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Bischofswerdas Baustellensommer nervt

Allein zum Verlegen von Glasfaserkabeln fürs schnelle Internet gibt es in der Stadt jetzt 25 Straßenbaustellen. Und es kommt noch dicker, vor allem in der Innenstadt.

Ampelrot am Schmöllner Weg: Nicht nur hier brauchen Autofahrer in Bischofswerda zurzeit Geduld, denn an vielen Stellen in der Stadt wird gebaut.
Ampelrot am Schmöllner Weg: Nicht nur hier brauchen Autofahrer in Bischofswerda zurzeit Geduld, denn an vielen Stellen in der Stadt wird gebaut. © Steffen Unger

Bischofswerda. An der Bautzener Straße in Bischofswerda ist einer der beiden Fußwege seit Monaten gesperrt. Hier wird fürs schnelle Internet gebaut. Doch seit Beginn dieser Woche herrscht auf dieser Baustelle Ruhe; die Bauarbeiter wurden abgezogen. Unterdessen wurde rund 150 Meter weiter schon die nächste Baustelle eröffnet. Jetzt werden am Goethepark die Glasfaserkabel verlegt. Wer mit dem Auto in Richtung Bautzen will, muss eine Umleitung fahren. 

In Teilen der Innenstadt wird zum zweiten Mal gegraben

Wie aus einer am Freitag von der Stadt veröffentlichten Liste hervorgeht, gibt es in Bischofswerda zurzeit 25  Baustellen auf Straßen und Fußwegen, um die Leitungen fürs schnelle Internet zu verlegen. Hinzu kommen weitere Straßenbaustellen, etwa der Böschungsbau an der Neustädter Straße, der Straßenbau Am Hof und die gesperrte Alte Belmsdorfer Straße, wo eine neue Trinkwasserleitung verlegt wird. 

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Wer koordiniert all die Arbeiten? Das fragte dieser Tage ein Bauleiter, der einen kompetenten Ansprechpartner im Rathaus vermisst. Der Bauamtsleiter und die zuständige Sachgebietsleiterin sind mitten im Baustellensommer gleichzeitig im Urlaub. Es gebe Stellvertreter-Regelungen, entgegnet man im Rathaus zu diesem Vorwurf. 

Zu Beginn des Jahres 2019 wurde mit dem Verlegen der Glasfaserkabel in Bischofswerda durch den Energieversorger Enso im Auftrag des Landkreises begonnen. Fast die Hälfte der Stadt ist mittlerweile erschlossen, sagt Enso-Sprecherin Claudia Kuba. 

Doch die Monate bis zum Jahresende werden noch einmal hart. Vor allem für einen Großteil der Innenstadthändler und -bewohner. Denn auch vor ihren Häusern wird gegraben. Auch dort, wo wegen des schnellen Internets vor drei Jahren schon einmal die Fußwege aufgebuddelt wurden, wie zum Beispiel auf einem Teil der Kirchstraße. 

Claudia Kuba sagt dazu: Ab dem Jahr 2016 habe die Enso eigenwirtschaftlich Leitungen verlegt, und zwar nur auf dem Abschnitt Kirchstraße 13 bis 32. Die nunmehr vom Landkreis Bautzen geförderte Lösung soll Gewerbetreibenden eine Anbindung an das Internet mit Geschwindigkeiten bis zu einem Gigabyte pro Sekunde ermöglichen. Das macht die Verlegung von zusätzlichen Glasfaserkabeln nötig. 

Da auf der Kirchstraße viele Gewerbetreibende sind, müssen weitere Leitungen vom Altmarkt bis in Höhe der Schule verlegt werden. Auch die Kloster-,  Kirch- und Färbergasse sollen über die Kirchstraße erschlossen werden.  

Stadtverwaltung sieht "großes Konfliktpotenzial"

Die Stadtverwaltung ist nach Aussage ihres Sprechers Sascha Hache bemüht, die Belastungen für die Bürger und Geschäftsleute so gering wie möglich zu halten. Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind bei den Bauberatungen regelmäßig vor Ort und sehen die Baumaßnahmen immer im Zusammenhang mit der Gesamtsituation in der Stadt, sagt er. Über die Genehmigung von Sperrungen könne man regulierend eingreifen. So sei der an diesem Montag begonnene Bau auf der Siedlerstraße um zwei Wochen verschoben worden, da gleichzeitig die benachbarte Putzkauer Straße gesperrt war. 

Hinsichtlich der bevorstehenden Baumaßnahmen in der Innenstadt führe die Stadt mit der Enso Gespräche, um möglicherweise eine Anliegerversammlung einzuberufen, auf der über den Bauablauf informiert wird. "Gerade im Innenstadtbereich mit allen Gewerbetreibenden sehen wir großes Konfliktpotenzial", sagt Sascha Hache. Nur mit größtmöglicher Transparenz könne man Verständnis bei den Bürgern erreichen. 

Diesem Anliegen diene auch der Vorschlag von OB Holm Große (parteilos), zeitweilig ein Bürgerbüro der Enso einzurichten, wo sich Schiebocker mit ihren Fragen zum Breitbandausbau hinwenden können. Dafür habe die Stadt Räume im Bürohaus an der Bischofstraße angeboten, erklärt der Stadtsprecher weiter. 

Die Enso will diesen Vorschlag aufgreifen. Das Unternehmen bereitet gegenwärtig eine persönliche Beratung durch Fachleute vor. Sie könnte einmal wöchentlich angeboten werden, sagt Claudia Kuba. 

75 Orte im Kreis sind bereits am schnellen Datennetz

Durch den vor drei Jahren erfolgten Ausbau durch die Enso haben alle Kunden des Bischofswerdaer Kabelnetzbetreibers Info-Kabel, an dem das Unternehmen beteiligt ist, übers Fernsehkabel Zugang zum schnellen Internet mit einer Geschwindigkeit bis zu 100 Megabyte pro Sekunde (MB/s). Zumindest theoretisch. Wie viele Bischofswerdaer dieses Angebot wirklich nutzen, ist nicht bekannt. Zur Anzahl der abgeschlossenen Verträge macht die Enso keine Angaben.  

Der Landkreis Bautzen hat das ehrgeizige Ziel, bis Ende dieses Jahres kreisweit die Infrastruktur fürs schnelle Internet zu schaffen. Eine fristgerechte Umsetzung der Ausbaumaßnahmen werde  von Seiten des Landkreises mit beiden Vertragspartnern, der Telekom und der Enso,  angestrebt, sagt Sabine Rötschke, Sprecherin der Kreisverwaltung. 

Laut der Zuwendungsbescheide für den Breitbandausbau von Bund und Freistaat ist die Projektförderung bis zum 31. Dezember 2020 bewilligt. Beide Telekommunikationsunternehmen sind in den letzten Wochen mit der Anfrage nach einer Projektverlängerung auf den Landkreis zugekommen. Dabei müssen die Verträge für die einzelnen Ausbaugebiete gesondert betrachtet werden. Die Abstimmungen hierzu sind noch nicht beendet, sagt Sabine Rötschke. 

Mit Stand 30. Juni wurden 75 Orte fertiggestellt, so dass dort die entsprechenden Anschlüsse gebucht werden können. Aufgrund des Baugeschehens kommen in den nächsten Wochen regelmäßig weitere Orte hinzu. Bürger können sich auf einer speziellen Internetseite über den aktuellen Ausbaustand informieren. 

www.breitband-bautzen.de 

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