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Bautzen

Biokäse als Wertanlage

Der Ökolandbau in Pommritz plant einen Neubau. Um die Investition zu finanzieren, macht er Kunden ein besonderes Angebot.

Noch lagern die goldgelben Käselaibe von Thomas Hieke im alten Pommritzer Rittergut. Bis Jahresende soll mit der neuen Käserei ein künstlicher Reiferaum entstehen.
Noch lagern die goldgelben Käselaibe von Thomas Hieke im alten Pommritzer Rittergut. Bis Jahresende soll mit der neuen Käserei ein künstlicher Reiferaum entstehen. © SZ/Uwe Soeder

Pommritz. Im Ziegenstall herrscht aufgeregtes Gewusel. Während ein klitzekleines Zicklein an der Seite seiner Mutter in der Nachmittagssonne döst, erhebt sich am anderen Ende des Stalls eine Geiß aus dem Heu, stößt einen Ruf aus. Ihre beiden Jungen – eines weiß, eines schwarz – kommen herbeigesprungen und stürzen sich gierig auf das Euter der Mutter. Thomas Hieke beobachtet das Treiben mit einem Lächeln. „Die Ziegen sind in diesen Tagen mächtig gefordert. Der Winter ist gerade vorbei, die Jungen brauchen Milch. Ziegenkäse stellen wir deshalb gerade keinen her“, sagt er. Die etwa 80 Tiere starke Herde gehört zum Ökolandbau Pommritz. Thomas Hieke ist Eigentümer des kleinen Landwirtschaftsunternehmens.

Mit seinem sechsköpfigen Team stellt er alles her, „was man aus Käse herstellen kann“ und vertreibt es mit seinem Verkaufswagen auf regionalen Märkten. „Joghurt, Weich- und Schnittkäse, Salzlakenkäse – dann ist die Theke auch schon voll“, sagt er. Der neue Trend hin zu biologisch erzeugten Lebensmitteln von regionalen Erzeugern gibt seinem Unternehmen Auftrieb: „Jetzt, wo es in jeder Kaufhalle ein riesiges Sortiment an Bio-Lebensmitteln gibt, merkt man, dass man vom Verkauf von Bioprodukten wirklich leben kann.“ Für ihn bedeutet das: steigende Umsätze, Planungssicherheit, aber auch Bedarf an mehr Fläche.

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Anfangs eine Maßnahme zur Selbstversorgung

Ursprünglich entstand der Landwirtschaftsbetrieb mit angeschlossener Käserei im Rahmen eines Sozialexperiments. Auf dem LebensGut in Pommritz sollte ein Ökodorf entstehen. 1993 bildete sich ein Verein zur Erprobung alternativer Lebensweisen. Ziegenzucht und Käserei – eine Maßnahme zur Selbstversorgung. Der Traum platzte, die Kommune zerfiel. „Wir haben uns mit den Themen überfrachtet, wir waren ja alles Ossis. Von Basisdemokratie, Streit- und Kommunikationskultur hatten wir ja gar keine Ahnung“, sagt Thomas Hieke, gebürtiger Görlitzer, heute. Wehmut schwingt dabei in seiner Stimme mit. Die Käserei auf dem LebensGut ist eines der letzten Überbleibsel dieser Zeit.

2014 wurde das alte Rittergut verkauft. Mit dem neuen Eigentümer kam eine neue Ausrichtung in der Nutzung des weitläufigen Anwesens. Für Thomas Hieke und seine Ziegenzucht wurde es zunehmend eng – zunächst emotional, später auch räumlich. „Wie ein Wink des Schicksals schien es da, dass ein alter Drei-Seit-Hof, keinen Steinwurf vom LebensGut entfernt, leer stand“, sagt Hieke.

Die Ziegen im neuen Stall fühlen sich schon rundum wohl. Derzeit werden fast täglich junge Zicklein geboren.
Die Ziegen im neuen Stall fühlen sich schon rundum wohl. Derzeit werden fast täglich junge Zicklein geboren. © SZ/Uwe Soeder

Den historischen Bauernhof kaufte er vor fünf Jahren. Die Ziegen zogen in den alten Kuhstall. „Das ging relativ flott. So ein Zuhause für Ziegen lässt sich mit einer Säge und einigen Brettern schnell zusammenschustern“, sagt Thomas Hieke. Seine Tiere finden hier perfekte Verhältnisse vor. Durch einen Austritt können sie jederzeit in den Freilauf. „Dahinter ist hektarweise Land“, sagt der Züchter. Bessere Verhältnisse sollen im nächsten Schritt auch für die Käserei entstehen. Thomas Hieke erklärt: „Die alte Produktion ist organisch gewachsen. Dort steht sich alles selbst im Weg. Die Fläche ist zu knapp. Mit der neuen Anlage sollen sich auch die Abläufe verbessern.“

Der perfekte Ort für das neue Vorhaben war schnell gefunden: Das alte Wohnhaus direkt neben dem neuen Ziegenstall stand leer. Auf 130 Quadratmetern soll hier der neue sterile Weißraum für die Käseproduktion entstehen. Wenn es nach Thomas Hieke geht, warten schon am Jahresende die ersten Produkte im neuen klimatisierten Reiferaum auf ihre Fertigstellung. „Momentan spinnen wir rum und denken darüber nach, dass die Milch über eine Seilwinde aus dem Stall direkt bis vor das Fenster der Käserei gefahren werden könnte“, erklärt Thomas Hieke mit einem Augenzwinkern.

Hofft auf Unterstützung der Stammkunden

200.000 Euro, schätzt der Landwirt, wird das Vorhaben kosten. „Das ist viel Geld“, sagt er. Gänzlich auf Kredite von der Bank wollte er sich dabei nicht stützen. In ihm reifte die Idee einer besonderen Crowdfunding-Kampagne. „Normalerweise funktioniert Crowdfunding ja so, dass man auf einer Internetplattform seine Idee vorstellt. Und wer das gut findet, der spendet dann. Das war mir aber alles zu anonym“, erklärt er. 

Stattdessen baut er auf die Unterstützung durch seine Stammkunden. „Alle, die seit Jahren bei uns kaufen, wissen, dass wir Qualität liefern“, ist er sicher und vergibt zur Finanzierung der Käserei Darlehen. „Wer uns mindestens 1.000 Euro leiht, kann sich aussuchen, ob er das Geld mit einer Verzinsung von zwei Prozent bei uns anlegen will oder ob er für die Zinsen Genussgutscheine bekommen möchte, mit denen er dann unsere Produkte kauft. Das geht zum Beispiel auf den Wochenmärkten.“ Das Konzept funktioniert.

Erstmals beworben haben Hieke und seine Mitarbeiter die Aktion kurz vor Weihnachten. Erst im Januar ging es richtig los. Bis jetzt hat der Unternehmer auf diese Weise bereits 50.000 Euro eingesammelt. „Das ist ein schönes, aber auch ein aufregendes Gefühl. Man kennt ja die Leute. Die haben alle ein Gesicht. Und Augen, kritische Augen“, sagt Thomas Hieke. Angst haben, verspricht er, muss aber niemand: „Wir bestehen seit Jahrzehnten am Markt. Wir werden nicht plötzlich pleite gehen. Und natürlich können unsere Anleger jederzeit ihr Geld zurückbekommen. Ich hoffe nur, sie wollen es nicht alle gleichzeitig.“

Weitere Informationen zur Darlehensvergabe gibt es per Mail an  [email protected] oder im Netz unter  www.oekolandbau-pommritz.de

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