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„Bitte keinen Trampelpfad an die Autobahn“

Lokalpolitiker wollen sich gemeinsam gegen die neuen Pläne wehren. Schon morgen gibt es erste Gespräche.

© Uwe Soeder

Von Gabriel Wandt, Anja Beutler und Thomas Mielke

Wer den Pfennig nicht ehrt

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Wut und Verständnislosigkeit. Diese beiden Worte beschreiben die Gefühlslage in einigen Rathäusern derzeit wohl ganz gut. In vielen Orten südlich der Autobahn können die Lokalpolitiker nicht nachvollziehen, was da in Dresden entschieden worden ist: Der Autobahnanschluss der B 178 bei Weißenberg soll plötzlich nicht mehr vierspurig und außerdem auf einer Trasse gebaut werden, deren Routenführung schon vor Jahren verworfen worden war. „Das ist ein Schlag ins Gesicht“, sagte Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) gestern. Die Rathauschefs haben von der Entscheidung des Dresdner Wirtschaftsministeriums aus der Sächsischen Zeitung erfahren.

Dort war nach einer nichtöffentlichen Anhörung vorigen Sommer aufgrund einer neuen, niedrigeren Fahrzeugprognose entschieden worden, den Lückenschluss zwischen Nostitz und Weißenberg nur noch dreispurig zu bauen. Für Buchholz und Bürgermeister Guido Storch (CDU) ist klar, dass man dies nicht hinnehmen wird. „Wir müssen jetzt sehen, was wir tun können, damit das zurückgekurbelt wird“, sagt Buchholz. Die ersten Gespräche sind schon verabredet. Stadtchefs, Vertreter der B 178-Neubau-Interessengruppe und Wirtschaftsvertreter treffen sich morgen mit Landrat Bernd Lange (CDU), um die neue Lage und weitere Schritte abzustimmen.

Dass solche Schritte folgen werden, machte Buchholz schon gestern deutlich. „Es muss einen Termin beim Ministerpräsidenten geben“, erklärte er gegenüber der SZ. Die Aussagekraft der neuen Prognose, nach der im Jahr 2020 nur noch 12 500 Autos pro Tag statt bislang erwarteter 17 500 Fahrzeuge rollen sollen, zieht er stark in Zweifel. Die Straße sei eine europaweit wichtige Verbindung von Rumänien über Prag bis nach Deutschland. Die erwarteten Verkehrsströme kämen erst, wenn die Teilstücke alle fertig und die Straße tatsächlich durchgängig nutzbar sei. Käme der dreispurige Ausbau, müsste die Region dafür die Zeche zahlen. „Auszubaden haben das dann die Bürger und die Unternehmen.“ Auch Bürgermeister Storch kann die Neuplanung nicht verstehen. „Man baut zwischen zwei vierspurige Straßen keinen Trampelpfad“, sagt er und spielt damit auf die Teile der neuen B 178 an, die bereits vierspurig gebaut sind. Zudem kritisiert Storch, dass nun doch die Anbindung an die Autobahn westlich von Weißenberg erfolgen soll. „Die alte Trasse ist doch fertig geplant!“, betont er.

Das ist auch der springende Punkt für Herrnhuts Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste). Denn, wenn der Freistaat nun die ganzen Planungen nochmals neu aufrollt, vergehe wertvolle Zeit: „Wir verschleppen das Ganze doch nur, wieso kann man in Deutschland nicht einmal mehr eine Planung ordentlich durchziehen“, sagt Riecke mit Nachdruck. Den Bürgern, die seit den ersten Berichten in der SZ bei ihm nachfragen, könne er das alles gar nicht mehr erklären. „Das ist nur noch peinlich“, sagt er.

Dabei geht es dem Herrnhuter Stadtchef nicht allein nur um die eigene Stadt: „Es geht hier ums Prinzip“, sagt er. Denn, dass die neue B 178 angenommen werde, könne man ja bereits deutlich sehen, sagt er und verweist auf Herrnhuts Ortsumfahrung. Wie es sich auf der Strecke anfühlt, wo die neue Trasse noch fehlt, kann sein Amtskollege Markus Hallmann (Freier Wählerverein) in Mittelherwigsdorf nur zu gut beschreiben: „Der Verkehr bei uns hat seit der Eröffnung der neuen Teilstrecken auch aus Richtung Tschechien stark zugenommen“, sagt Hallmann. Die Gemeinde hat dazu extra ein Tempo-50-Schild aufgestellt, um mehr Sicherheit ins Dorf zu bringen. Generell hält Hallmann die Dresdner Entscheidung aber für ein schlechtes Signal mit Blick auf das erhoffte Bauende.

Da viele Gemeinde-Chefs genauso denken, wollen sie sich nun gemeinsam Gehör verschaffen. Zittaus Oberbürgermeister Arnd Voigt (Freie Wähler) gibt dafür schon mal den Slogan aus: „Die Region muss jetzt zusammenrücken und mit einer Stimme sprechen“, sagte er gestern auf Nachfrage. Erste Absprachen habe man bereits getroffen. Nun hoffen alle, dass sich das Blatt doch noch wenden lässt.

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