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Bimmelbahn geht der Dampf aus

Männertag brummt die Bude. Dann könnte die Soeg die Dampfzüge der Kleinbahn alle halbe Stunde ins Gebirge schicken – und vermutlich wäre trotzdem jeder Platz besetzt. Doch Männertag ist nur einmal im...

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Von Sebastian Beutler

Männertag brummt die Bude. Dann könnte die Soeg die Dampfzüge der Kleinbahn alle halbe Stunde ins Gebirge schicken – und vermutlich wäre trotzdem jeder Platz besetzt. Doch Männertag ist nur einmal im Jahr, und auch wenn zu Ostern, Pfingsten oder anderen Feiertagen die Zuggäste ähnlich zahlreich mit der Bimmelbahn fahren, so hat die Zittauer Kleinbahn gegenwärtig Sorgen. Denn die Verteilung der Fahrgäste ist ungleich. So erzielt die Kleinbahn an 182 Tagen 80 Prozent ihrer Einnahmen, die restlichen 20 in der anderen Hälfte des Jahres, was zu einer entsprechend geringen Auslastung der Züge in dieser Zeit führt.

Das sind Zahlen einer Analyse, aus der auch hervorgeht, dass 82 Prozent der jährlich rund 150 000 Fahrgäste nach Oybin fahren, nur 18 Prozent nach Jonsdorf. Verschärfend kommt hinzu, dass der Zvon seine Zuschüsse stufenweise verringern will. Statt der 2,05 Millionen Euro in diesem Jahr, hat er für nächstes Jahr 1,5 Millionen angekündigt und für die Jahre darauf sogar nur noch eine Million. Immerhin machen die Zuschüsse des Zvon nach Angaben von Matthias Schwarzbach, Aufsichtsratsmitglied der Soeg, drei Viertel aller Einnahmen der Gesellschaft aus. „Und da ist unsere Bahn schon die wirtschaftlichste Schmalspurbahn in Sachsen.“

Selbst wenn es aber nicht so hart kommt wie jetzt angekündigt, so rückt eine Entscheidung über die Zukunft der Bahn näher. Eins steht fest: Stilllegen will sie niemand. Alles dreht sich um die Frage, wie die Bahn wirtschaftlicher betrieben werden kann. Dazu gab Zvon-Geschäftsführer Georg Janetzki unlängst die Parole aus: „Einen ausschließlichen Dampfbetrieb wird sich die Soeg künftig nicht mehr leisten können.“

Nun soll eine Arbeitsgruppe, zu der beispielsweise Schwarzbach, der PDS-Politiker Polentz, Kreis-Kämmerer Thomas Gampe und Olbersdorfs Bürgermeister Andreas Förster sowie die Soeg-Geschäftsführung gehören, bis zum Dezember drei Varianten für den künftigen Betrieb vorlegen. Zur Diskussion stehen beispielsweise:

Weiterbetrieb durch die Soeg und Anschaffung von dieselbetriebenen Triebwagen – die Vorzugsvariante des Landkreises Löbau-Zittau.

Weiterbetrieb durch die Soeg und Anschaffung von Neubau-Dampfloks aus der Schweiz, zum Stückpreis von 2,1 Millionen Euro. Bei beiden Varianten ist die spannende Frage, ob der Freistaat künftig solche Anschaffungen mitfinanziert.

Zusammenführung aller sächsischen Kleinbahnen in einen Zweckverband.

Übergabe der Zittauer Bimmelbahn an private Betreiber wie beispielsweise Connex, die Hochwaldbahn (die schon die Mandaubahn mehrheitlich hat) oder einen Museumsbahnverein.

Damit muss entschieden werden, ob die Bimmelbahn künftig unter Nahverkehr zählt (will der Kreis) oder Museumsbahn wird. Auch müssen die Gesellschafter berücksichtigen, dass in den vergangenen Jahren 30 Millionen Fördermittel in die Bahn investiert wurden.