenster, der ganze Innenausbau. Mario W. ist oft dabei. Vor einem reichlichen Jahr ist Mario W. nach Dresden gezogen, hat dort bei den Flugzeugwerken gearbeitet. „Von der Zeit, als er noch hier war, hatte ich noch mehr Bilder“, erzählt Bruno Kabus, Gründer des Ironsports-Vereins. Bis seine Computer-Festplatte sich eines Tages verabschiedete. Dieses eine Bild von Mario W. bleibt.

Thaiboxer, wie die meisten Vereinsmitglieder, war Mario W. nie – sondern Skater. In der Szene hat er sich einen Namen gemacht. Den Skateparkour im Rosenpark, der gerade Stück für Stück erneuert wird, hat Mario W. damals mit aufgebaut, den ersten Nieskyer Skatercontest mit auf die Beine gestellt. Und dann ist da noch des Jugendzentrum. Auch dort hat sich Mario W. engagiert. „Er hat bei uns Konzerte organisiert“, erzählt Sebastian Höbler vom Jugendring Oberlausitz. Unterwegs im Rosenpark, Training in der Ironsports-Halle, das Nieskyer Jugendzentrum – Bilder von einem jungen Mann, der das Jugendleben in Niesky mitgestaltete. Der Unfall, der das Leben von Mario W. enden ließ, ist nicht der erste, der in der Region in diesem Winter tödlich ausging.

Schon im Oktober ist ein 27-Jähriger auf der B 115 bei Rietschen ums Leben gekommen. Auf nahezu gerader Strecke krachte sein Wagen frontal in einen 40-Tonner – wahrscheinlich ein Suizid. Bei einem weiteren Unfall im Anfang November ist ein 61-jähriger Mann ums Leben gekommen. Mit seinem BMW war er auf der S 126 bei Weißwasser unterwegs und stieß frontal mit einem entgegenkommenden VW zusammen. Der 61-Jährige starb kurze Zeit später im Krankenhaus. Auf der gleichen Strecke – zwischen Weißwasser und Halbendorf – sind Ende Dezember zwei junge Menschen gestorben. Der 25-jährige Fahrer hatte die Kontrolle über sein Auto verloren, geriet auf die Gegenfahrbahn und wurde von einem entgegenkommenden Transporter erfasst. Auch die 22-jährige Beifahrerin verstarb. Zurück bleiben von allen diesen Menschen Bilder – in den Fotoalben und in den Köpfen.