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Meißen

Meißner Märkte bei Hamsterkäufern rigoros

In Meißen gehen die Verkäuferinnen in Supermärkten jetzt konsequent gegen Hamsterkäufer vor.

Im Kaufland im Elbe-Center sind Mengenbeschränkungen bei einigen Waren eingeführt worden, um Hamsterkäufen vorzubeugen.
Im Kaufland im Elbe-Center sind Mengenbeschränkungen bei einigen Waren eingeführt worden, um Hamsterkäufen vorzubeugen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Am Montagabend gegen 18.30 Uhr gab es eine ungewöhnliche Situation an einer Kasse im Kaufland im Elbe-Center an der Niederauer Straße: Einem Kunden, der sehr viele Konserven und Nudelpackungen in seinen Einkaufswagen geladen hatte, wurden diese von einer Verkäuferin teilweise wieder ausgeladen. 

Seit Dienstag gibt es an Regalen Schilder, die auf Mengenbeschränkungen hinweisen. Diese werden auch über den Marktfunk durchgesagt: „Liebe Kunden, wir möchten weiterhin die Versorgung aller Kunden gewährleisten, daher gelten ab sofort folgenden Mengenbeschränkungen für Ihren Einkauf. Bitte bleiben Sie fair und verzichten auf unnötige Bevorratung.“

Rundum versorgt im ELBEPARK Dresden

Lebensmittelgeschäfte, Drogerien, Apotheken und Tierfachgeschäfte haben für Sie weiterhin geöffnet. Hier stehen Ihnen 5.000 Parkplätze zur Verfügung.

Und dann werden die Mengen aufgeführt. Danach soll man nur ein Mal Toilettenpapier, in den Wagen legen. Bei Zwieback und Knäckebrot sollen es nur ebenso viele Packungen sein. Jeweils nicht mehr als zwei Packungen sollen bei Fertiggerichten, Konserven, Mehl, Nudeln, Reis, Seife und Zucker mitgenommen werden. 

„Unsere Kassierer haben die Anweisung, die eingekauften Mengen zu kontrollieren und gegebenenfalls zu kürzen.“ Auf der Information werden die Kunden zudem gebeten, von Diskussionen abzusehen: „Vielen Dank für Ihre Fairness!“

Andreas Otto, seit vierzehn Tagen neuer Marktleiter im Kaufland an der Niederauer Straße, muss für Fragen geholt werden, denn er ist beim Ausladen von Waren beschäftigt. Natürlich sei die Versorgung gewährleistet, erklärt er, aber „wir kommen mit dem Auffüllen nicht nach, wir haben gar nicht so viel Manpower“. Im Übrigen sei die Kaufland-Pressestelle für Anfragen zuständig. 

Von dort antwortet Andrea Kübler auf eine entsprechende SZ-Anfrage: „Da unsere Filialen laufend mit neuer Ware beliefert werden, ist die Warenversorgung auch weiterhin sichergestellt. Daher planen wir aktuell keine Rationierung der Warenabgabe an unsere Kunden. In Einzelfällen kann es durchaus sein, dass Filialen für bestimmte Produkte eine Abgabe auf haushaltsübliche Mengen beschränken.“

Keine Anzeichen für Versorgungsengpässe

Was Hamsterkäufe generell anbelangt, so haben die Verbraucherzentralen Hamsterkäufe in vielen Supermärkten in der Coronavirus-Krise kritisiert. „Es gibt aktuell keine Anzeichen für Versorgungsengpässe und deshalb keinen Grund für Panik- oder Hamsterkäufe“, sagte Klaus Müller, Chef des Bundesverbands. 

Sie seien zudem auch „unsolidarisch, da sie die Verunsicherung in der Bevölkerung vergrößern und in manchen Fällen tatsächlich zu zeitweisen Engpässen in der Verfügbarkeit von Lebensmitteln oder medizinisch notwendigen Produkten im Handel führen könnten“.

Was das Kaufland im Elbe-Center betrifft, so sind es die „üblichen Verdächtigen“, die in den Regalen fehlen. Von Aufbackbrötchen, Brotbackmischungen, Geschirrspülmittel über Katzenfutter, Knäckebrot und Nudeln aller Art bis hin zu Reis, Wäschedesinfektion und Weichspüler. Und geradezu als aktuelles Synonym für Hamsterkäufe: Toilettenpapier.

Nächste Station in der Supermarkt-Runde ist der Lidl an der Poststraße. Hier fällt auf, dass neben Nudeln vor allem Tiefkühlware – von Geflügel, über Fisch und Fleisch – abgekauft worden ist. Dafür gibt es noch eine Charge teuren Toilettenpapiers. Im Gespräch mit einem älteren Ehepaar erklärt die Frau: „Unsere Kinder sind im Westen, da sieht es noch viel schlimmer in den Supermärkten aus als hier.“ Die Leute dort würden so etwas ja nicht kennen.

Ansonsten ist der Lidl gut bestückt. Das gilt auch für den Rewe in den Neumarkt-Arkaden. Wären nicht einige Fehlstellen in den Regalen für Nudeln, Reis und dem obligatorischen Toilettenpapier, dann würde man gar nicht merken, dass es aufgrund der Corona-Krise Hamsterkäufe gibt. 

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Noch besser sieht es schräg gegenüber beim Aldi am Neumarkt aus. Dort sind die Regale voll wie zu normalen Zeiten. Einzige Fehlstelle auch hier: Toilettenpapier. Und auch das Regal mit der Handseife ist nicht mehr völlig gefüllt. Eine Mitarbeiterin antwortet, auf die vollen Regale hin angesprochen: „Wir geben uns Mühe.“

Das trifft natürlich auch auf das Kaufland im Elbe-Center zu. Marktleiter Andreas Otto füllt mit Kollegen die Regale wieder auf. Und waren die mit dem abgepackten Brot noch 10.30 Uhr leer, so sind sie später, 12 Uhr, wieder aufgefüllt.