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Dresden

Bitte anschnallen, wir heben ab!

Bernd Kahl fuhr 45 Jahre lang Taxi. In der neuen Kolumne "Abgefahr’n" beschreibt er, was er dabei alles mit Dresdnern erlebt hat. 

Bernd Kahl schrieb während seiner Zeit als hauptberuflicher Taxifahrer den Taxiblog-Dresden.de. Jetzt steuert der 63-Jährige der SZ regelmäßig seine Kolumnen bei.
Bernd Kahl schrieb während seiner Zeit als hauptberuflicher Taxifahrer den Taxiblog-Dresden.de. Jetzt steuert der 63-Jährige der SZ regelmäßig seine Kolumnen bei. © SZ, dpa

Fahrten zum Flughafen gehören zu den Highlights des Taxifahrers – weil die Menschen fröhlich gestimmt sind und man gelegentlich Persönlichkeiten trifft. Abgesehen davon sind es auch meist lukrative Touren. Doch zu viel Vorfreude kann gefährlich werden.

Eine fünfköpfige Familie kommt von Malle zurück. Zwei Wochen lang Temperaturen um die 15 Grad und jeden zweiten Tag Regen. Ich habe die Kommunikation vorsichtshalber eingestellt. Auch bekannte Leute sind manchmal nicht gut aufgelegt. Der Chef eines großen Handelshauses steigt am Flughafen ein und will zu seiner Firma. Ich starte den Taxameter und flitze los. Am Ziel angekommen zahlt mir der feine Herr das Geld auf den Cent genau. Das allein schmerzt, aber er legte noch einen drauf: „Ich hätte ihnen ein gutes Trinkgeld gegeben, aber beim letzten Mal habe ich etwa zwölf Prozent weniger bezahlen müssen.“ Wie geht das?

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Ist der andere Kollege auf Krankenkassen-Tarif gefahren? Taxameter sind nicht manipulierbar, übrigens genauso wenig wie Ladenkassen. Ist das in seinem Haus etwa anders? Wir werden es nie erfahren. Die Höchststrafe aber sind Urlaubergruppen, deren Sprache mich zu früh freuen lässt. Oberlausitzer Dialekt, gleich Hoffnung auf eine Fahrt nach Görlitz oder Zittau. Das sind willkommene 100 Kilometer. 

Aber nein! „Auf die Rostocker Straße bitte. Dort steht unser Auto“, tönt es. Ein Super-Baseballer könnte einen Ball hinwerfen. Die Krönung der Knauserei bilden aber häufig Dresdner. Auch die nehmen sich ein Taxi bis zur nächsten Parkbucht. Das hindert sie allerdings nicht daran, am Urlaubsort auf die Kacke zu hauen. 

Spitzenstory: Rentnerehepaar mit zwei erwachsenen Söhnen und fünfzehn Gepäckstücken wollen zum Flieger. Wir starten in Dresden-Plauen, fahren über Löbtau, nach Gorbitz. Doch dann nicht etwa weiter nach Klotzsche, nein, zum Bahnhof Mitte. Erklärung: Man hat die Dresden-Card. Na dann, gute Weiterfahrt! 

 Ihr schreibender Taxifahrer

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