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Biodiesel findet derzeit kaum noch Absatz

Der Öko-Kraftstoff hat durch teuren Rohstoff und die höhere Steuer seinen Preisvorteil eingebüßt. Der Sohlander Hersteller sucht nun neue Märkte.

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Von Madeleine Siegl-Mickisch

Die Euphorie für den grünen Kraftstoff ist (vorerst) vorbei: Das Verkehrsunternehmen Regiobus, das in den letzten Jahren die meisten seiner Busse auf Biodiesel umgestellt hatte, fährt wieder mit Normaldiesel. „Wir haben bereits im Dezember kaum noch Biodiesel gekauft“, sagt Sprecherin Andrea Radtke. Grund: Der aus Pflanzenöl gewonnene Kraftstoff sei mittlerweile teurer als herkömmlicher Diesel.

Biowerk drosselt Produktion

„Eine Katastrophe“ nennt der Bischofswerdaer Unternehmensberater Wenzel Bergmann die Preisentwicklung. Bergmann vertritt in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt den Bundesverband Biogene Kraftstoffe. Durch die Verteuerung sei der Absatz des Biodiesels eingebrochen, drei Viertel der Produktionskapazität in Deutschland seien bereits stillgelegt.

Im Biowerk Sohland läuft die Produktion seit Jahresanfang nur noch in geringem Umfang. „Als reiner Kraftstoff ist er hierzulande derzeit nahezu unverkäuflich“, sagt Geschäftsführer Ralph Münzberg. Denn seit vergangenem Jahr sei der Preis für den Rohstoff in die Höhe geschnellt. Habe eine Tonne Rapsöl vor einem Jahr noch 650Euro gekostet, schlage sie jetzt mit 950 bis 1000Euro zu Buche. Dazu komme die Erhöhung der Steuer auf Biodiesel, die zu Jahresbeginn in Kraft trat. 15Cent pro gezapften Liter fließen nun in die Staatskasse.

Die Steuerpolitik der Bundesregierung habe eine ganze Branche kaputt gemacht, schimpft Wenzel Bergmann. Aber nicht nur die Hersteller treffe es hart, auch andere Branchen seien betroffen. So würden Speditionen auf den Kosten von jeweils mehreren Tausend Euro für die Umrüstung ihrer Lkw sitzen bleiben. Bei Regiobus habe sich die Umrüstung der Busse bereits amortisiert, sagt Andrea Radtke. Dennoch hoffe man, dass die an den Betriebsstätten in Bautzen und Kamenz extra für den Biodiesel gebauten Tanks künftig auch wieder damit gefüllt werden können.

Die Hoffnung hegt auch Biowerk-Chef Münzberg, zu dessen Kundenstamm Regiobus gehört. Da die Politik die prekäre Situation offensichtlich erkannt habe, sei nun eine Steuerbefreiung für den öffentlichen Personennahverkehr im Gespräch. Doch das sei nur ein Trostpflaster. Um die Produktion in Sohland wieder auslasten und seine 16Mitarbeiter weiter voll beschäftigen zu können, will sich Münzberg neu orientieren. Der deutsche Markt sei einfach übersättigt. Anders beispielsweise in Polen, wo es wegen der EU-weiten Pflicht zur Beimischung von Bio- zum normalen Diesel ebenfalls Bedarf, aber kaum Anbieter gebe. Um dort Fuß zu fassen, wolle man den Standortvorteil im östlichen Zipfel des Landes ausnutzen. Deshalb wird derzeit auch die 2006 begonnene Erweiterung der Anlage auf eine Kapazität von 100000Tonnen pro Jahr vorangetrieben. „Es klingt paradox, aber ohne die Erweiterung hätten wir gar keine Chance zum Überleben“, sagt Münzberg.