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Der Retter der Altstadthäuser

Tobias Hölzer saniert Gebäude, die andere nach jahrelangem Leerstand abgeschrieben haben. Jetzt packt er in Bischofswerda die nächsten Objekte an.

Tobias Hölzer, Chef einer Bauträgergesellschaft aus Dresden, vor seinem ersten Projekt in Bischofswerda - dem sanierten Haus Dresdner Straße 18. Im Sommer 2019 freute er sich über den Abschluss der Arbeiten.
Tobias Hölzer, Chef einer Bauträgergesellschaft aus Dresden, vor seinem ersten Projekt in Bischofswerda - dem sanierten Haus Dresdner Straße 18. Im Sommer 2019 freute er sich über den Abschluss der Arbeiten. © Steffen Unger

Bischofswerda. Nichts ist mehr schmuck an der Schmuckvitrine in Bischofswerda. Mehr als 20 Jahre Leerstand haben Spuren am Haus hinterlassen. Die Schaufenster des früheren Fachgeschäftes für Uhren und Schmuck sind zugeklebt. Von der Fassade bröckelt der Putz. Vom Giebel droht der Schiefer herabzufallen. Vor dem Haus an der Bahnhofstraße in unmittelbarer Nähe des Schiebocker Marktes ist deshalb der Fußweg gesperrt. Doch das soll sich ändern. 

Der Dresdner Unternehmer Tobias Hölzer, dessen Firma Wohnfabrik Pieschen das Gebäude im Jahr 2019 gekauft hat, plant bis Ende 2022 die Sanierung. In den oberen Stockwerken  will er moderne Wohnungen schaffen. Das Erdgeschoss mit einer Fläche von rund 70 Quadratmetern möchte er wieder als Geschäft oder Büro vermieten. Sollte sich kein Interessent dafür finden, wäre auch alten- beziehungsweise  behindertengerechtes Wohnen möglich, sagte Tobias Hölzer im Stadtratsausschuss für Technik und Wirtschaft (ATW).   

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Sicherung der ehemaligen "Schmuckvitrine" geplant

Dort ging es nicht nur um  das Haus an der Bahnhofstraße 2, sondern auch um das Nachbarhaus, das zuletzt ein Lokal beherbergte. Auch dieses Gebäude und das Haus an der Herrmannstraße 5 - beide Objekte sind durch ein Grundstück miteinander verbunden - hat Hölzers Unternehmen erworben, um es bis 2023 zu sanieren.  

Die Häuser Bahnhofstraße 2 (rechts) und 4 in Bischofswerda haben einen neuen Besitzer. Der plant, beide Gebäude zu sanieren und darin moderne Wohnungen zu schaffen.
Die Häuser Bahnhofstraße 2 (rechts) und 4 in Bischofswerda haben einen neuen Besitzer. Der plant, beide Gebäude zu sanieren und darin moderne Wohnungen zu schaffen. © SZ/Uwe Soeder

Erste Arbeiten an beiden Häusern werden vorbereitet. Für das Haus der ehemaligen Schmuckvitrine plant der Unternehmer zunächst Sicherungsarbeiten. Im hinteren Bereich sind Teile des Daches bereits eingestürzt und Geschossdecken durchgebrochen.  Nässe dringt ins Haus, so dass es an allen Holzbauteilen gravierende Schäden gibt. Erste Sofortmaßnahmen wurden durch die neuen Eigentümer bereits erledigt. 

"Zur Verhinderung des Totelverlustes sowie von Folgeschäden an Nachbargebäuden und zur Vermeidung von Gefahren für die öffentliche Sicherheit sind sofortige und umfassende Sicherungsmaßnahmen erforderlich",  heißt es in einer Beschlussvorlage für den Stadtrat. 

Nach einer Schätzung würde die Sicherung 71.500 Euro kosten. Doch diese Zahl steht unter Vorbehalt, da das Haus nicht mehr vollständig begehbar ist.  Die  Firma Wohnbau Pieschen hofft bei der Gebäudesicherung auf eine Förderung von 80 Prozent aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz. 20 Prozent wird sie selbst tragen. 

Beifall für einen mutigen Unternehmer

Beim Nachbarhaus geht es als erstes darum, die verfallenen Nebengebäude im Hinterhof abzureißen und den Hof zu entkernen. Beides ist Voraussetzung, um die Grundstücke Bahnhofstraße 4 und Herrmannstraße 5 entwickeln zu können. Die dafür veranschlagten Kosten in Höhe von 38.000 Euro können vollständig aus dem Denkmalschutzprogramm finanziert werden. 

Der Stadtrat wird am 30. Juni über beide Anträge entscheiden. Die Mitglieder des Ausschusses stimmten bereits einstimmig zu - per Handzeichen und, was eine Ausnahme ist, auch mit Beifall. Das Wirken von Tobias Hölzer verdiene "höchste Anerkennung",  sagte Stadtrat Hartmut Horn (CDU). Der Unternehmer traue es sich zu, Häuser, die seit  langem leer stehen, zu sanieren und dadurch Schandflecke zu beseitigen. 

Das sind bei weitem keine Vorschusslorbeeren. Bereits im vergangenen Jahr schloss  Tobias Hölzer mit seiner Bauträgergesellschaft die Sanierung des Wohnhauses gegenüber der Fronfeste an der Dresdner Straße ab. Die fünf Wohnungen waren im Nu vergeben. 

Bis November dieses Jahres  will das Unternehmen die Sanierung eines Hauses an der Hans-Volkmann-Straße mit vier Wohnungen beenden. Außerdem arbeitet die Firma zurzeit an zwei benachbarten Häusern an der Bautzener Straße. Dort sollen die Mieter 2021 einziehen. Tobias Hölzer selbst kaufte ein leerstehendes Haus an der Dresdner Straße. Auch dort sollen in der Perspektive neue Wohnungen entstehen. 

Bauherr fühlt sich in der Stadt willkommen

Seit dem Jahr 1995 ist Tobias Hölzer in Dresden in der Altbau- und Denkmalschutzsanierung tätig. Er realisierte zahlreiche Projekte, vor allem im Stadtteil Pieschen. Doch in der Landeshauptstadt werden Denkmal-Immobilien, die man fürs Wohnen modernisieren kann, mittlerweile knapp. 

Deshalb schaute der Unternehmer ins Umland, auch nach Bischofswerda. Hier fühlt er sich willkommen. Er schätzt die Unterstützung durch die Stadtverwaltung  und die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Wüstenrot, dem Partner der Stadt bei der Sanierung der Innenstadt.

Seine Firma arbeitet vor allem für Investoren aus der Schwarzwald-Region. Doch geschenktes Geld sind die staatlichen Fördermittel nicht, sondern ein Ausgleich für die wesentlich höheren Aufwendungen, um ein Haus in einer denkmalgeschützten Altstadt zu sanieren.

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