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Dieser Mann hat eine eigene Sternwarte

Der Bischofswerdaer Torsten Müller fotografiert mit Begeisterung Motive, die Lichtjahre entfernt sind. Um sie nah ran zu holen, hat er etwas Besonderes gebaut.

Torsten Müller zeigt sein großes Spiegelteleskop. Im Hintergrund ist die Kuppel seiner kleinen Sternwarte zu sehen, die er im Garten in Goldbach gebaut hat.
Torsten Müller zeigt sein großes Spiegelteleskop. Im Hintergrund ist die Kuppel seiner kleinen Sternwarte zu sehen, die er im Garten in Goldbach gebaut hat. © SZ/Uwe Soeder

Goldbach. Für unseren Besuch hat Torsten Müller sein großes Spiegelteleskop im Garten hinterm Haus im Bischofswerdaer Ortsteil Goldbach aufgebaut. Die Optik mit 2,40 Meter Brennweite ist gekauft, den drehbaren Unterbau hat der 42-Jährige selbst konstruiert und gebaut. Er ist Tüftler. Das merkt man schnell. 

Mit dem Teleskop beobachtet Torsten Müller nicht nur den Sternenhimmel. Er nutzt es vor allem für sein Hobby, die Astrofotografie. Dafür schließt er eine Astrokamera an das Okular an. 

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Fürs Fotografieren muss er das Teleskop am Polarstern ausrichten. Es dafür einzurichten, dauerte jedes Mal eine halbe Stunde. Zeit, die fürs Fotografieren verloren ging. Schließlich wurde ihm dieser Aufwand zu viel - und Torsten Müller beschloss, im Garten eine kleine Sternwarte zu errichten. Unter deren Kuppel hat das Teleskop nun seinen Platz, ohne dass es jedes Mal auf- und abgebaut werden muss.

Sternwarte selbst konstruiert und gebaut

Die helle Kuppel wurde auf den hinteren Teil eines Schuppens gesetzt. Auch sie ist zu großen Teilen Eigenbau. Die Kuppel hat einen Durchmesser von zwei Metern. Torsten Müller baute sie aus Holz, das er zum Abdichten mit Epoxidharz beschichtete. Wie bei den großen Observatorien hat die Kuppel eine Öffnung, und sie ist drehbar. Eine Sternwarte im Kleinen. 

"Ich baue gern etwas, das sich verbinden lässt", sagt er. "Ich möchte nichts von der Stange kaufen." Dank einer steilen Leiter, die vom Raum des ehemaligen Schuppens in die Kuppel führt, kann der 1,95 Meter große Mann die Technik unterm Kuppeldach auch per Hand bedienen. Doch meist macht er es digital. Den Laptop hat er griffbereit. 

Seit 1993 verbindet Torsten Müller seine Hobbys Astronomie und Fotografie miteinander.  Ein Schlüsselerlebnis hatte er im Jahr 1994, als Teile des Kometen Shoemaker-Levy 9 in den Jupiter einschlugen. "Für Astronomen war es das Highlight des Jahrzehnts", schwärmt er noch heute. Mittels seines ersten Teleskopes wurde der damals 17-Jährige Augenzeuge. Seitdem lässt ihn die Astrofotografie nicht mehr los. Die ersten Jahre fotografierte er noch mit Film, jetzt digital. 

Seltene Aufnahmen vom Sternenhimmel

Torsten Müller holt einige seiner großformatigen Fotos von Galaxien und funkelnden Sternen hervor - der Nachthimmel, wie ihn der Laie noch nie gesehen hat. Die Entfernungen sind so unendlich wie das Universum. Torsten Müller spricht von 60 und  600 Millionen Lichtjahren, während er auf die Galaxien in der Mitte seiner Fotos zeigt.  Gestochen scharfe Bilder. 

Goldbach ist ein lang gezogenes Straßendorf. Hinter vielen Grundstücken an der Hauptstraße beginnt gleich das Feld. Man schaut weit ins Land. Für Torsten Müller der ideale Platz für sein Hobby. Nachts ist es hier stockfinster. Keine Laterne, die stört. 

Im Durchschnitt sind es 50 Nächte im Jahr, an denen solche Fotos möglich sind. Sternenklare Nächte ohne Wolken. Torsten Müller mag den Sternenhimmel im Sommer wie im Winter.  Im Sommer sind es vor allem die nahen Himmelskörper, die sich gut fotografieren lassen, im Winter gelingen die besten Fotos von den fernen Galaxien. Deswegen gebe er persönlich der kalten Jahreszeit  den Vorzug, sagt er.

Observatorium kann auch ferngesteuert werden

Die Fotos müssen lange belichtet werden. Oft lässt er die Kamera die ganze Nacht laufen, macht etliche Bilder, die er dann bearbeitet. Er muss dafür nicht unbedingt in seiner Sternwarte sein. Übers Internet kann er sein Observatorium auch von seiner Wohnung aus fernsteuern. Hier kommt ihm sein berufliches Wissen zugute. Er ist Softwareentwickler in einer Firma in Ottendorf-Okrilla. 

Torsten Müller fotografiert aus Leidenschaft. Sind es nicht die Sterne, dann sind es aktuell Landschaften, die ihn faszinieren. Eine Sache reizt ihn besonders bei der Astrofotografie. 1966 veröffentlichte der US-Amerikaner Halton Arp einen Fotokatalog mit 338 ungewöhnlichen Galaxien, der als Arp-Katalog bekannt geworden ist. Die selben Aufnahmen 55 Jahre später mit digitaler Technik zu machen, wäre ein ambitioniertes Projekt, sagt Torsten Müller.  

In der Rammenauer Bibliothek stellte er schon seine Fotos aus. Auch an diesem Sonnabend wird er als Aussteller dabei sein, wenn die Gemeinde Rammenau im Saal des Erbgerichtes eine Hobbyschau ausrichtet. Sie findet im Rahmen eines Festes zum zehnjährigen Bestehen der "Alten Schmiede" am Dorfplatz statt. 

Rund 30 Aussteller werden erwartet, die in ihrer Freizeit zeichnen, klöppeln, schnitzen, gestalten, historische Technik sammeln - oder mit hochmoderner Technik den Sternenhimmel fotografieren. Torsten Müller wird in der Zeit von 10 bis 18 Uhr einige seiner Fotos zeigen und den Besuchern gern Auskunft geben. Auch ein Video über seine Sternwarte wird er mitbringen. 

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