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Bischofswerda: Wird es hier bald sicherer?

Verkehrsinseln sollen eine Hilfe für Fußgänger sein, an der Kamenzer Straße in Schiebock sind sie es nicht. Und es gibt noch mehr Gefahrenstellen in der Stadt.

Diese Insel an der Kamenzer Straße in Bischofswerda ist für Fußgänger keine echte Hilfe: Wer aus Richtung Innenstadt die Straße überqueren will, hat kaum eine Chance, Autos rechtzeitig zu erkennen.
Diese Insel an der Kamenzer Straße in Bischofswerda ist für Fußgänger keine echte Hilfe: Wer aus Richtung Innenstadt die Straße überqueren will, hat kaum eine Chance, Autos rechtzeitig zu erkennen. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Für die beiden Fußgänger-Inseln zwischen Lutherpark und Muntschickstraße in Bischofswerda verdienen die Planer einen Negativpreis. Für Leute, die aus Richtung Innenstadt kommen und hier über die Straße wollen, kann es lebensgefährlich sein. Denn nach links hat man so gut wie keine Sicht auf Autos, die um die Kurve gefahren kommen. Die Sicht wird in beiden Fällen von Hausecken versperrt. 

Bürger kritisieren das immer wieder. Zuletzt auf Facebook, als Sächsische.de über Pläne berichtete, für Bischofswerda einen Verkehrsentwicklungsplan zu erarbeiten.

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Gefahrenstellen aufzeigen und beseitigen

Entstanden sind beide "Querungshilfen" mit dem Ausbau der Kreuzung von Kamenzer Straße, Muntschickstraße und Am Lutherpark im Jahr 2008. Bauherr war das damalige Straßenbauamt Bautzen. Schon damals wusste man, dass die Gegebenheiten nicht optimal sind.

Vorschläge, im Kurvenbereich die Geschwindigkeit von 50 auf 30 km/h herabzusetzen, wurden in der Vergangenheit nie ernsthaft geprüft. Dafür wäre die Stadt mit ihrer Unteren Verkehrsbehörde zuständig.

Nun darf man gespannt sein, ob diese und weitere Gefahrenstellen in der Stadt demnächst auf die Agenda gesetzt werden. 

Die Chancen sind ein wenig gestiegen, nachdem der Stadtrat nun im zweiten Anlauf den Auftrag für einen "Verkehrsentwicklungsplan 2030" vergeben hat. Auf der Sitzung im Mai war das Thema noch mit den Stimmen von CDU, FDP und AfD von der Tagesordnung genommen worden, da Stadträte noch Klärungsbedarf hatten.  

Jetzt beschlossen die Stadträte mit großer Mehrheit, den Auftrag im Wert von reichlich 39.000 Euro an das Dresdner Planungsbüro SVU zu vergeben. Es gab einen Mitbewerber, der einen ähnlichen Preis geboten hatte. 

Radverkehr soll gefördert werden

Zum Auftrag gehören auch die Erarbeitung eines Radverkehrskonzeptes, ein Workshop, in dem Bürger ihre Wünsche und Vorschläge einbringen können, sowie entsprechende Planungen für die Gemeinde Rammenau,  die mit  Bischofswerda durch eine Verwaltungsgemeinschaft verbunden ist. 

Beim Verkehrsentwicklungsplan geht es freilich nicht vordergründig um die Fußgänger-Inseln an der Kamenzer Straße, sondern um Strategien für die Stadtentwicklung. Doch von vornherein ausschließen sollte man auch Lösungsansätze für konkrete Probleme wie dieses nicht. 

"Mit einem Verkehrsentwicklungsplan setzen sich die Kommunen ihre eigenen Ziele für die mittelfristige Zukunft des Verkehrsgeschehens", heißt es aus dem sächsischen Wirtschaftsministerium. Die Aufgaben kommunaler Verkehrsplanung sind vielfältig. Sie reichen von der Verbesserung der Verkehrswege und des öffentlichen Personennahverkehrs über die Erhöhung der Verkehrssicherheit bis hin zur Reduzierung von Lärm, Luftschadstoffen und Klimagasen. "Das Ziel, den Radverkehrsanteil zu erhöhen, gewinnt dabei immer mehr an Bedeutung", erklärt eine Ministeriumssprecherin gegenüber Sächsische.de

FDP: Erst mal sollte das Rathaus liefern

In Bischofswerda sind allerdings auch nach der Vergabe des Auftrages durch den Stadtrat nicht alle Wogen geglättet. Die FDP stellte von Anfang an die Frage, ob unbedingt ein externes Büro den Plan erarbeiten muss, oder ob nicht auch Bischofswerdaer Bürger mit ihrer Orts- und Sachkenntnis den Hauptteil dafür leisten könnten. 

Jetzt legte Fraktionsvorsitzender Karl-Heinz John nach. Er forderte, dass die Fachämter des Rathauses, insbesondere die Untere Verkehrsbehörde und das Sachgebiet Liegenschaften, den Mitgliedern des Stadtratsausschusses für Technik und Wirtschaft (ATW) eine Analyse zur aktuellen Verkehrssituation in Bischofswerda vorlegen, ehe das Planungsbüro mit seiner Arbeit beginnt. Man wolle wissen, wo die Stadt heute steht - auch um diese Daten später mit den Ergebnissen des Konzeptes vergleichen zu können. 

Nach Aussage von Oberbürgermeister Holm Große (parteilos) ist der ATW  "das Begleitgremium" bei der Erstellung des Verkehrsentwicklungsplanes. Außerdem werde man fachkompetente Bürger zur Mitarbeit einladen. Die Daten zur derzeitigen Verkehrssituation müssten jedoch durch das Planungsbüro erhoben werden. Die Stadt werde dafür Bestandsdaten zuarbeiten.  

Die Arbeit am Konzept  wird etwa ein reichliches halbes bis ein Dreivierteljahr dauern. Hätte der Stadtrat wie ursprünglich geplant den Auftrag bereits im Mai erteilt, hätten die Ergebnisse bis Jahresende vorliegen können. Nun ist im ersten Quartal 2021 damit zu rechnen, dass der Verkehrsentwicklungsplan diskutiert und beschlossen werden kann. 

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