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„Bitte redet mit uns“

Vor Gericht hat Seifhennersdorf den Schulstreit gewonnen. Aber viele Fragen bleiben. Nun hilft die Statistik.

Von Holger Gutte und Frank Seibel

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Bürgermeisterin Karin Berndt sieht großen Gesprächsbedarf. Wie geht es jetzt weiter, nachdem das Verwaltungsgericht in Dresden den Schulnetzplan des Landkreises für ungültig erklärt hat? Diese Frage stellen ihr die Eltern der künftiger Fünftklässler in Seifhennersdorf. Die Bürgermeisterin ärgert sich darüber, wenn das Kultusministerium verlauten lässt: Die Oberschule Seifhennersdorf kann Schulanmeldungen für eine 5. Klasse entgegennehmen. „Das ist nichts Neues. Wir durften immer Schulanmeldungen entgegennehmen – und haben das auch gemacht“, sagt sie. Die Schule ist nie geschlossen worden. Es werden dort nur seit diesem Schuljahr keine Schüler unterrichtet.

Gleich nach dem Urteil von Karlsruhe haben bei ihr im Rathaus Bürger nachgefragt, wie es weitergeht. „Ich kann es ihnen nicht sagen“, sagt sie. Seit Jahresbeginn wartet sie auf eine Antwort vom Kultusministerium, der Bildungsagentur und dem Staatsministerium. Alle drei haben bisher auf ihre Post und der Bitte um einen zeitnahen Gesprächstermin nicht geantwortet. Dabei gibt es so viele Fragen. Wer darf beispielsweise die Schulanmeldungen entgegennehmen? Es gibt ja keinen Schulleiter mehr. Darf das die Stadt für ihn tun? „Bitte redet mit uns“, hat sie geschrieben.

Die Bildungsagentur in Bautzen stellte gestern klar, dass sie die Verantwortung dafür bei sich sieht. „Für die Anmeldung ist die Schule zuständig.“ Da die Schule derzeit zwar offiziell noch existiert, aber faktisch geschlossen ist, müsse sich die Bildungsagentur eine Lösung überlegen. Das soll in den nächsten Tagen geklärt werden.

Denn die Oberschule wird ihren Betrieb aufnehmen. Da ist sich die Bürgermeisterin sicher. Bei der jetzigen 9. Klasse glaubt sie zwar nicht, dass die Schüler wegen einen Jahres noch mal wechseln. Was mit der jetzigen siebenten Klasse passiert – den Kindern der „Schulrebellen“ –, ist aber offen. Berndt glaubt, dass sie von Rietschen wieder nach Seifhennersdorf zurückkehren. Aber die Kinder genießen den Alltag an der dortigen Freien Schule. Berndt regt an, dass ein neutraler Vermittler die Gespräche zwischen Ministerium und Bildungsagentur auf der einen und Stadt und Eltern auf der anderen Seite begleitet.

In den Nachbarorten von Seifhennersdorf gibt es keine Befürchtungen, dass sich nun an ihren Schulen zu wenig Schüler anmelden könnten. Die Schülerzahlen haben schließlich auch vor dem Schulkampf gereicht. „Wir haben mit Großschönau, Hainewalde und teilweise mit Jonsdorf und Spitzkunnersdorf einen großen Einzugsbereich“, sagt Großschönaus Bürgermeister Frank Peuker (SPD). Ebenso ist sich Verena Hergenröder (parteilos) angesichts voller Grundschulklassen sicher, dass die Andert-Oberschule Ebersbach auch künftig genügend Schüler haben wird. „Wir haben die Schule dreizügig ausgebaut und sogar mal vier Klassen gebildet“, sagt die Bürgermeisterin von Ebersbach-Neugersdorf. Schulleiter Norbert Worofka macht sich jetzt noch keine Gedanken darüber und wartet erst einmal die Entscheidungen der Eltern ab. Auch in Oderwitz macht sich Bürgermeisterin Adelheid Engel (parteilos) keine Sorgen. Es sei möglich, dass der ein oder andere Seifhennersdorfer nun im Heimatort bleibe, aber deshalb in Panik verfallen wäre falsch, sagt sie. Die Oderwitzer Oberschule wird derzeit saniert, den Standort sieht die Bürgermeisterin daher als gesichert an. „Alles andere wäre verwerflich.“

Die Zahl der Grundschul-Abgänger schwankt jedoch von Jahr zu Jahr teilweise deutlich. In diesem Jahr steht Seifhennersdorf besser da als die umliegenden Orte. Hier besuchen derzeit 31 Kinder die vierte Klasse und wechseln folglich nach den Sommerferien auf eine Oberschule oder auf ein Gymnasium – im Jahr zuvor waren es 18 Kinder. In den meisten umliegenden Orten gibt es hingegen deutlich weniger Abgänger als vor einem Jahr. . (mit SZ/tc)

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