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Bischofswerda: Die Kino-Fassade wird bunt

Künstler aus fünf Ländern treffen sich zum Kreativcamp. Es ist zugleich eine Absage an Rechts-Rapper Chris Ares.

Anja Herzog (vorn) und ihre Mitstreiter Benjamin Wolf und Helena Zubler (hinter ihr) sowie auf dem Baugerüst Markus Rupp, Pauli, Toni Bufe und Heiko Düring (von links).
Anja Herzog (vorn) und ihre Mitstreiter Benjamin Wolf und Helena Zubler (hinter ihr) sowie auf dem Baugerüst Markus Rupp, Pauli, Toni Bufe und Heiko Düring (von links). © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Das  ehemalige Bischofswerda Kino wurde vor wenigen Tagen eingerüstet. Kann nun doch dessen Dach repariert werden, nachdem der Antrag des Vereins KulturOrt auf eine 100-prozentige Förderung aus einem Städtebauprogramm zu Beginn dieses Jahres an einem Patt im Stadtrat gescheitert war? 

Soweit ist es noch nicht, sagt Heiko Düring vom Verein KulturOrt. Dieser hatte das im Jahr 2012 geschlossene Filmtheater erworben, um es zu einer neuen Kulturstätte, dem König-Albert-Saal, umzubauen. 

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Doch die gegenwärtige Alternative zur Dachsanierung klingt auch gut. 

Das Kino wird zur Künstlerwerkstatt

Auf Einladung der Bischofswerdaer Malerin Anja Herzog treffen sich ab dem 3. September 16 Künstlerinnen und Künstler aus fünf Ländern in Bischofswerda. Sie kommen aus allen Teilen Deutschlands sowie aus Polen, den Niederlanden, Italien und Iran. Zehn Tage lang werden sie gemeinsam arbeiten, leben und die Region erkunden. Das ehemalige Kino wird zur Künstlerwerkstatt. Untergebracht werden die Gäste im East Club. 

Die Veranstaltung, die von einem sechsköpfigen Team vorbereitet wird, steht unter dem Titel "Kollision der Künste". Anja Herzog begründet es so: Künstler unterschiedlicher Gebiete, aber auch Menschen verschiedener Generationen und Herkunft werden aufeinander treffen. Die Jüngsten sind 20, die älteste Teilnehmerin ist Mitte 60. Maler, Grafiker, Bildhauer, Fotografen sind darunter, aber auch Künstler, die sich Sound- und Videoinstallationen verschrieben haben.  Einige reisen aus Berlin, Bremen und Kiel an. "Klein- und Großstadt treffen aufeinander", benennt Anja Herzog einen weiteren Reibepunkt, den man produktiv nutzen möchte. 

Stadtfarben als verbindendes Element

Das frühere Kino mit seinen beiden Sälen und den Nebenräumen steht den Künstlern offen. Ebenso die Fassade. Deren unansehnlicher Putz soll mit einem Bild gestaltet werden. Deshalb steht jetzt das Gerüst, das der Gerüstbau Kaiser kostenlos zur Verfügung stellt. 

Ähnlich wie beim East Club werden mehrere Künstler die Fassade in Form einer Collage gestalten. Wie diese Mitte September aussehen wird, wisse sie selbst noch nicht, sagt Anja Herzog. "Wir möchten die Künstler in ihrer Kreativität nicht einschränken." Nur eine Vorgabe gibt es: Das Verbindende sollen Bischofswerdas Stadtfarben Gelb und Blau sein.  

Die Backsteinmauer im Obergeschoss bleibt unangetastet. Doch auch die beiden großen, zugemauerten Fenster, die die roten Steine umgeben, sollen gestaltet werden.  

Kunstprojekt will auf die Stadt ausstrahlen

Nicht nur beim Blick auf die künftige Kinofassade können die Bischofswerdaer Anteil an dem Projekt nehmen. Eine Fotografin wird auf den Straßen Passanten ansprechen und sie fragen, ob sie von ihnen ein Porträtfoto aufnehmen darf. Ein Videokünstler will Fußböden in Szene setzen  - sowohl im öffentlichen Raum als auch in privaten Gebäuden. Wer sein Haus dafür zur Verfügung stellen möchte, kann sich bei Anja Herzog melden. 

Bei der offenen Werkstatt am 6. September von 13 bis 18 Uhr können Besucher den Künstlern bei der Arbeit zuschauen. Am 13. September präsentieren sie von 13 bis 20 Uhr öffentlich im Kino ihre Ergebnisse. Es gibt an diesem Tag Live-Musik und zwei Workshops zu den Themen kreative Jugendarbeit und Rechtsextremismus im ländlichen Raum. 

Für die Gefahren des Rechtsextremismus sensibilisieren

Das zweite Thema wurde ins Programm aufgenommen, nachdem Ende Juni der extrem  rechte Rapper Chris Ares angekündigt hatte, in Bischofswerda einen nationalistischen Jugendtreff eröffnen zu wollen. Bürger und alle Stadtratsfraktionen  sprechen sich dagegen aus. Christoph Aljoscha Zloch, wie Chris Ares mit bürgerlichem Namen heißt, machte daraufhin in Bischofswerda einen Rückzieher. Doch damit ist das Thema für die Künstler nicht vom Tisch.  

Chris Ares sei allenfalls ein Synonym, sagen sie. Sie möchten für die Gefahren des Rechtsextremismus sensibilisieren und für eine weltoffene Zivilgesellschaft in der Stadt werben. Das Künstlerforum sei dafür eine gute Gelegenheit. 

Leere Geschäfte könnten Ateliers werden

Die Künstlerwerkstatt wird in Zusammenarbeit mit dem Bischofswerdaer Verein KulturOrt organisiert. Finanzielle Unterstützung kommt vom Sächsischen Mitmachfonds, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, dem Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien, der Stadt Bischofswerda und der Stadt Dresden. 

Die Veranstaltung könnte nachhaltig auf Bischofswerda ausstrahlen, wünscht sich Helena Zubler. Die Dresdner Malerin ist eine Studienfreundin von Anja Herzog und Mit-Organisatorin. Sie sei erschrocken über die vielen leeren Geschäfte in der Stadt, sagt sie. Zugleich sieht sie darin Potenzial für die Kreativwirtschaft. "In Dresden sind freie Ateliers kaum noch zu bekommen und nicht mehr zu bezahlen", sagt sie. Bischofswerda könnte hier räumliche Alternative bieten. 

Das würde auch der Stadt gut tun. "Es ist doch toll für die Stadt, wenn es Freigeister gibt", sagt Anja Herzog. 

Neuer Anlauf für Fördergelder zur Dachsanierung

KulturOrt hat den Plan, die dringend notwendige Dachsanierung zu stemmen, nicht aufgegeben. Der Vereinsvorsitzende Leo Schöning fragte bei der Stadtverwaltung wegen einer möglichen Förderung nach. 

Im Rathaus werde man das als Bürgeranfrage behandeln, sagte Sascha Hache, Sprecher der Stadtverwaltung. Damit das Thema erneut auf die Tagesordnung des Stadtrates kommen kann, sei ein Antrag von Stadträten notwendig. Nichtsdestotrotz werde das Bauamt vorab den aktuellen Sachstand, wie zum Konzept und zur Finanzierung,  beim Verein und dem Sanierungsberater, dem Unternehmen Wüstenrot, abfragen.

Kontakt zu Anja Herzog: Telefon: 01522 8399042 

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