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Schulausflug endet auf der Autobahn

Für Schulausflüge buchen viele Lehrer Reisebusse aus Polen. Einer Klasse aus Görlitz wurde das jetzt zum Verhängnis.

Diesen ukrainischen Bus hatte die Polizei vor einiger Zeit wegen technischer Mängel aus dem Verkehr gezogen. Die Reisegäste konnten die Fahrt erst am nächsten Tag mit einem neuen Bus fortsetzen. Die Schüler aus Görlitz hatten da mehr Glück.
Diesen ukrainischen Bus hatte die Polizei vor einiger Zeit wegen technischer Mängel aus dem Verkehr gezogen. Die Reisegäste konnten die Fahrt erst am nächsten Tag mit einem neuen Bus fortsetzen. Die Schüler aus Görlitz hatten da mehr Glück. © Polizei

Das hatte sich Carola W.* anders vorgestellt. Am vergangenen Donnerstag brachte sie ihre Tochter zum Schulausflug. Die Neuntklässlerin aus der Melanchthon-Oberschule Görlitz wollte mit Klassenkameraden die Ostrale in Dresden besuchen. Diese Biennale für zeitgenössische Kunst war das Ziel für die Klasse der Tochter und drei weitere neunte Klassen aus dieser Schule. Zwei Busse waren gebucht. Allerdings kam nur die Hälfte der Schüler in der Landeshauptstadt an. Für die anderen war der Ausflug auf der Autobahn 4 in Höhe von Weißenberg zu Ende. 

Die Polizei stoppte bei einer Kontrolle die Weiterfahrt des Busses, mit dem die Tochter unterwegs war. Wegen erheblicher technischer Mängel untersagte die Polizei die Weiterfahrt, berichtet Carola W. Ein anderer Bus holte die Schüler nach geraumer Zeit wieder ab und fuhr sie zurück nach Görlitz. „Bei beiden Bussen, also dem aus dem Verkehr gezogenen und dem, der die Schüler nach Görlitz zurückfuhr, handelte es sich um Fahrzeuge eines polnischen Unternehmens,“ sagt Frau W.

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Die Melanchthon-Oberschule Görlitz bestätigt den Vorfall auf SZ-Nachfrage. In der Schule sei es üblich, dass die jeweiligen Lehrer die Busse für Ausflüge mit den Schülern selbst buchen, heißt es.

Nach sächsischer Verwaltungsvorschrift ist das korrekt. Die Verantwortung für Schulfahrten liegt bei der Schule. „Die Schulen sind Vertragspartner der Unternehmen“, betont Annegret Oberndorfer, Medienreferentin im Görlitzer Rathaus. Statistische Erhebungen, welche Busunternehmen wie häufig von Schulen gebucht werden, gibt es deshalb bei der Stadt nicht. Die Melanchthon-Oberschule beauftrage immer wieder polnische Busunternehmen, erklärt die Referentin. Nicht nur wegen eines niedrigeren Preises, sondern auch wegen des geringeren Anfahrtsweges. Außerdem gibt es an der Schule deutsch-polnische Projekte und Ausflüge, denn an der Melanchthon-Oberschule wird Polnisch als zweite Fremdsprache gelehrt.

„An diesem Tag fuhr ein ordnungsgemäß registriertes polnisches Busunternehmen, mit dem die Schule mehrfach positive Erfahrungen gemacht hat und das unter anderem täglich mit Bussen zwischen Zgorzelec und Görlitz im Einsatz ist“, erklärt Frau Oberndorfer. „Wie bei allen schulischen Veranstaltungen waren die Schüler und die vier begleitenden Lehrer versichert. Lebensgefahr hat nach Einschätzung der Schule zu keinem Zeitpunkt bestanden.“

Für den Görlitzer Reiseunternehmer Ingo Menzel ist es nichts Neues, dass immer mehr Schulen für Ausflüge Busunternehmen aus Polen buchen. „Viele machen das“, sagt er. Die billigen Angebote der Konkurrenten drücken die Preise für deutsche Unternehmen. Was Ingo Menzel aber mindestens genauso aufregt, ist die fehlende Sicherheit bei Reisen, die Schulen mit polnischen Bussen buchen.

Die Bestimmungen betreffs der Sicherheit sind für deutsche Busunternehmer dagegen knallhart. „Für uns sind jedes Jahr Haupt- und Abgasuntersuchung Pflicht. Mit dem Bus muss ich aller Vierteljahre zu einer Sonderprüfung, einer kleinen Hauptuntersuchung, bei der es vor allem um die Bremsen geht“, erklärt Ingo Menzel.

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Diese Prüfungen sind für ihn Pflicht. Auch ohne sie will er keine Abstriche an der Verkehrssicherheit seiner Fahrzeuge machen. Für ihn stehe die Sicherheit seiner Fahrgäste an oberster Stelle, betont er. Nicht nur bei den Bussen, sondern auch bei den Pkw und beim Stadtschleicher, den Menzel betreibt. „Weil die Leute uns vertrauen und zu Recht erwarten dürfen, dass wir sie mit einem tadellos verkehrssicheren Fahrzeug ans Ziel bringen.“ Billig fährt nicht immer sicher, erklärt der Unternehmer. Wie groß die Preisunterschiede zwischen ihm und polnischen Bus-Unternehmen sind, will Menzel nicht sagen. Nur soviel: „Schulen, die schon mit uns gefahren sind, wissen unsere Leistung zu schätzen“, sagt er. 

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