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Bismarckturm putzt sich heraus

Im September wird der Turm offiziell eröffnet. Die Feinreinigung hat der Denkmalsverein selbst in die Hand genommen.

Klaus Löschner (r.) und elf weitere Mitstreiter des Radebeuler Vereins für Denkmalpflege und neues Bauen wienern am Sonnabend in einer Vereinsaktion Geländer und Treppe im Bismarckturm.
Klaus Löschner (r.) und elf weitere Mitstreiter des Radebeuler Vereins für Denkmalpflege und neues Bauen wienern am Sonnabend in einer Vereinsaktion Geländer und Treppe im Bismarckturm. © Foto: Daniel Schäfer

Von Ulrike Keller

Es ist Sonnabend, elf Uhr. „So zeitig waren wir noch nie hier im Turm“, stellt Klaus Löschner lachend fest. Er und elf Mitstreiter des Vereins für Denkmalpflege und neues Bauen Radebeul haben sich mit Lappen, Eimer und Reinigungsmitteln auf der neuen Treppe des Bismarckturms verteilt. Gemeinsam rücken sie dem Baustaub und -schmutz zu Leibe.

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„Wir machen heute die Feinreinigung“, sagt der 69-Jährige. „Um das Geld für eine Firma zu sparen, aber auch, um die Gemeinschaft zu fördern.“ Es sei schön, wenn der Verein als Letzter Hand anlege. Insgesamt zählt er 120 Mitglieder. Klaus Löschner hat das fast 300 000 Euro teure Turmprojekt als Architekt geleitet.

Eine Stunde plant die ehrenamtliche Putzkolonne für ihren Einsatz. „Wir wischen erst mal die Stahlteile ab, dann wird gesaugt“, sagt Klaus Löschner und scherzt: „Wie zu Hause.“ Nur, dass hier ein ausgeliehener Industriestaubsauger bereitsteht.

Es klopft unten an der Stahltür. Der Architekt öffnet. Ein Mann mit kurzen, grauen Haaren hat die Autos auf dem Vorplatz parken gesehen. Nun zieht es auch ihn in den Turm. Klaus Löschner schüttelt den Kopf. „Es ist noch Baustelle“, erklärt er freundlich. „Sie dürfen noch nicht herein.“

Der Mann stammt aus Dresden-Klotzsche, wie er erzählt. „Ich habe als einer der Ersten gespendet“, sagt er. „Ich find´s gut, dass das Ding gemacht wird. Wann öffnet es denn?“ Diese Auskunft gibt Klaus Löschner gern. Auch im Verein ist die Freude groß darüber, dass es endlich so weit ist: Am 8. September – zum Tag des offenen Denkmals – wird der Turm offiziell eröffnet. Von da an soll sich die schwere Tür in festen Zeitfenstern für jeden öffnen, der außen zwei Euro in einen Schlitz wirft. Für diesen Moment schließt sie sich jedoch wieder, damit das Grüppchen seine Mission ungestört fortsetzen kann.

Klaus Löschner entledigt sich seiner Schuhe und nimmt beschwingt den Rundkurs nach oben. Auf den Stufen setzt sich der orangefarbene Tartanbelag des Eingangsbereiches fort. „Tartan dämpft die Geräusche und ist preiswert“, erläutert der Fachmann. „Seit 2011 gab es eine enorme Preissteigerung in der Industrie. Darum mussten wir unsere Vorstellungen immer weiter abspecken.“

Ursprünglich war eine nichtrostende Treppe aus Cortenstahl mit Sandstein vorgesehen. Nun ist es eine feuerverzinkte Stahltreppe geworden. Mit einem Geländer aus nichtrostendem Baustahl.

Und dieses wienert Klaus Löschner im obersten Teil der Treppe. Von hier sind es nur noch wenige Stufen zur Plattform der höchsten begehbaren Ebene des 18 Meter hohen Turmes unweit des Spitzhauses.


Im September 2018 wurde die Treppe eingehoben.
Im September 2018 wurde die Treppe eingehoben. © Foto: Norbert Millauer

Zum ersten Mal in seiner Geschichte ist das Bauwerk nun tatsächlich vollkommen. Denn schon eingeweiht wurde es 1907 ohne Treppe. „Wahrscheinlich war das Geld alle“, vermutet Klaus Löschner. Der Radebeuler Bismarckturm ist einer von etwa 240 Exemplaren weltweit, die zwischen 1869 und 1934 errichtet oder umbenannt wurden, um Otto von Bismarck zu würdigen. „Die Idee war, an seinem Geburtstag am 1. April auf den Türmen Leuchtfeuer zu entzünden“, so Klaus Löschner. In Radebeul wurde die Feuerschale auf dem Vorplatz aufgestellt. Davon zeugt – nach wie vor sichtbar – ein ummauerter Kreis.

Bismarck heute noch würdigen oder nicht? Darüber hat der Denkmalsverein lange diskutiert, verrät Klaus Löschner. „Wir haben uns so geeinigt, dass wir auf ihn hinweisen in seiner geschichtlichen Bedeutung als Vereinigungskanzler und ihn auch würdigen“, sagt der Architekt. Doch der Verein möchte den Bogen weiterspannen und den Turm nutzen, um regionale Geschichte erlebbar zu machen. Mit einer modernen Videoinstallation.

Kameras am Turm sollen die Aussicht ins weite Land auf den Innenputz des Eingangsbereichs übertragen. Bei wichtigen Bauwerken soll das aktuelle Aussichtsbild dabei in eine historische Animation übergehen. Für die Friedenskirche in Altkötzschenbroda könnte etwa visualisiert sein, wie Sachsen und Schweden im Jahr 1645 den Waffenstillstand unterzeichnen.

In dieses Vorhaben würde der Denkmalsverein gern Schulen und Radebeuler Künstler einbeziehen. Für die Umsetzung formuliert er bewusst kein zeitliches Ziel. „Ziel ist, dass es überhaupt erreicht wird, weil wir in diese Idee schon so viel Gehirnschmalz gesteckt haben“, sagt Klaus Löschner. Unter anderem dafür sammelt der Verein auch weiterhin Spenden.

Zwei weitere Baumaßnahmen stehen indes fest: Im nächsten Jahr soll die Außenhaut des Turmes saniert werden. Und auch ein neuer Parkplatz in Turmnähe ist geplant, um den absehbaren Besucherstrom abzufangen. Damit sei durch die Initiative des Vereins auch Wahnsdorf geholfen, sagt Klaus Löschner. Die Pläne für den Parkplatz auf einem Grundstück gegenüber dem Spitzhaus hängen zurzeit zur öffentlichen Einsicht im Technischen Rathaus aus.

Die Uhr zeigt zwölf, als sich alle freiwilligen Turmreiniger oben auf der Plattform treffen. „Wir haben gut kalkuliert“, jubeln sie. „Wir sind fertig!“ Darauf stoßen sie mit Sekt an. „Prost!“ Das Finale kann kommen.

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