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Bio-Leckereien: gesund, aber teuer

Riesa. In der Stadt wächst die Nachfrage nach ökologischen Produkten. Doch die Branche leidet unter der geringen Kaufkraft.

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Von Gunter Niehus

„Hier probieren Sie mal! Und das völlig ohne Geschmacksverstärker.“ Etwas Überzeugungsarbeit muss Pia Wagner manchmal noch leisten. Die Inhaberin des Naturkostladens Ginkgo am Riesaer Rathausplatz hat vor kurzem ihr Sortiment um eine Käsetheke erweitert. Doch Bioprodukte haben nun mal einen gewissen Ruf: total gesund – aber absolut fade im Geschmack.

Alles Käse. Öko-Camembert, -Emmentaler und Co. sind würzig und lecker. Die junge Unternehmerin ist sich deshalb sicher, nicht auf ihren Produkten sitzen zu bleiben. Der Bedarf nach Lebensmitteln aus natürlichem Anbau nimmt in Riesa und Umgebung immer mehr zu, diese Erfahrung hat Pia Wagner gemacht. Doch nur in kleinen Schritten.

„Gerade Muttis mit kleinen Kindern kommen zu mir und wollen gesunde Produkte“, sagt sie. Zuerst für den Nachwuchs, dann schwenken sie selbst um.

Der Aufwand ist höher

Neben dem Käse hat sie Bio-Obst, Bio-Gemüse, Bio-Wein, Bio-Bier und vieles mehr im Sortiment. „Viele Kunden würden außerdem gern Bio-Fleisch kaufen und fragen ganz bewusst danach“, sagt die Geschäftsfrau. Eine Marktlücke, die sie irgendwann schließen will. Aber noch nicht so bald. Immer eins nach dem anderen. Erst mal muss sich die Käsetheke etablieren. Die Bäume werden für Pia Wagner wohl nicht so schnell in den Himmel wachsen. Denn ein weiteres Vorurteil – Bioprodukte sind teuer – stimmt leider. „Eine meiner Kundinnen hat kürzlich einen Suppenwürfel bei mir gekauft und gesagt: ,Ich würde gern mehr mitnehmen, aber das ist mit Hartz IV halt nicht möglich‘“, erinnert sich Wagner.

Der klamme Gelbeutel vieler Riesaer lässt das zarte Bio-Pflänzlein in der Großen Kreisstadt nur langsam wachsen. Diese Erfahrung hat auch Andrea Gerhardt gemacht. Sie muss es wissen. Immerhin betreibt sie schon seit 16 Jahren ihr Reformhaus an der Pausitzer Straße. „An den höheren Preisen lässt sich kaum etwas ändern“, sagt sie. „Die Erträge sind beim ökologischen Anbau nun einmal geringer, der Aufwand dafür höher.“

Die Bio-Branche bleibt auch für Andrea Gerhardt ein mühsames Geschäft. Sie setzt auf Erfahrung und ihr breites Wissen. „Viele Allergiker kommen zu mir und fragen, auf welche Produkte sie ausweichen können“, sagt die Geschäftsfrau. „Meine Stammkunden legen großen Wert auf Beratung.“ Nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch bei Waschmitteln und anderen Waren.

Boom findet anderswo statt

Doch die Konkurrenz ist härter geworden. Bioprodukte haben sich längst aus der Birkenstock- und Müsli-Ecke herausgearbeitet. Und finden sich mittlerweile selbst in den Regalen der Supermärkte. „Wir werden unser Sortiment in diesem Bereich weiter ausbauen“, kündigt Wolfgang Kutzsche an, stellvertretender Marktleiter bei Real im Riesa-Park.

Allerdings nur ganz allmählich. Im Gegensatz zu Großmärkten in einigen Teilen Westdeutschlands. Dort gibt sogar längst einen Bio-Boom. Doch an der geringen Kaufkraft in und um Riesa kommen die großen Märkte genauso wenig vorbei wie die kleinen.