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In einer Stunde war die Bombe entschärft

In der Kraftwerkstraße in Trattendorf kam eine Fliegerbombe zutage. 1.400 Menschen wurden evakuiert.

Am Donnerstag um 10 Uhr war der Sperrkreis eingerichtet und verlassen. Anschließend wurde kontrolliert.
Am Donnerstag um 10 Uhr war der Sperrkreis eingerichtet und verlassen. Anschließend wurde kontrolliert. © Foto: Jost Schmidtchen

Von Jost Schmidtchen

Trattendorf. Der Bombenfund in der Kraftwerkstraße des Spremberger Ortsteils Trattendorf machte am Montag schnell die Runde. Privatleute hatten einen Bauantrag für einen Erweiterungsbau gestellt. Da dazu auch Schachtarbeiten erforderlich waren, wurden sie beauflagt, den KMBD zu beauftragen, eine Suche nach eventuell vorhandenem Kriegsmaterial vorzunehmen. Das Ergebnis war der Fund einer Fliegerbombe. 

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Dank der Informationspolitik seitens der Stadtverwaltung Spremberg für die Bürger gab es kaum Aufregung. Die Bürger reagierten verhalten und verantwortungsvoll. Der KMBD hatte immerhin entschieden, dass die Bombe vor Ort entschärft oder gesprengt werden müsse. Festgelegt dafür wurde der Donnerstag. Die Stadt Spremberg verfügte dafür einen Sperrkreis mit einem Radius von 500 Metern um die Fundstelle. Während der Entschärfung sollte sich niemand darin aufhalten – außer den Mitarbeitern des KMBD. Am Mittwochvormittag wurden die Absperrungen und Durchfahrtsverbote von der Straßenmeisterei des Landkreises Spree-Neiße und dem Spremberger Bauhof dorthin verteilt, wo sie am Donnerstag dann zu stehen hatten. Auf dem betroffenen Grundstück liefen die Vorbereitungsarbeiten. Unter anderem wurden Strohballen aufgestellt.

Bruch-Schokolade als Dank

Von der Evakuierung am Donnerstag waren letztlich etwa 1.400 Bürger betroffen, davon 98 Bewohner eines Pflegeheimes. Zur Absicherung der Gesamtmaßnahme waren exakt 162 Helfer der Stadtverwaltung und der Einsatzkräfte im Einsatz. Am Donnerstag um 10 Uhr sollten alle Personen evakuiert worden sein bzw. das Areal selbstständig verlassen haben. Bei den Kontrollen auf möglicherweise versteckten Personen im Sperrgebiet wurde niemand angetroffen. Bürgermeisterin Christine Herntier würdigte das disziplinierte und besonnene Verhalten der Bürger von Trattendorf. Uwe Zierdl und sein Team vom KMBD konnten die Arbeiten an der Bombe daher um 12.22 Uhr beginnen und um 13.19 Uhr erfolgreich abschließen. Die Fliegerbombe deutscher Herkunft mit russischem Zünder hatte ein Gesamtgewicht von 50 Kilogramm, wovon 16 Kilogramm auf den Sprengstoff entfallen.

Christine Herntier bedankte sich anschließend bei den drei Mitarbeitern des KMBD mit einem Blumenstrauß und mit „Bruch“-Schokolade der Confiserie Felicitas – symbolisch für die Zerstörung bzw. Unschädlichmachung der Fliegerbombe.

Der Dank der Stadt Spremberg ging aber auch an alle, die an der Vorbereitung und Durchführung der Evakuierungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Entschärfung der Bombe mitgewirkt haben.

Die Fliegerbombe selbst stammt aus dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Als die Rote Armee auf Berlin vorstieß, versank am 19. und 20. April Spremberg zu 80 Prozent in Schutt und Asche. Betroffen waren auch die angrenzenden Dörfer. Während das Kraftwerk Trattendorf und das in Schweizer Besitz befindliche Lonza-Werk von den Kampfhandlungen verschont blieben, schlugen auch in Trattendorf Bomben ein, die Schäden blieben allerdings überschaubar. Schon vor über zehn Jahren wurde keine 400 Meter weiter bei Schachtarbeiten auf einem Grundstück eine Bombe gefunden. Die war verrostet und nicht mehr scharf.

Bürgermeisterin Christine Herntier neben der entschärften Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg – deutsche Bauart, sowjetischer Zünder, 16 Kilo Sprengstoff.
Bürgermeisterin Christine Herntier neben der entschärften Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg – deutsche Bauart, sowjetischer Zünder, 16 Kilo Sprengstoff. © Foto: Jost Schmidtchen
Die Männer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst bekamen von der Stadt Spremberg Blumen und Schokolade.
Die Männer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst bekamen von der Stadt Spremberg Blumen und Schokolade. © Foto: Jost Schmidtchen

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