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Aufzüge für Bischofswerdas größtes Wohngebiet

Mehr Komfort, um dem Leerstand in den oberen Etagen entgegenzuwirken: Bischofswerda folgt dem Beispiel anderer Städte. Doch es gibt auch Vorbehalte.

Andreas Wendler, Geschäftsführer der Wohnungswirtschaft und Bau Gesellschaft, steht in Bischofswerda vor dem Haus Ernst-Thälmann-Straße 9. Hier und auch an der Nummer 17 sollen Aufzüge angebaut werden.
Andreas Wendler, Geschäftsführer der Wohnungswirtschaft und Bau Gesellschaft, steht in Bischofswerda vor dem Haus Ernst-Thälmann-Straße 9. Hier und auch an der Nummer 17 sollen Aufzüge angebaut werden. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Im Wohngebiet Bischofswerda Süd sind viele Wohnungen nicht bewohnt. Vor allem in den beiden oberen Etagen der zur DDR-Zeit errichteten Fünfgeschosser konzentriert sich der Leerstand. 

Nun will die städtische Wohnungswirtschaft und Bau Gesellschaft (WuB) ein Problem angehen, über das seit Jahren in Bischofswerda diskutiert wird. Sie möchte an zwei Häusern Aufzüge anbauen. Vorgesehen dafür sind die Hauseingänge Ernst-Thälmann-Straße 9 und 17 mit zehn beziehungsweise 15 Wohnungen. 

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WuB-Geschäftsführer Andreas Wendler begründet die Auswahl damit, dass beide Häuser aktuell den größten Leerstand im oberen Bereich haben. Im Haus Ernst-Thälmann-Straße 9 sind fünf, im Haus Nummer 17 vier Wohnungen nicht belegt.  

Ausstieg zwischen zwei Etagen

Rund 300.000 Euro will der Großvermieter investieren - eigenes Geld und Kredite. Der Bauantrag ist gestellt.  Die Aufzüge sollen an der Fassade angebaut werden. Dafür werden auch die Eingangsbereiche neu gestaltet. Ausstieg der Lifte wird im Treppenhaus sein - auf halber Höhe zwischen zwei Etagen, so dass man noch einige Stufen laufen muss, um in die Wohnung zu kommen. Es wird zwei Ausstiege geben - zwischen dem zweiten und dritten sowie dem vierten und fünften Geschoss, erläutert Andreas Wendler das Projekt. 

Gleichzeitig lässt die WuB die leerstehenden Wohnungen modernisieren, um sie künftig besser vermieten zu können. 

Mit den Aufzügen soll den Mietern in den mehr als 40 Jahre alten Häusern mehr Komfort geboten und dem Leerstand entgegen gewirkt werden. Nicht nur ältere Mieter sollen davon profitieren, sondern auch jüngere. Beispielsweise, wenn sie nicht mehr die schweren Einkaufstaschen bis in den fünften Stock schleppen müssen. 

Höhere Mieten und Betriebskosten

Der Komfort hat freilich seinen Preis, weswegen nicht alle Bewohner der beiden Häuser das Vorhaben gut finden. Denn mit Ausnahme der Mieter im Erdgeschoss sollen alle anderen an den Kosten beteiligt werden. 

Zum einen kann die WuB einen Teil der Modernisierungskosten auf die Miete umlegen. Acht Prozent im Jahr wären gesetzlich möglich. "Wir bleiben darunter", versichert Andreas Wendler. Zum anderen werden die Betriebskosten für den Aufzug, vor allem für Strom, aber auch die Aufwendungen für die Wartung und gegebenenfalls Reparaturen, auf die Mieter ab dem zweiten Geschoss umgelegt. Das werden nach der jetzigen Kalkulation für jede Wohnung 30 Euro im Monat sein. 

Der Umbau könnte möglicherweise im Oktober beginnen. "Dann wären wir im März nächsten Jahres fertig", so Wendler.  Ob das zu realisieren ist, hängt von mehreren Faktoren ab: der Baugenehmigung, der Verfügbarkeit von Baufirmen, aber auch  von der Frage, wann die Stadt die Fahrbahn der Stichstraße am Haus Nummer 9, das sich gegenüber der Schiebock-Passage befindet, erneuern lässt. Nach jüngsten Informationen aus dem Rathaus soll die Straßendecke nun doch noch in diesem Jahr instand gesetzt werden

Zwei Baustellen auf engem Raum möchte Andreas Wendler vermeiden. Deshalb ist es auch nicht ausgeschlossen, dass der Anbau der Aufzüge erst im Frühjahr 2021 beginnt. 

Jede fünfte Wohnung steht leer

Die Wohnungswirtschaft und Bau GmbH besitzt rund 1.400 Wohnungen, die meisten davon in Bischofswerda Süd. Der Leerstand beträgt etwa 20 Prozent. Er konzentriert sich zum großen Teil auf das in den 1980er-Jahren errichtete Wohngebiet zwischen Ernst-Thälmann-Straße, Maximilian-Kolbe-Straße und Belmsdorfer Straße. Der Anbau von Aufzügen, später eventuell auch an weiteren Häusern, soll dazu beitragen, dass diese Wohnungen attraktiver werden und wieder vermietet werden können. 

Andreas Wendler ist vom Erfolg überzeugt: "Wenn das Treppensteigen bis in den vierten oder fünften Stock entfällt, dann werden diese Wohnungen gefragt sein. Wer ganz oben wohnt, hat keinen Mieter über sich und eine herrliche Sicht ins Umland." Auch für jüngere Leute und Menschen mittleren Alters, die in ihrer Wohnung alt werden möchten, könne das interessant sein. Denn dank des Aufzuges könnten sie dann auch im Alter in ihrer Wohnung bleiben. Beide Häuser sind für die WuB eine Art Pilotprojekt. "Wir wollen Erfahrungen sammeln", sagt der Geschäftsführer. 

31 Prozent der Einwohner sind älter als 65 Jahre

Die Wohnungsgenossenschaft, mit rund 770 Wohnungen zweitgrößter Vermieter in Bischofswerda, hat derzeit keine Pläne, Aufzüge an ihre Häuser anzubauen, sagt Geschäftsführer Lothar Wils. Vor allem die hohen Investitions- und Betriebskosten sowie die entsprechenden Umlagen auf die Mieter  sprechen aus Sicht der Genossenschaft dagegen. 

In anderen Städten sind Aufzüge an Wohnblocks längst üblich. Vermieter zum Beispiel in Bautzen und Wilthen rüsteten nach und machen damit seit Jahren gute Erfahrungen. 

Ein Blick auf die älter werdende Bevölkerung zeigt, dass auch Bischofswerda Angebote fürs moderne und komfortable Wohnen braucht - in Zukunft wohl noch mehr als bisher. Von den reichlich 11.100 Einwohnern der Stadt und ihrer Ortsteile sind über 3.400 Menschen älter als 65 Jahre. Ihr Anteil beträgt knapp 31 Prozent. Betrachtet man nur das Stadtgebiet ohne die Dörfer, wo knapp 8.500 Menschen leben, stellen die über 65-Jährigen laut amtlicher Statistik sogar 33 Prozent der Bevölkerung.  

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